Full text: (1913)

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Unsere Knicks. 
Von Georg Asmnssen in Westerholz. 
Wenn ein Sohn der schleswig-holsteini 
schen Geest auch noch so weit in der Welt 
umher wanderte, wenn er auch von den 
Bergen der Schweiz und vom Rande des 
Niagara die Wunder der Natur anstaunte, 
so wird doch nichts so sehr ihn entzücken, 
nichts so sein Herz mit heißer Heimat 
liebe erfüllen, als wenn er vom Schers 
berg oder von einem anderen hohen Punkte 
aus sein meerumschlungenes Land im 
Sommerkleide vor sich liegen sieht. — 
Was ist es denn, das diesem Bilde Leben 
und Charakter gibt? Nicht zum wenigsten 
unsere Knicks. — Und wie herrlich ist es 
im Frühling zur Morgenstunde zwischen 
diesen Knicks! Welch ein Leben, welch ein 
Tummelplatz für die kleine Tierwelt! Wie 
manches Wunder der Schöpfung birgt des 
Walles vielfarbige, aus efeuumsponnenen 
Wurzelknorren immer wieder üppig auf 
sprießende Krone! — Es gibt wohl kaum 
einen einheimischen Baum oder «tranch, 
der nicht auf unseren Knicks seinen Platz 
sich erobert hat. 
Die Heimatvereine sollen nun mit 
ihren Armen diese unsere Knicks schützen, 
da der Landhunger seine Hände ausstreckt, 
um sie nieder zu reißen und Drahtzäune 
an ihre Stelle zu setzen. Dies Schützen 
und Erhalten kann aber nur mit verstän 
diger Berücksichtigung der Verhältnisse ge 
schehen, die unsere Landleute dazu treiben, 
stellenweise ihre Knicks zu beseitigen. Das 
soll hier gleich vorweg gesagt sein. 
Es ist ja nicht die Sucht, das zu ver 
derben, was die Vorväter geschaffen haben: 
es ist nicht immer unberechtigte Landgier 
und schnöde Habsucht die Triebfeder zu 
solchem Vorgehen, sondern es ist meist das 
Streben, den von den Vätern ererbten 
Besitz zu verbessern. Mancher junge Be 
sitzer hat auch mit des Vaters Erbe schwere 
"asten übernommen, denn die Geschwister 
müssen ihre Aussteuer und ihr Erbteil 
erhalten, und die Eltern sitzen ans der Ab 
nahme und müssen auch leben. Er muß 
also Umschau halten, wie das Einkommen 
zu mehren ist. 
Da liegt nun vielleicht so ein nasses 
^reieck in seinem Lande, das schlecht 
drainiert ist, auf dem Binsen und Schach 
telhalm wachsen. Er legt Röhren und füllt 
den Boden auf und düngt, und jeder lobt 
den Fleiß des tüchtigen Mannes. Da liegt 
nun ferner so ein über einen Meter hoher 
und unten zwei Meter breiter Knick nach 
Süden zu vor seiner Weizenkoppel: jen 
seits dieses Walles nach dem Wege zu ist 
noch ein 2 Meter breiter Streifen Land, 
der mit Buschwerk bewachsen ist. Der Knick 
beschattet auf der ganzen Länge sein Land, 
daß der Weizen nachher dort kurz und 
dünn steht: der Streifen am Wege ent 
lang gehört dem Anlieger eigentlich auch 
noch. Ist er nun ein fleißiger und tüchtiger 
Mann, wenn er im Schweiße seines An 
gesichts die uralten „Stemme!" der Knicks 
ausrodet, wenn er mit der Erde des Walles 
die Gräben zuwirft und auf diese Weise 
— mit viel Arbeit und manchen Kosten 
— einen recht breiten Streifen sonnigen 
Landes gewinnt? Oder ist er ein schlechter 
Kerl, ein gedankenloser „Bauer", der mit 
plumper Hand das antastet, was seine Ur 
väter zur Verschönerung der Landschaft 
schufen?! — 
Es kommt auch vor, daß durch Ankauf 
angrenzender Ländereien oder Aenderung 
der Schläge aus zwei Aeckern einer gemacht 
wird. Dann wird der dazwischen liegende 
Knick nicht nur entbehrlich, sondern so 
hinderlich, daß der Besitzer ihm zu Leibe 
gehen muß. Es gibt auch Landleute, die 
das sehr ungerne tun, denn manchem von 
ihnen ist der Knick lieb, hinter dem er als 
Junge gelegen hat, und in dem er so man 
ches Mal seinen Nußbeutel füllte. Und 
wenn er die alten knorrigen Wurzelstöcke 
ansieht, die ausgerodet werden müssen, so 
denkt er an Tagelöhne, die das kostet. Auch 
an sein Vieh denkt er, das hinter den 
dichten.Büschen im Frühling und Herbst 
Schutz fand vor kalten Winden und 
Regenschauern, denn das Buschwerk wird 
immer erst dann abgehauen, wenn das 
Grasland umgepflügt und wieder Korn 
gesäet wird. 
_ Ja, der Knick gibt auch seine Ernten. 
Die Bauerfrau wird schelten, wenn ihre 
„Holzkasse" nicht wieder gefüllt wird, denn
	        
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