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Das Familienstammbnch.
Jeder der häufiger mit der Feststellung
don Namen oder sonstigen Lebensdaten
von Personen zu schaffen hat, wird bezeu
gen können, wie erstaunlich wenig die
Menschen oft von sich und ihren Voreltern
wissen. Es ist zwar nichts Alltägliches,
daß eine Frau behauptet, Florentine Jo
hanna Sophie zu heißen und sie hat in
Wirklichkeit die Namen „Maria Magda-
lene Bertha"; sie hat sich nur eben mit
ihrer Kousine verwechselt, mit der sie lange
auf derselben Stelle gedient hat. Aber das
ist schon häufiger, daß man lange eine Ge
burtseintragung sucht auf Grund von An
gaben, wie etwa: Ick büun Anfang de
Söstiger und ick bün um Jakobi herum
geboren, wenn de Roggen riep is, oder
„Ick bünn dree Tag na Martinimarkt, as
de Östreicher hier weern, geboren" und
daß sich nach endlosem Suchen schließlich
herausstellt, der Suchende entstammt
einem ganz anderen Kirchspiel oder Stan
desamt. Man bekommt dann wohl, wenn
man knurren will, die erstaunte Antwort:
„Ja. se bebbt doch de Böker".
Selbstverständliches Reckst der Melden
den ist es, bei seder Eintragung die
Schreibweise des Namens zu verändern,
denn die Abwechselung ergötzt. Deshalb
wird auch von den drei Vornamen jedes
Mal ein anderer als erster genannt oder
der ejne oder andere gelegentlich fortge
lassen. Aber das kann stch dach auch ieder
denken, daß Gans Hilfgott Jobst ebenso
gut gelegentlich Bernhard Gotthilf Hans
Joost oder auch Hans Bernhardt Jost bei
ßen kann. Die Schwierigkeit liegt nur
darin, daß er garnicht Jobst oder Joost
noch'Jost beißt, auch nickst Jobst und
sondern Hagedorn, genannt Petersen.
Denn er ist vorehelich aeboren und seine
Mutter war es auch. Seine Großmutter
war eine geborene Hagedorn und hab-"- 'st
die Tochter so genannt worden, obwohl ihr
Vater Jobst die Mutter nachher aebestatet
hat. Auch Hans Bernhard Gottlulf's Mut
ter ist verbeiratet und rwar mit dem Vater
ihres Kindes. Sie beißt daher jetzt Peter
sen und davon ist etwas ans ihren Jurm-m
abgefärbt: er wird Petersen genannt. Ta
er aber zuerst bei seinen Großeltern Jobst
ausgetan war und schließlich dort geblie
ben ist, so nennt alle Welt ihn Johst und
er sich auch, als ob er seines Großvaters
Lobn statt Enkel wäre. Diese Buntheit der
Namen wäre für den Jungen und sein
Dasein eher erfreulich als ärgerlich, zumal
ihn im Dorf kein Mensch anders als
„Pogg" ruft, weil er beim Hüpfen so mäch
tige Sätze inachen kann. Leider herrscht
aber nicht das wechselvolle Leben, sondern
die schwarze Tinte auf dem grünen Tisch.
„Wat schreven is, is schreven". Der Pogg
wird es noch schmerzlich genug empfinden,
wenn er bei der Konfirmation mit einem
Mal „Hagedorn", also mit einen: Namen
genannt wird, den weder die Großeltern
noch die Eltern tragen, wenn es bei den
Soldaten ewig Scherereien mit seinein Na
men gibt und wenn er bei seiner Ehe
schließung wegen des inzwischen erfolgten
Todes seines Großvaters vergebens nach
holen zu lasten sucht, was versäumt war.
So wird er, um schließlich etwas zu ord
nen. vom Vater anerkannt und heiratet als
Petersen, nachdem er als Hagedorn kon
firmiert war und gedient und als Johst
die Schule besucht batte. Wäre ein Stamm
buch dagewesen, io hätten die Beansten
beim Eintragen der Daten sicher darauf
aufmerksam gemacht, daß lowobf Mutter,
wie Sobn durch kostenlose Aufnahme eines
kurzen Protokolls hätten ehelich geschrie
ben werden können, da sie durch die nach
folgende Ebe ihrer Eltern als ehelich ge
boren angesehen werden konnten. Dann
hätte Hans Mutter, als Großvater Jobst
starb, nicht bei der Erbschaft als unberech
tigt sortqewiesen werden können von den
Geschwistern, weil uneheliche Kinder nicht
miterben vom Manne ihrer Mutter, mag
dieser Mann zehnmal tatsächlich ihr leib
licher Vater sein. Dann wäre viel Streit
und Leid der ganzen Familie erspart ge
blieben. Denn Mutter Johst konnte es
ihren anderen Kindern nicht vergessen,
daß sie den Buchstaben höher stellten, als
das Blut, und dem Ausdruck im Testa-
uient ihres Vaters: „unter meine Kinder
verteilt werden" eine so engherzige Aus-
legnng gaben. Vielleicht war sie auch
etwas nervös von der langen Pflege ihres

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