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nicht, mir aber, als seiner Tochter, ge
bühret es, daran zu zweifeln, und Ew.
Majestät wird dies gewiß, unbeschadet des
richterlichen Ausspruchs, der kindlichen
Pflicht gestatten, die mir gebietet, in
Liebe meines Vaters zu gedenken. Gesetzt
indes, er wäre strafbar gewesen ■— so bin
ich doch überzeugt, daß Ew. Majestät ihn
in seinen unschuldigen Kindern nicht ver
folgen werden. Seit wir den Versorger
verloren haben, den uns die Natur zur
Stütze verliehen, sind wir von Gott an
Ew. Majestät verwiesen, und deshalb wer
den Ew. Majestät die demütige Bitte nicht
abschlagen, die um Hülfe fleht."
„Seltsame Schlüsse," sprach der König
lächelnd. „Also weil Tein Vater gestorben
ist, habe ich die Verpflichtung, an seiner
Stelle zu treten?"
„Nicht eben die Verpflichtung," ant
wortete Christina, „Wohl aber den hohen
Beruf dazu, der von Gott meinem Könige
wurde, und ich werde gewiß nicht davon
ausgeschlossen, weil ich meines Vaters
Tochter bin."
Dem König gefiel der Freimut, mit
dem das Mädchen sprach. Ihr klares
Auge, beseelt von Hoffnungen und Zu
versicht, erhob sich so treuherzig zu dem
seinen, ihr schöner Mund lächelte ihn so
kindlich an, daß seine Blicke mit Wohlge
fallen auf ihr ruhten.
„Alles, was ich für Dich tun kann,"
sagte er nach einer kleinen Pause, „ist, daß
ich Dir einen neuen Versorger gebe, in
dem ich Dich verheirate."
Ein anfallender Ernst verdrängte den
Frohsinn ihrer Mienen, als der König
diese Worte sprach.
„Das wäre gerade das letzte, was ich
mir wünschen würde, gnädigster Herr,"
unterbrach sie ihn.
„Wie?" sprach der König, „bist Du
etwa eine Feindin der Männer und des
Ehestandes?"
„Das nicht," versetzte sie errötend,
„aber ich glaube, Ew. Majestät Wahl möge
wohl nicht die meinige sein."
„So hast Du schon gewählt?," erwi
derte der König.
„Nur in Gedanken," antwortete sie,
das helle Auge senkend.
Einige Augenblicke gingen schweigend
vorüber. Christian fühlte sein kalt ge
glaubtes Herz durch eine immer steigende
Wärme erfaßt. Er nahm Anteil an dein
Mädchen.
„Laß denn einmal hören," nahm er
wieder das Wort, „weshalb Du fürchtest,
meine Wahl möchte nicht die Deinige
sein?"
„Ich denke," entgegnete Christina ver
legen, „Ew. Majestät würden mir einen
Ihrer Hofleute zum Gatten geben wollen
und mich glänzend für das Leben abge
funden glauben, wdnn er nur jung, schon
und reich wäre."
„Nun, sonderbares Mädchen," fiel ihr
der König in die Rede, „sind denn Jugend,
Schönheit und Reichtum so große Fehler
in Deinen Augen, daß dir das Gegenteil
vielleicht willkommener wäre?"
„Das nicht, mein König!" sagte Chri-
stina, „ich fühle nur, daß, wenn ich je
einem Manne angehören soll, ich zu ihm
muß aufwärts schauen können, nicht ihn
unter mir erblicken, und nimmer vermöchte
ich dies zu einem Jüngling, der gleich
dem frisch gekelterten Traubensaft noch im
Brausen ist. Nicht die Torheiteir meines
Gatten will ich beweinen — er soll die
meinen zu verhüten wissen, indem er
meine unerfahrene Jugend zu leiten ver
steht und mich vor dem Straucheln be
wahrt."
„Ihr sprecht Weiser, als Eure Jahre
es erwarten lassen," sprach der König
etwas betroffen, indem zu seinem eigenen
Befremden das herablassende Du nicht
mehr über seine Lippen wollte. „Woher
hattet Ihr auf Eurer kurzen Lebensbahn
Gelegenheit zu so ernsten Prüfungen, zu
einer so ruhigen, sonst nur, dem gesetzten
Alter eigenen Ansicht?"
„Die Erfahrung, mein König und
Herr," versetzte Christina. „Nicht im
Schoß des Glückes würde sich mir das
Leben in seiner eigentlichen Gestalt ge
zeigt, nicht in der Fülle des Ueberflusses
die Wahrheiten aufgedrungen haberr, die
ich in unbeachteter Stille wie köstliche
Perlen mir sammelte, um damit womög
lich meine dunkle Zukunft zu schmücken.
Früh gewöhnt, den sorgenden Blick aus
alle Lebensverhältnisse um mich her zu
richten, um zu erforschen, ob nicht aus
irgend einem eine Hoffnung für die
Meinigen und mich hervorgehen könnte,
hat keine Täuschung mich je in süßen
Wahn gewiegt, sondern klar und oft schroff
ist mir die Wirklichkeit erschienen, und aus

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