Full text: Hauskalender für den Kreis Plön (1914)

Luise, Königin von Preußen. 
Kalendermann freut sich, weun's bei solchen 
Gelegenheiten frisch und fröhlich von den 
Lippen klingt, und wenn das deutsche Volk 
jubelnd der großen Taten seiner Väter ge 
denkt; aber ivenn die Gedenkfeier nicht dazu 
dient dein Volke neue Kraft zuzuführen und 
den Entschluß reifen zu lassen, zurückzukehren 
zu den Tugenden, welche dazumal unser 
Volk mutig, stark und siegreich gemacht 
haben, zum deutschen Glauben, zur deutschen 
Treue, zur Einfachheit der Sitten und zur 
Opferwilligkeit, dann werden die vielen 
Feiertage bald schlechte Werktage machen, 
und unsere Väter werden recht behalten, 
da sie sagten: je größer das Fest, je ärger 
der Teufel. Ich .gedenke des großen Jahres 
„Dreizehn". Welche Opfer an Geld, Gut 
und Blut hat dazumal unser Volk gebracht, 
und wenn ich an die Musik denke, nach 
welcher jetzt an den Gedenktagen gesungen 
wird, dann wird's mir angst und bange. 
. - Das Geldgeschrci: „mehr! mehr! immer 
mehr!" ist ein schlechtes Lied, und ivenn 
das deutsche Volk nach dieser Melodie den 
Tanz ums goldene Kalb tanzt, dann wird 
es endlich unversehens in den Abgrund 
stürzen. Wo sind Menschen mit den offenen 
Friedrich Wilhelm III., König von Preußen. 
Herzen und den offenen Händen, wie solche, 
die vor hundert Jahren das Vaterland ge 
rettet haben? Man muß sie mit der La- 
lerne suchen und wird sie spärlich finden, 
dagegen kann man alle Tage solchen be- 
gegnen, deren Wahlspruch lautet: man muß 
das Geld von den Leuten nehmen, denn 
von den Bäumen kann man's nicht schütteln, 
und die dann auf ihrem Geld liegen wie 
der Hund auf dem Heu. Wie hat unser 
Volk die Gedenktage gefeiert? Ich höre 
andere Musikanten als die Geldjäger und 
Geldheger. In unseren Teichen und Gräben 
und in allerlei Sümpfen geht's alleweil: 
„quack, quack!" Die Männer der Wissen 
schaft wollen erforscht haben, daß diese 
Wassermännlein die Urahnen der Nachti 
gallen sind, da beide zur nachtschlafenden 
Zeit ihr schmetterndes Lied vollführen. Aber 
die Stammgäste des Sumpfes unterscheiden 
sich von den Sängern im Dornbusch da 
durch, daß sie im Chor singen und das 
Nasse lieben. In diesem Stück haben sie 
aber hier und da im festfeiernden Deutsch 
land viele Vettern, die auch Stammgäste 
sind und zur nassen Gesellschaft gehören 
und sich jeden Abend versaiumeln, reden,
	        

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