Full text: (1913)

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sie wird das schöne „kleine Holz" nicht gern 
entbehren. Torf gibt es so wie so schon 
nicht mehr; nimmt man ihr nun noch dies 
saubere Brennmaterial, so muß sie auch 
in der Küche schmutzige Kohlen brennen. 
Man hat der Industrie und Maschine oft 
Len Vorwurf gemacht, daß sie die Land 
schaft „verschandeln" —, die Buschhack 
maschine wirkt in entgegengesetzter Rich 
tung: sie schützt die Knicks, denn sie macht 
sie wertvoller. Früher mußten die Mäd 
chen das Buschholz hacken; viele Tage lang 
klapperten die Beile auf den Haublöcken, 
und noch fixer ging das Mundwerk — 
Las Kleinholz aber wurde teuer. Jetzt 
kommt die Genoss^nschafts - Buschhackma 
schine, und in einem Tage sind Berge von 
Buschholz in einen Hafen Kleinholz ver 
wandelt: dadurch wird es billiger. 
Wird ein Knick entfernt, um Land zu 
gewinnen, oder um sonstwie anliegende 
Aecker zu verbessern, so wird statt des 
lebenden Zauns ein toter gesetzt werden. 
Der kluge Rechner hat dann auf die Debet 
seite wieder die Kosten für Pfähle, Draht 
und Arbeitslohn zu setzen, und er hat wohl 
zu berücksichtigen, daß der tote Zaun nicht 
nus eigener Kraft aufwächst, sondern von 
Zeit zu Zeit erneuert werden muß, daß er 
also nicht nur nichts einbringt, sondern 
dauernd Geld kostet. Es wird sich daher 
doch mancher die Sache erst überlegen, ob 
er einen Knick niederreißen will. — Und 
dann werden wir, die wir unserer Heimat 
möglirbit viel der ursprünglichen Eigenart 
und Schönheit erhalten wollen, vortreten 
und in die schwankende Wage das legen 
müssen, was wir für unsere Knicks an 
zuführen haben. 
Zunächst also die erwähnten praktischen 
Eigenschaften der Knicks, und dabei dür 
fen wir vielleicht auch an das erinnern, 
was der alte Angler Chronist Pastor Jen- 
sen-Gelting 1844 in seinem Buche über 
die „Zäune und Knicks" schrieb. 
„Wer erkennt in Angeln jetzt nach dem 
äußeren Ansehen, welches es genommen 
hat, das, was es einst war, ein Land voller 
Wälder und Sümpfe? Freilich, noch hin 
und wieder sind Waldungen, besonders die 
Königlichen Gehege, auch noch in manchen 
Orten schöne Bauernhölzungen, die ge 
schont werden; aber wie viele Hölzungen 
sind bei Menschengedenken niedergehauen, 
wie manche haben noch jedes Jahr das 
selbe Schicksal! Und schon fängt die Feue 
rung an, vielerorts ein kostbarer Artikel 
zu werden; die Moore werden stark in 
Anspruch genommen, wo sie noch sind, und 
schon meilenweit holt man den Torf: voni 
Satruper Moor bis nach Gelting hin. Wer 
etwas Moor hat, besitzt darin einen Schatz. 
Wie wird es damit in der Zukunft werden? 
Beispiele anderer Gegenden liegen uns vor 
Augen. So war die Insel Aeröe einst ganz 
bewaldet und ist jetzt kahl. Bis zum 
Stoppelbrennen, wie in den Marschen, 
wird es in Angeln freilich nicht kommen; 
wir haben doch Zäune und Knicken, aber 
mit dem Busch derselben werden viele in 
Zukunft sich behelfen müssen und die 
Zäune segnen, die wir ohnehin deswegen 
Ursache zu segnen haben, weil sie es sind, 
die die Kinder des Viehhütens entheben 
und ihnen gestatten, die Sommerschule zu 
besuchen." 
Also haben auch unsere Knicks dazu 
beigetragen, daß Wissen und Können hin 
eindringen konnten in die Häuser der 
Landleute, deren Felder sie umhegten. Und 
das, was die Väter und Vorväter gelernt 
haben, hat sich fortgeerbt und hat den 
Landleuten Vorteile gebracht, bis auf den 
heutigen Tag. Sollte das nicht auch hier 
und da ein Fünkelchen Dankbarkeit er 
wecken gegen die Vorfahren und das, was 
sie geschaffen und gepflanzt haben?! — 
Und in dieser unserer Zeit, wo die 
Augen heller werden, und der Geist 
empfänglich für Alles das, was die Natur 
an Schönem uns bietet, da muß man 
immer wieder auf die sichtbaren und heim 
lichen Schönheiten hinweisen, die in und 
zwischen den Knicks sich dem darbieten, der 
sehen gelernt hat. 
Lange bevor die ersten Windröschen sich 
an den Süd-Abhängen des Knicks heraus 
wagen, haben schon die Haselbüsche! mit 
ihren Palmen und den pupurroten Blü- 
tenkrönchen ein Frllhlingsahnen in den 
Herzen der Menschen wachgerufen. Dann 
folgen die silbergrauen Kätzchen der Wei 
den. Allmählich wird's grün zwischen den 
Sträuchern, unter ihnen am Wall wirken 
Butterblumen und Veilchen leuchtende 
Farben in den dichten Teppich von Kraut 
und Unkraut. — Nichts Schöneres als so 
ein Knick mit feinem verschiedenartigen 
Laub- und Bliitenschmuck im Frühling!
	        
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