Full text: (1913)

1912. Als derselbe am 7. Februar zusam 
mentrat, enthielt er 110 Sozialdemokraten, 
sodaß diese Partei die Präsidentschaft 
hätte beanspruchen können und derselbe 
Scheidemann als Vizepräsident dort wal 
tete, der des deutschen Kaisers Haus mit 
Schmähungen in seinen Agitationsreden 
zn bedenken pflegt. 
Doch-wußte der Reichstag über Erwar 
ten gut, die Sozialdemokraten niederzu 
halten, wenn auch nicht das Mittel poli 
zeilicher Entfernung gebraucht werden 
mußte, wie im Abgeordnetenhaus, als 
Major Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow, 
Führer des Freikorps. 
Genosse Burchard und seine Kompane 
Radauscenen aufführten. Ja, selbst eine 
erhebliche Vermehrung des Kriegsheeres 
des deutschen Reiches kam ohne Wort 
gefecht durch und wurde so für unser An 
sehen im Auslande doppelt wertvoll. Auch 
eine starke Vermehrung unserer Flotte 
durch Schaffung neuer Geschwader ist in 
Aussicht genommen. 
Eine Reihe neuer Gesetze, wie das 
Feuerbestattungsgesetz, das Wassergesetz, 
die Zweckverbandsvorlage, die Gesetze über 
Jugendpflege, ländliche Fortbildungsschu 
len, Zwang zur Arbeit wurden vom Abge 
ordnetenhause erledigt. Ebenso gab der 
durch Gewinnsucht und Leichtsinn herbei 
geführte schreckensvolle Untergang des 
englischen Riesenluxusdampfers „Titanic" 
Veranlassung zu neuen Bestimmungen für 
die Sicherheit der Passagiere und Mann 
schaften. 
Wie sehr das deutsche Volk bereit ist, 
für Erhaltung des Friedens Opfer zu 
bringen, zeigt auch der Ertrag der noch 
nicht abgeschlossenen nationalen Flug- 
spende, die doch wohl 6 Millionen errei 
chen wird. Die selbst für unsere schnell 
fortschreitende Zeit überraschend sich ent 
wickelnde Flugtechnik soll nicht umsonst im 
Jahre 1911 etwa 80 Menschenleben als 
Opfer gefordert haben, sondern ihre Er 
rungenschaften sollen mehr noch als dem 
Sport und Verkehr, der Wehr unseres 
Landes zugute kommen. Denn welche Be 
deutung Flieger und Ballon für die Auf 
klärung und den Kampf haben, zeigten 
noch die letztsährigen Manöver. Dem 
Kaiser zur Seite bei der Fürsorge für die 
Armee trat der Kronprinz, der den König 
mehrfach bei Manövern, wie z. B. die in 
Sachsen vertrat. 
Das Leben des Kaisers verlief in ge 
wohnter Weise. Die Weihnachsfeier und 
die dem Ordensfeste und seinem Geburts 
tag sich anschließenden Feste — dieses Mal 
auch die Tauffeier des vierten Sohnes des 
kronvrinzlichen Paares, — der Aufenthalt 
im Achilleion auf Korfu, die Nordland 
reise und der Aufenthalt in Wilhelmshöhe 
bildeten wie sonst die Einteilungspunkte 
im Leben unseres Kaisers, dazwischen 
lagen wie alljährlich die Reisen zu beson 
deren Festlichkeiten und zu Begegnungen 
mit Fürstlichkeiten. Unter den letzten ist 
besonders das dreitägige Zusammenleben 
des Kaisers mit der Zarenfamilie in 
Baltischport zu erwähnen, wo in Anwesen 
heit der beiderseitigen Minister neue 
Grundlagen für ein freundschaftliches Zu 
sammengehen beider Reiche in den haupt 
sächlichsten politischen Fragen festaelegt 
wurden. In der anderen Hinsicht könnte 
die Gegenwart des Kaisers beim Stapel 
lauf des Riesendamvfers „Imperator" und 
bei der Hundertjahrfeier der Kruppschen 
Werke in Essen, die dadurch zu einer na 
tionalen gestempelt wurde, genannt 
werden.
	        
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