Full text: Vergleichend-morphologische Untersuchungen über die Blattformen der Ranunculaceen und Umbelliferen

besitzen, so von Ranunculaceen eine Abtheilung des Genus Ranun- 
culus selbst, z. B. R. gramineus, ferner Myosurus und Delphinium 
junceum in seinen oberen Theilen. Die Ümbelliferen sind durch 
einen Theil der Genera Bupleurum und Eryng., einige Oenanthe- 
und Siebera-Species, die Blättchen von Cynosciadium pinnatum und 
Archemora ternata vertreten. Die Widerlegung der irrthümlichen Mein 
ung, welche in den parallel-nervigen Blättern Phyllodien sah, vergl. im 
spec. Theil (p. 31, 32, 48). Beide Familien boten uns in je einer arten 
reichen Gattung: Ranunculus undHydrocotyle die Möglichkeit, graduell 
den Uehergang des herzförmigen Spi'eitengrundes in den spitz-keil 
förmigen zu verfolgen. Hand in Hand damit sahen wir sich die Ver 
änderungen in den Winkelabständen der Hauptnerven vollziehen. 
Nunmehr zu den Blattformen mit tiefer eingeschnittenem Rande! 
Gerade die den zuerst besprochenen, einfachen Formen noch am 
nächsten stehenden, fingerlappigen haben in beiden Familien eine 
grosse Zahl von Vertretern aufzuweisen, theilweise mit derartig ein 
ander gleichenden Umrissen, dass eine Verwechslung bisweilen leicht 
möglich ist. Man vergleiche Hydr. natans und ranunculoides mit 
Batrachium-Schwimmblättern oder mit R. alpestris! Der tiefer finger- 
spaltige bis gefingerte Sanicula-Typus ist ebenfalls bei den Ranuncula 
ceen sehr verbreitet: R. acer, aconitifolius, Anemone narcissiflora, 
Pulsatilla patens, Trollius, Delphinium und Aconitum. Ausserdem 
treifen wir die gleichen Gestalten bei den Primärblättern von Pflanzen, 
deren spätere Blattformen reicher getheilt sind, besonders bei den 
Ümbelliferen haben wir verschiedentlich auf derartige Verhältnisse 
hingewiesen, die natürlich bei den Ranunculaceen ähnlich auftreten: 
die einfachen, tief gelappten Anfangsblätter des R. repens. Wir haben 
gesehen, wie der von den Primärblättern an sich geltend machende 
Drang zu reicherer Gliederung alle die mannigfachen, trotz ihrer be 
deutenden Abweichungen doch sehr wohl vergleichbaren Typen schuf, 
die — wenigstens bei der zweiten Familie — den Haupttheil unserer 
Betrachtungen ausmachten. 
Bei der Fiederung selbst sind zwei Typen zu beachten, welche 
die Extreme der Formenvariation darstellen: das einfach gefiederte 
Blatt, dessen Blättchen sämmtlich annähernd von gleicher Grösse und 
gleichem Umrisse sind, und das mehrfach gefiederte, dessen Fiedern 
von unten nach oben eine graduell abnehmende Theilbarkeit zeigen, 
so dass eine rohe Umrisslinie der ganzen Lamina sich ziemlich als 
ein gleichseitiges Dreieck darstellt. 
Als ein weiterer Factor, der die grossen Verschiedenheiten der 
Blattformen bedingt, ist die grössere oder geringere Zertheilung der 
Blättchen in Zipfel anzusehen und zwar ist dieselbe völlig unabhängig 
von der Gliederungshöhe des betreifenden Blattes. Wie bei den ein 
fachen Blättern neben das ungelappte Grundblatt des R. cassubicus 
das tief gelappte Stengelblatt derselben Pflanze tritt, wie Hydr. repanda, 
Sanic. europaea, Astrantia minor eine ähnliche Stufenfolge darstellen, 
so auch bei den einfach und mehrfach gefiederten Blättern; vergleiche 
die zahlreichen Beispiele, wo auf Formen mit einfach gekerbten oder
	        

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