Full text: Hauskalender für den Kreis Plön (1912)

ter Bedeutung sind, ist hinlänglich bekannt, 
denn die Wirtschaften mit günstigem 
Wiesenverhältnis sind hinsichtlich der 
Produktionskraft ihres Ackerlandes im 
Allgemeinen den wiesenarmen Wirtschaf 
ten bei Weitem überlegen. Es mutz hier 
bei naturgemäß vorausgesetzt werden, daß 
sämtliches gewonnene Heu in den betref 
fenden Wirtschaften zur Fütterung des 
Viehs dient, wobei der größte Teil der 
im Heu enthaltenen Pflanzennährstoffe 
in den Dünger übergeht, welcher schließlich 
dem Acker zugeführt wird. Diese Be 
ziehungen zwischen Wiese und Acker mögen 
durch einige Zahlen näher veranschaulicht 
werden. Durch eine Mittelernte von Ge 
treidekörnern auf 1 Kn werden dem Boden 
an Pflanzennährstoffen in kg entzogen: 
Kali — Phosphorsäure — Stickstoff 
10 10 60 
In einer Mittelernte Wiesenheu auf 
1 ha sind enthalten in kg: 
Kali — Phosphorsäure — Stickstoff 
96 25,8 93 
Da, wie gesagt, diese Pflanzennährstoffe 
des Heus bei dessen Verfütterung nahezu 
vollständig in den Dünger übergehen, so 
ergiebt sich aus den angeführten Zahlen, 
daß etwa 1 ha Wiese genügt, um einen 
ausreichenden Ersatz für das etwa 10 ha 
Ackerland durch Mittelernten von Getreide 
entzogene Kali zu bieten, das dagegen 
durch dieselbe Wiesenfläche nur für die 
etwa 2 ha Acker durch Getreidekörner 
entzogene Phosphorsäure genügend Ersatz 
geschaffen wird. Aehnlich wie mit der 
Phosphorsäure verhält es sich mit dem 
Stickstoff, falls letzterer nicht in Folge un 
zweckmäßiger Behandlung des Stalldün 
gers großenteils verloren gegangen ist. 
Die mitgeteilten Zahlen lehren auch, 
daß die bedeutenden in wiesenreichen Wirt 
schaften erzeugten Mengen eines kalirei 
chen, aber an Phosphorsäure armen Dün 
gers notwendigerweise durch Anwendung 
von Phosphaten ergänzt werden müssen, 
um ein der Körnerentwicklung günstiges 
Nährstoffverhältnis im Boden zu schaffen 
und so den reichen auf Kosten der Wiesen 
dem Ackerlande zugeführten Nährstoffvor 
rat zu einer möglichst hohen Ausnutzung 
zu bringen. 
Außer dem günstigen Einfluß der Wie 
sen auf den Kraftzustand des Ackers bietet 
eine ordentliche Wiesenbehandlung noch 
mancherlei andere Vorteile. 
Zunächst sind die Wiesen im Ertrage 
entschieden sicherer als das Ackerland, denn 
die verschiedenartigen, die Wiesennarbe 
zusammensetzenden Gewächse stellen sehr 
verschiedene Anforderungen an Boden und 
Witterung. Eine völlige Mißernte wirk 
daher auf Wiesen viel seltener beobachtet 
als auf dem Acker. 
Ferner liefern die Wiesen bei günsti 
ger Lage und angemessener Behandlung 
ein sehr wertvolles und dabei sehr billiges 
Futter: Dem besten Wiesenheu kann kein 
anderes Rauhfutter, namentlich was Ge 
deihlichkeit anbetrifft, gleichgestellt werden, 
es ist ganz unersetzlich für junge, in der 
Entwicklung begriffene sowie auch für 
kranke und durch Krankheit geschwächte 
Tiere. Auch ist der Nährwert guten Wiesen- 
heu's ein hoher, so daß bei großen Vor 
räten an diesem nach guter Gewinnung 
ausgezeichneten Rauhfutter sehr wesentlich 
an Kraftfutter gespart werden kann. 
Billig ist das auf den Wiesen gewon 
nene Futter aus dein Grunde, weil die 
Bearbeitung der Wiesenflächen nicht an 
nähernd soviel Kosten erfordert als die 
jenige des Ackerlandes. Ein weiteres Mo 
ment, wodurch gutes Wiesenheu zu einein 
billigen Futter wird, liegt darin, daß auf 
Wiesen eine wiederholte Ansamung nicht 
erforderlich ist. 
Nach dem Gesagten ist es leicht erklär- 
lich, daß im Allgemeinen die Reinerträge 
des Ackerlandes nicht, wie vielfach geglaubt 
wird, diejenigen der Wiesen überragen. 
Dies zeigt auch das Grundsteuerklassifika 
tionswerk des preußischen Staates. Da 
nach ist der höchste Reinertrag des besten 
Ackerlandes nicht höher als der höchste 
Reinertrag der besten Wiesen, nämlich 4,3 
Mark für 1 preußischen Morgen; im 
Durchschnitt des Staates hat 1 Morgen 
Wiese einen Reinertrag von 4,5 Mark, 1 
Morgen Acker von nur 4,4 Mark. 
Einer sachgemäßen Behandlung der 
Wiesen ist demnach eine sehr hohe Bedeu 
tung beizumessen, indem dadurch, wie ge 
sagt, nicht nur der augenblicklich in hohem 
Maße beachtenswerten Viehzucht eine 
wertvolle Stütze gewährt wird, sondern 
der ganze Wirtschaftsbetrieb eine außer 
ordentlich wirksame Förderung erfährt. 
Was der Altmeister Schwerz über die Bc-
	        

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