Full text: Hauskalender für den Kreis Plön (1912)

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mittags wird es auf dem dämmerigen 
Heuboden dunkel wie bei Nacht — dichter, 
weicher Schnee fällt draußen nieder und 
bedeckt Eulenloch und Ritzen und Fugen, 
die Licht durchließen. 
Die ganze Nacht bleibt der Schnee 
fall bei, und als Vater am frühen Mor 
gen des nächsten Tages, des 6. Januar 
1814, aus der Lohtllre guckt, ist Moor 
und Feld meterhoch verschneit, so daß we 
der Wall noch Weg mehr zu erkennen ist. 
Und plötzlich sieht er aus der Ferne 
schwarze Kosakenpulke nähertraben, und 
schleunigst eilt er in sein Versteck zurück. 
Stundenlang hört er sie dann vorbeizie 
hen, ja, ein paar Mal hört er sie sogar 
unter sich auf der großen Diele lärmen, 
und sein Wirt kommt herauf und erzählt 
ihm, daß heute der Waffenstillstand abge 
laufen sei, während dem die Kosaken die 
Demarkationslinie zwischen Husum und 
Eckernsörde nicht überschreiten durften, 
und daß sie jetzt weiter nordwärts zögen. 
Doch noch wagte Vater nicht heimzukeh 
ren, denn wer konnte wissen, ob nicht noch 
Kosaken dort lagen oder in den nächsten 
Tagen zurückkommen würden? So blieb 
er denn noch bis Mitte Januar, wo der 
Kieler Friede geschlossen wurde und die 
Kosaken nach Holstein zurückgingen, bei 
seinem Freunde in Böklund. 
Dann wanderte er über Brekendorf, 
wo seine Eltern, die ihn schon tot und ver 
loren geglaubt hatten, vor Freude schier 
„ut de Tüt" gerieten, nach Feldscheide 
zurück. Sein Pferd fand er auf der Katen 
stelle nicht mehr vor, ein ihm-übelgesinn 
ter Kerl hatte es den Kosaken verraten, 
und die hatten es natürlich mitgehen hei 
ßen. Wenige Tage später hörte Vater in 
der Wirtsstube zu Feldscheide, daß die 
Holzbunger Bauern sein Pferd beim Ab 
züge der Kosaken bemerkt hätten; ein Un 
teroffizier oder Wachtmeister habe es ge 
ritten, und die Holzbunger hätten gesagt: 
„Kiek, dor rien se mit Jörn Tams sin 
Voß aff; wo geiht he hoch mit de Steert." 
— Doch dieser Verlust war zu verschmer 
zen, aber welcher Schreck durchfuhr mei 
nen Vater, als er seinen Schatz aus dem 
Moor holen wollte und ihn nicht an der 
vermeintlich bestimmt eingeprägten Stelle 
fand! Schon hatte er jede Hoffnung auf 
gegeben, als er, mechanisch mit seiner Ei 
senstange weiter im Moor purrend, plötz 
lich aufjubelnd auf etwas Klingendes 
stieß — er hatte sein Geld wiederge 
funden! — 
So ist Vater glücklich durch alle Fähr 
nisse des Kosakenwinters gekommen, und 
bis an sein Ende ist der altgläubige, bibel 
feste Mann der sicheren Ueberzeugung ge 
wesen, daß eine höhere Hand, die während 
seiner Verfolgung den Nebel steigen ließ, 
ihn beschützt und beschirmt habe. 
Die zweckmäßige 
Behandlung und Düngung der Wiesen. 
Von Dr. T a n c r 6. 
Mit Recht wirh in der Landwirtschaft 
unter den gegenwärtigen Verhältnissen 
einem ausgedehnten Viehzuchtbetriebe in 
besonderem Maße Aufmerksamkeit gewid 
met, so daß alle Mittel und Wege, wodurch 
die Viehzucht in vorteilhafter Weise ge 
fördert werden kann, sich neuerdings einer 
vielseitigen Beachtung erfreuen. 
Es gilt dies namentlich von einer sach 
gemäßen Behandlung der Wiesen. Durch 
eine solche wird indessen nicht nur der 
Viehhaltung, sondern auch dem Ackerbau 
in hervorragender Weise genützt. 
Um die Felder dauernd ertragsfähig 
und fruchtbar zu erhalten, mutz unter allen 
Umständen für einen ausreichenden Ersatz 
der durch die Ernten dem Boden ent 
zogenen Pflanzennährstoffe Sorge ge 
tragen werden. Daß für diesen dem Acker 
zu leistenden Ersatz die Wiesen von grüß-
	        

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