Full text: Hauskalender für den Kreis Plön (1913)

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Vauerncrbe. 
Ueber die Scholle, an der wir so -hangen, 
sind viele liebe Menschen gegangen, 
haben geackert und gesät, 
haben gelbes Korn gemäht. 
Satt und gebeugt ist mancher geschritten, 
mancher hat heimlich Hunger gelitten. 
Fragende Augen blickten stumm 
nach geahnten Wundern sich um. 
Stammlerlippen regten sich leise — 
nngesnugcn blieb die Weise, 
sank wie fernes Glockengeläut 
in des Alltags Not und Streit. 
Dankend möchte ich die Hand euch geben, 
allen, die euch ein hartes Leben 
nicht zu stumpfen Knechten gemacht. 
Ihr gebt dem Acker heimliche Macht. 
Eure Lieder, die nie befreiten 
geistern über des Feldes Breiten 
und ein Mndling, bedrückt und froh, 
lauscht versonnen: „Was klingt denn so?". . 
wir Sauern. 
Wir Bauern, das lassen wir uns nicht nehmen, - 
wir brauchen uns nicht des Lebens zu schämen. 
Und, sind wir Knechte der Arbeit nur, 
wir kommen dem heimlichen Glück auf die Spur. 
Wir wissen, wie's der Frühling meint, 
wenn seine Sonne den Anger bescheint; 
wir hören im Walde der Käser Gesumm, 
das Herz will singen — der Mund bleibt stumm. 
Wir atmen den Ruch der Scholle ein 
und müssen wieder stille sein, 
wir ivischen den Schweiß uns vom Gesicht 
und blicken ins rote Morgenlicht. 
Wir Bauern schaffen mit schwerer Hand, 
wir halten Sturm und Wetter stand. 
Wir sehen, wie der Hagel die Halme fällt — 
der Acker wird schweigend neu bestellt. 
Wir ahnen, was die Buche klagt, 
Wenn tief im Holz die Säge nagt. 
Wir plaudern mit dem jungen Baum 
und gönnen ihm den Frühlingstranm. 
Wir schauen nicht weit nach Ost und West, 
wir hangen am Heim, wir hangen am Nest, 
der Hütte Zauber, des Ackers Schweigen, 
sie sprechen zu dem nur, dem beide eigen. 
Wir Bauern, das soll uns keiner nehmen, 
wir brauchen uns nicht des Lebens zu schämen. 
Das heimliche Glück gibt heimlich nur, 
doch wandelt es gern auf einsamer Flur. 
Alfred Huggenberger 
„Hinterm Pflug", Verse eines Bauern. 
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