Full text: (1913)

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auch berufen an unseren bescheidenen Platz, auch das Jahr 1913 ein Jahr des inneren 
daher frei von Menschenfurcht, bestimmt, und äußeren Fortschrittes, ein Jahr des 
fest. Sind wir so beschaffen, muß uns Glückes werden. 
Friedrich Hebbels Geburtshaus in Weffelburen. 
In der Weberstube. 
Du kennst, lieber Kalenderleser die bei 
den Alten auf unserem Bilde, so gut wie 
ich. Bei uns heißen sie Hans und Anna 
Sorgensried. Bei Dir haben sie vielleicht 
andere Namen, aber das tut ihrer Ehr 
würdigkeit und ihrem stillen Glück keinen 
Abbruch. 
Das surrende Rad und der klappernde 
Webstuhl gehören eigentlich nicht mehr in 
die Stube, sondern in die Fabrik. Aber die 
beiden Alten möchten die beiden Geräte 
um keinen Preis missen. Sie gewähren 
ihnen ja nicht nur im stillen, abgelegenen 
Torfe ihren bescheidenen Unterhalt, son 
dern ihr inneres Leben hängt daran. Sie 
und der Koffer, der nicht umsonst ans dem 
Bilde einen so großen Platz einnimmt, hal 
ten ihnen ihre Jugend fest. Hat doch, Hans 
einst als kleiner Purks neben diesem selben 
Webstuhl, an deni sein Vater emsig wir 
kend saß, gestanden und dem eilig sau 
senden Schiffchen zugesehen. Hat doch An 
nas Mutter dasselbe Rad mit rastlosem 
Fuß getreten, an dem Anna selbst nun den 
Faden zieht, der dünn, fest und gleich 
mäßig ist, wie ihr weißes Haar. Die Truhe 
aber birgt nichts für die Alten, sie schützt 
nur, was ihr anvertraut ist, vor den Staub 
des Alltags. Denn die zwei alten Angen 
paare schauen durch den dicken eichenen 
Deckel hindurch. Da liegt der grüne, der 
silberne und goldene Brautkranz. Sie e^ 
zählen ihnen von drei Festtagen, die noch 
mit ungetrübtem Glanz ihren grauen All 
tag erleuchten. Da liegt ihr Totenzeug' 
hoffnungsvoll anzusehen. Alle Mühe und
	        
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