Full text: Hauskalender für den Kreis Plön (1913)

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Vorsicht beim Unterschreiben von Bestellscheinen. 
Bestelle nichts, was dn nicht nötig 
hast. Denn wer kaust, was er nicht nötig 
hat, wird einst verkaufen müssen, was er 
nicht entbehren kann. 
Ob du etwas entbehren kannst, wirst 
du daraus abnehmen können, ob du es 
vermißt hast, bevor der Reisende dich be 
reden wollte, es zu bestellen. 
Bestelle nichts bei einem Reisenden, 
was du am Ort im Laden kaufen kannst. 
Du kaufst beim Reisenden nicht billiger. 
Außerdem hast du im Laden eine größere 
Auswahl und dort heißt es: „Augen für 
Geld": du siehst, was du für dein Geld 
bekommst, während du beim Reisenden 
die Katze im Sack kaufst. 
Unterschreibe keinen Bestellschein, den 
du nicht ganz gelesen und verstanden hast 
nnd achte dabei darauf, ob der Schein 
auch bereits ganz ausgefüllt und Unzu 
treffendes gestrichen ist. Besonders achte 
auf die klein gedruckten Stellen und auf 
das, was ani Rande quer aedruckt ist oder 
unten als Anmerkung hinzugefügt ist. 
Diese Stellen sind meistens die verfäng 
lichen und daher wichtigsten. 
Sehe zu, ob die Zahlen, und Preise 
stimmen! Verstehst dn etwas nicht, so laß 
dich ans keine Erklärung ein, sondern ver 
lange, daß es gestrichen wird. Unter 
schreibe nicht, wenn der Reisende es nicht 
streichen will! 
Verlaß dich nicht auf mündliche Ver 
sprechungen. Es gilt nur der Bestellschein 
und, was darin steht. Darum laß alles, 
was man dir verspricht, in den Bestell 
schein eintragen! 
Am Besten verhandelst du mit den Rei 
senden vor Zeuaen. 
Verlanae Abschrift vom Bestellschein 
und laß diese gleich vom Reisenden zu 
deinem Gschk-^beit unterschreiben, bevor du 
de» Bestellschein zu seiner Sicherheit un 
terfertigst. Prüfe dabei aber ob Bestell- 
smein mW Abschrift übereinstimmen. 
Unterschreibe keinen Bestellschein, wenn 
etwas vom Erfüllungsort oder Gerichts 
stand darin steht. Verlange, daß der Satz 
gestrichen wird, sonst unterschreibe nicht. 
Du wirst sonst auswärts verklagt und 
durch Versäumnisurteil verurteilt, weil 
du dir dort in der fremde keinen Anwalt 
nehmen oder ihn wenigstens nicht genü 
gend unterrichten kannst. 
Hüte dich vor Ratenzahlungen. Sie 
sehen billig aus, aber Du bezahlst die Sa 
chen sehr viel teurer, als wenn du mit 
einein Mal bezahlst. Spare lieber die 
Summen, bis du dir die Nähmaschine, 
das Konversationslexikon oder den Sopha 
kaufen kannst. Man kann mehr entbeh 
ren, als man glaubt, man muß nur nicht 
immer sich nach „den Anderen" richten. 
Es ist besser, du wartest mit der An 
schaffung einer Sache noch einige Mo 
nate, als daß du sie auf Abzahlung 
nimmst, die Raten nicht aufbringen kannst 
nnd die Ware dir wieder abgeholt wird, 
während die ganze bis dahin geleistete 
Anzahlung verloren geht. Dann erst ent 
behrst du und zwar den Gegenstand, an 
den du dich gewöhnt hattest und dein 
Geld dazu. 
Kaufe nicht auf Empfehlungen hin, 
die angeblich dem Reisenden von dir be 
kannten Personen, dem Pastor, dem Leh 
rer gegeben sind. Düste Emvfeblunaen 
sind in vielen Fällen Schwindel, der das 
Mißtrauen einschläfern soll. 
Besonders ist diese Empfehlung beim 
Anvreisen von Büchern üblich, die weit 
über den Ladenpreis den Leichtgläubigen 
angepriesen werden. Der Lehrer und 
Pastor wird gern dem, der lesen oder Bü 
cher schenken will, gute und billige Bücher 
und Bilder nennen. 
Jedes Ladengeschäft läßt sich auf einen 
vernünftigen Umtausch ein. d-r Händler 
zielst weiter und man kennt kaum seinen 
Namen. Darum büte dich beim Unter 
schreiben von Bestellscheinen. 
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