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Nun werden die Vögel munter, sie
finden rn den Dornen und in den Löchern
der knorrigen Wurzelstämme sichere Ver
stecke für ihre Nester. Das Goldammer
pärchen nistet unten im dichten Gras, der
Zaunkönig hat sein Schloß im Astloch des
alten Eichenstemmels, der Hänfling wohnt
im dichten Schwarzdornstrauch und die
Drossel ist sein Nachbar. Aber es haben
noch viele andere gute Sänger im und am
Knick ihr Heim. Sie singen aber nicht nur,
sie haben auch wacker zu arbeiten, wenn sich
im Nest die niinniersatte Brut drängt und
den ganzen Tag die gelben Schnäblein
weit aufsperrt. Wie viel Ungeziefer, das
unsere Obstbäume schädigt, schleppen sie
dann herbei! Man soll diesen Nutzen nicht
gering schätzen, weil man ihn ohne Gegen
leistung hat. Tie Obstbaumzucht gewinnt
doch überall im Lande an Bedeutung. Den
Schaden merkt man meist erst, wenn es
zu spät ist. — Ich las kürzlich im „Schlei
boten", daß man in einem Torf von der
Sparkasse geschenkte 50 dl dazu verwen
det, künstliche Niststüttcn zu schaffen. Wird
das schon für nötig erachtet im Lande der
Knicks?! Laßt die Sänger und Fänger
nicht obdachlos werden! — Freut euch ihrer
Lieder, wenn Ihr im Sommer hinterm
Knick liegt und herausschaut in das Laub-
gewirr, das von wilden Rosen und Je-
länger-Jelieber durchwebt ist! Und dankt
ihnen für ihre Arbeit, wenn der Herbst
kommt und euch im Garten Früchte be
schert!
Wie reich ist dann der Knick! Er gibt
den Buben Haselnüsse; aber auch die Mei
steren verschmähen es nicht, mit den Nuß-
haken auszuziehen. An den wilden Rosen
büschen hängen dann leuchtend rote Hage
butten. Tie Kundigen wissen, wo im Felde
„Kreten" (Mirabellen) zu finden sind: hier
und da steht auch ein Apfelbaum, um den
sich sein Herr nicht weiter kümmert, und
der darum jedermann gehört. Tie Haus
mutter aber legt Wert darauf, einige
Körbe voll Fliederbeeren zu bekommen, es
wird aus ihnen Satt gemalt, auch werden
sie getrocknet. Großen Reichtum aber bie
ten die Knicks an Brombeeren. Und was
für eine herrliche Frucht ist die Brombeere!
Scbade, daß viele Tausende davon abfallen
oder am Stengel verderben, weil es an
fleißigen Händen fehlt, sie zu pflücken.
Selbst die Schlehen schätzt der Kennen
wegen des aromatischen Tranks, der sich
aus ihnen bereiten läßt. So ein fürsorg
licher Freund der Familie ist der Herbst
knick. Eine Menge der verschiedenartigsten
Schätze birgt er unter seinem Mantel, der
noch einmal in wunderbar freundlichen
Farben aufleuchtet, ehe die Winterstürme
die bunten Flitter abreißen und über die
Felder fegen.
Dann aber geben seine Blätter manch
zartem Pflänzlein Schutz gegen des Win
ters Härte, und manchem Tierlein geben
sie eine Decke. Im Knick aber finden die
Vögel immer noch den Tisch gedeckt. Ma
ger ist zwar die Kost, aber die Schlehen,
die bis tief in den Winter hinein sitzen
bleiben, und die Hagebutten schützen doch
vor dem ärgsten Hunger. Wer jetzt an
den Knicks entlang wandert, der sieht, so
recht, wie viele Vögeln sie zum Brüten
Schutz gaben: Jetzt entdeckt man.Nester
an Stellen, wo inan sie im Sommer gar
nicht vermutete, weil sie von Laub und
Kraut völlig eingeschlossen waren, jetzt erst
sieht man, wie unsere Vegelwelt arm
würde, wenn man ihr die Nistgelegenheit
in den Knicks raubte.
Wenn wir dies alles unsern lieben
Laüds- und Landleuten so recht eindring
lich vor Augen führen, so muß das hier
und da doch einigen Eindruck machen! —
Eisern und schelten nützt nichts, das ver
bittert. Aber wenn wir ruhig und sachlich
die Vorteile den Nachteilen gegenüber
stellen, so kann das helfen. Wo dann doch
so ein altes moosgrünes und efeunm-
lvobenes Naturdenkmal fallen muß, weil
der Weg verbreitert werden muß, oder wo
aus anderen Gründen seine Breite be
schränkt werden muß, da lege man für eine
Weißdornhecke ein gutes Wort ein. ■—
Nicht für eine viereckig-geschnittene, son
dern für eine, die hoch gebt. Es ist das
für uns kein vollwertiger Ersatz für einen
Knick - beileibe nicht! — aber es ist doch
etwas. - - Ueberall aber, wo einem Knick
Gefabr drobt. wo die Nachteile schwerer
zu wiegen scheinen, als die Vorteile, da
lege man all die unwägbaren Werte in die
Waaschale, die für jeden ins Gewicht
fallen, der seine Heimat und ihre Eigenart
liebt, dann dürfte doch in manchen Fällen
das Zünglein der Wage nach der Seite der
Knicks ansichlagcn.

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