Full text: Hauskalender für den Kreis Plön (1913)

menzubringen gewußt, um den Aermsten 
und Verlorensten in der Welt leibliche 
und geistige Hülfe zu bringen und, wenn 
auch die Art feiner Wirkfamkeit für unfere 
Verhältnisse etwas Befremdliches hatte, 
und die rücksichtslose Ausnützung seiner 
Helfer eine Schattenseite seiner Erfolge 
war, so werden die großen 'und gemein 
nützigen Einrichtungen, die Booth ge 
schaffen hat, doch in vielen Großstädten 
der Welt dem selbstlosen Mann ein geseg 
netes Andenken noch lange Zeit erhalten. 
Unter den Entdeckungsreisenden ist der 
Norweger Amundsen zu nennen, der den 
Südpol erreicht hat. 
Amundscn, Entdecker des Südpols. 
Leemanns- und Kohlenarbeiterstreiks, 
Generalstreiks und Aussperrungen haben 
leider iiberall den Gegensatz zwischen Ar 
beitgeber- und nehmen verschärft. Es soll 
hier nicht unerwähnt bleiben, daß die 
christlichen Gewerkschaften des Rheinlan 
des bei einem mutwilligen Streik der 
Mitarbeiter sich ihrem Gewissen und der 
Vernunft folgend als znverlässige Stützen 
unserer Gesellschaft gezeigt haben. 
Daß die christlichen Bergarbeiterver 
bände dadurch auch sich selbst einen großen 
Dienst erwiesen haben, gebt aus dem viele 
Millionen großen Verluste hervor, den die 
streikende Arbeiterschaft bei diesem völlig 
aussichtslosen Ausstand durch die Schuld 
ihrer sozialdemokratischen Leiter erlitten 
hat. Die Hetzer bei diesem hoffnungslosen 
. Streik haben wohl gerade diese Verluste 
gewollt. Denn je ärmer die Arbeiter sind, 
um so eher sind sie der Predigt vom Hatz 
gegen alles Bestehende zugänglich. Dre 
chrrstlichen Arbeiterverbände meinen aber, 
daß auf einem großen Trümmerfeld für 
die Arbeiter auch kein Korn wächst und 
wollen lieber ihre Lage nach Möglichkeit 
innerhalb des Bestehenden verbessern und 
so fiir sich und die Ihrigen und zugleich für 
das Gedeihen des Staates, das auch ihr 
Glück umschließt, wirklich sorgen. 
Die Ernteaussichten sind in Folge un 
günstiger Witterung in den meisten Län 
dern Europas schlecht, trotzdem viel ge- 
wachsen war. Eine Reihe von Stürmen, 
Ueberschwemmungen, Brände, schlagender 
Wetter, haben an verschiedenen Stellen 
großen Schaden getan. Da erwartet uns 
manche Not und Sorge im kommenden 
Jahr. Wir aber wollen, uns durch den 
Ausblick auf zwei Gedenktage Mut schen 
ken lassen, die das Jahr 1913 uns bringen 
wird. Am 13. März 1813 ward Friedrich 
Hebbel in Wesselburen geboren. Der arme 
Maurersohn hat es durch Begabung und 
Wille möglich gemacht trotz der ärmlich 
sten Verhältnisse einer der großen deut 
schen Dichter 31t werden, deren Einfluß 
und Bedeutung mit den Jahren wächst, 
Der andere Gedenktag richtet unser Au 
genmerk auf unseren treugeliebten Kaiser 
und Herrn. Am 16. Juni werden es 25 
Jahre, seitdem er auf Deutschlands Kai 
serthron sitzt. Es ist unseres Herrschers 
unwandelbarer Glaube, daß Gott ihn auf 
seinen hohen Platz berufen und gestellt hat. 
Das gibt ihm auf der einen Seite Mut, 
auszuhalten, auch wenn Verkennung, Un 
dank und Anfeindung oft sein Lohn ist, 
das verleiht aber allen seinen Worten und 
Wandlungen andrerseits den Ernst und 
Wert des Persönlichen. Der Kaiser weiß, 
daß er Gott Rechenschaft geben muß und 
was er vor Gottes Angesicht als recht zu 
erkennen glaubt, das führt er durch. 
Das soll auch für uns seine treuen 
und dankbaren Untertanen, die Losung 
sein. In Gott gebunden, daher gewissen 
haft, zuverlässig und ehrlich, durch Gott
	        
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