Full text: Über die Compensatio lucri cum damno

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kein Schaden, oder nur ein solcher Schaden entstanden ist, 
den er wegen Mangels von culpa nicht zu ersetzen braucht, 
(vgl. unten). 
Bei dieser Auslegung erklärt sich in. E. zwanglos der 
Schlusssatz „etiamsi . . . .“ und zugleich die verschiedene Lesart 
desselben. In den Handschriften fehlt nämlich das „non“, während 
es die Basiliken enthalten. — Man wollte in dem Schlusssatz 
zum Ausdruck bringen, dass der Verwalter den Zinsüberschuss 
auch dann behalten kann, wenn er keinen Schaden zu ersetzen 
braucht 4 ). — „Etiamsi orania nomina integra sunt“ umfasst nur 
den einen möglichen Fall, nämlich den, dass ein Schaden über 
haupt nicht entstanden ist. Dagegen begreift der Satz „etiamsi 
non omnia nomina idonea sint“ beide Fälle: Wenn nämlich der 
Verwalter sogar dann den Überschuss behalten darf, wenn ein 
Schaden eingetreten ist, den er nicht zu ersetzen braucht 5 ), wenn 
also der Staat einen definitiven Ausfall erleidet, dann darf er 
ihn erst recht behalten, wenn ein Verlust überhaupt nicht ein 
getreten ist. 
Anmerkung: Dass nach meiner Ansicht der Verwalter 
nicht für casus, sondern nur für omnis culpa haftet, ist aus 
dem Vorstehenden ersichtlich. Es lässt sich keine Quellen 
stelle aufweisen, aus der man die Kasushaftung mit 
Sicherheit ableiten könnte; sehr oft ist allerdings von einem 
„periculum ad curatorem pertinere“ die Rede; doch das beweist 
für sich allein gar nichts; denn „periculum“ bedeutet, wie 
an früherer Stelle ausgeführt wurde, nicht immer „Haftung 
für casus“, sondern mindestens ebenso oft lediglich „Ver 
antwortlichkeit“ 6 ). — Übrigens ist die Entscheidung dieser 
Frage dafür, worauf es mir hier ankommt, absolut unwesentlich 
man setze an die Stelle der hier angenommenen Haftung für 
omnis culpa die Kasushaftung, und man wird aus dem Folgenden 
sehen, dass die Differenz an der allgemeinen Auffassung der 
1 11 § I nichts zu ändern vermag. 
4 ) Warum dies hervorgehoben werden muss, ergiebt sich später. 
5 ) Dass hier nicht solche Verluste gemeint sind, die der Verwalter 
ersetzen muss, ist klar; denn dieser Fall dürfte nicht mit einem „etiamsi 1 
angereiht werden. 
6 ) Vergl. z. B. 1 12 § 6 D 50, 8: „periculum“ und andererseits „quae 
deteriora facta sunt tempore curatoris“; 1 11 pr. u. § 1 eod.: im § 1 
wird auch den Erben ein periculum aufgebürdet; sollten auch die Erben 
für casus haften? Vergl. dagegen „culpae nexum“ in 1 4 a. E. C. 11, 36.
	        
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