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nun erzählt ihm jeder Zaun und jeder
Graben, jeder Steg und jeder Baum etwas
von dem großen Heldenlied unentwegten
Kampfes, den Männer vor ihm auf seines
Ackers Breiten mit der Natur, mit Not
und Tod gekämpft haben nnd Nachfahren
einst kämpfen werden und Johann fühlt
sich nicht mehr klein. Er sieht sich als Glied
in der Kette, als Streiter im Heer. Das
verdankt er seinem Familienstammbuch.
Johann ist nur ein schlichter einfacher klei
ner Kätner. Je größer der Besitz ist, je
ausgebreiteter die Familie, um so wert--
voller ist es zu wissen, von wem man
stammt. Wer die Fehler und Tugenden
seiner Vorfahren kennt, wird leichter wis
sen, in welcher Beziehung er an sich zn
arbeiten hat, wo seine Begabung und sein
Mangel liegt. Wer seine. Vorfahren kennt
und weiß, daß vielleicht schon neun Gene
rationen vor ihm an derselben Stelle
schmiedeten oder dieselbe Scholle pflügten,
der wird auch nicht so leichtherzig die
Stätte seines Geschlechtes verlassen. Dem
braucht man nicht Heimatsschutz anzu
empfehlen, der schützt sich von selbst, weil
er sie liebt als den Boden, darauf er ge
wachsen -ist.
e
Wie die lübschcn Herren in Stakendorf
den Zehnten holten.
Alle Jähre gegen Fastnacht schickte der
lübsche Senat einige Herren, die in der
Probstei alles nachsehen mußten und die
Zehnten nnd Abgaben holten. Als sie ein
mal nach Stakendorf kamen, waren die
Lenke gerade dabei und feierten Fastnacht.
Ta gingen die alten Herren mit ins Gilde
haus und die Bauern räumten ihnen den
Ehrenplatz unter dem Schwibbogen am
großen Feuer ein. Ta es noch kalt in der
Jahreszeit, das Probsteier Getränk aber
nicht schlecht war, so geschah, daß von dem
vielen Herumgehen des Kruges mit dem
heißen starken Bier und Meth die alten
Herren schläfrig wurden und endlich ein
nickten. Taß sie betrunken gewesen seien,
will ich nicht behaupten.
Tie jungen Leute aber dachten mm,
sich einen spaß zu machen: sie bohrten in
die beiden Pfosten, die neben der Feuer
stelle standen und den Schwibbogen tru
gen, so viele Löcher als Herren da waren,
stopften dann ihre langen Bärte in jedes
und schlugen einen Pflock dazu hinein.
Die alten Bauern mögen wohl geschlafen
haben oder hatten auch ihren Spaß mit
daran.
Als sie nun meinten, die Herren hätten
ansgeschlafen, machten sie plötzlich einen
erschrecklichen Lärm, bliesen in die Wald
hörner und schrien, das Haus brenne. Da
fuhren die Herren aus dem Schlaf und kei
ner hat seinen Bart wieder mit nach Lübeck
gebracht, noch ist einer wieder gekommen,
um von den Stakendorfern Geld zu holen.
Andere sagen, es sei dieses auf dem
Gute Schmoel geschehen und der Lübecker
Senat über die Bosheit der Bauern so er
zürnt worden, daß er das Gut verkauft
habe und damit die Bauern alle zu Leib
eigenen gemacht habe.
Die teure Zeit.
An der Chaussee von Eutin nach Ol
denburg, dreiviertel Meilen von ersterer
Stadt, au einem hügeligen Orte liegt eine
kesselförmige Vertiefung, deren Wasser der
Abfluß fehlt. Sie heißt „die teure Zeit".
Denn für den Kornhandel sagt sie untrüg
lich die Preise vorher. Vor hundert Jah
ren kamen am Maitagmorgen die Hambur
ger Kornkaufleute da zusammen und sahen
nach, wie es stand. War viel Wasser darin,
gab es hohe Preise, war aber nur wenig
oder fallendes da, dagegen niedrige.
Auch in einem Gehölz bei Preetz ist eine
Grube, aus der man für den Sommer
prophezeit: viel Waller im Frühjahr macht
ihn trocken, wenig Wasser naß. Eine eben
solche Grube findet man im Gute Gamp
im Lande Oldenburg.

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