Full text: Hauskalender für den Kreis Plön (1915)

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„Ach, Herr Leutnant sind Wohl Offi 
zier?" 
Der Hauptmann stellte sich vor. Alle 
lachten. 
Die Unteroffiziere ritten weiter. Da 
tauchte die kleine Kolonne des Haupt 
manns vor ihnen auf, ebenso mangelhaft 
.adjustiert wie der Hauptmann: nur der 
Pferdebursche hatte von einem der letzten 
Transporte einen neuen Rock bekommen. 
Ter älteste Unteroffizier der Neulinge 
mochte denken: „Wenn der da vorn schon 
ein Hauptmann ist, so ist der da hinten 
mit dem neuen Nock wenigstens ein Ma 
jor." Er wollte den Transport melden, 
— doch der Bursche winkte gnädig ab. . 
Der Hauptmann ritt bald darauf mit 
seiner Begleitung zwischen den schroffen, 
kahlen Felshängen, die Okahandja nörd 
lich vorgelagert sind. Plötzlich machte ein 
Reiter auf eine schwarte Gestalt aufmerk 
sam, die auf einem Felsgrat stand. Man 
faßte nach dem Gewehr. Ter Bastard aber, 
der voran ritt, sab auch einen Augenblick 
hinauf und sagte dann gleichmütig: 
„Ts Pavian!" 
„Das könnte doch ein Herero sein." 
Der Bastard drehte den Kopf zur Seite: 
„Herero liegt immer. schwarzer 
Minsch steht nickt auf Klivpe — wo 
Minsch steht, is Aste oder Weißer." 
Ein sckallendes Geläckter belohnte die 
drollige Belehrung. — 
Waren die Schwarzen auch nicht zu 
veracktcnde Krieger, so waren sie dock viel 
fach so kulturkremd, daß mitunter Dinge 
von höchster Komik vorkamen. 
Der um Südwestafrika wohlverdiente 
Führer Volkmann verhandelte einst mit 
ein?m Häuptling. Das Palaver, an dem 
sich die Stammesältesten beteiligten, kam 
nicht in wünschenswerter Weife vorwärts. 
Ta nahm Volkmann, der ein Glasauge 
trug, dieses heraus, legte es auf den Tisch 
und bedeutete den Versammelten, sie möch 
ten jetzt allein beraten, er werde unter 
dessen hinausgehen, laste aber sein Auge 
da, um zu leben, was sie trieben. Als er 
Zurückkehrte, fand er die Häuvtlinge im 
tiefsten Schweinen, msihrend sie in star 
kem Staunen das Auge aut dem 
betrachteten. Voll abergläubischen Grau 
ens bemiwiaten sie alles, was der unheim 
licke Weiße verlangte. 
Daß es aber mit den Bescherunaen 
der Kultur zuweilen seine besonderen Be- 
denken haben kann, erfuhren einmal un 
sere braven Schutztruppler s. z. am eige 
nen Leibe, als sie nämlich einige, soeben 
mitten im Feldleben angekommene Kisten 
mit Liebesgaben umstanden. Ein brül 
lendes Gelächter bewillkommnete jeden 
Gegenstand, der da zum Vorschein kam. 
Da gab es Röcke, Unterröcke, Blusen, 
weibliche Wäschestücke mit und ohne 
Spitzenbesatz, einen schäbiaen Frack, eine 
verschossene Liwree, eine Pumphose usw. 
Ein Schwarzer bekam den Frack; da er 
so gut wie nichts an hatte, sah das sehr 
drollig aus. Anfangs zog er ihn. auch 
noch verkehrt an, mit den Rockschößen 
nach vorn; das sah noch komischer aus, 
besonders von hinten. 
Am Hafen in Hamburg war eine Ver 
wechslung vorgekommen. Die auf afri 
kanischer Steppe gelandeten schönen 
Dinge waren für das abgebrannte Aale 
sund bestimmt gewesen. — — 
Wir schließen die Reihe der „Bilder". 
Wer die ernsten besonders auf sich wir 
ken ließ, dem mag sich wohl die allgemein 
menschliche, wehe Frage aufdrängen: Wo 
zu doch die Kriege mit all ihren Greueln? 
Ta, der Krieg ist ein rauhes Geschäft, 
er ist bart und unerbittlich und vermag 
die wildesten Instinkte im Menschen zu 
erregen; aber er weckt auch zugleich die 
höcksten und edelsten Empfindungen. Er 
zerstört nickt nur, er läutert und reinigt 
auch und ist. wie alles auf dieser Erde 
nur ein Glied in der für uns unbegreif 
lichen. göttlichen Weltordnuna. die alles 
zu einem fernen, unerforschlichen Ziele 
führt. 
Mer als einstiger Soldat vielleicht mit 
Vorliebe bei den heiteren Bildern ver 
weilte und ihnen ein Vlätzcken in seinem 
Gedäcktnissckrein einräumt, der weiß, daß 
zwar jene Misckunq von bell und dunkel, 
von Lust und Leid in allem Leben vor- 
banden ist. daß aber gerade im militäri 
schen Gehorsamsleben ein fröhliches La 
chen die Bedeutuna eines Vensils bat. 
aus welckem die schwere, dumvsige Lukt 
abzielst. so daß juaendlicher Mut und 
Trohsinn auf beherrschender Höbe bleiben. 
Alle Leser werden aber den Eindruck ha 
ben. daß in unserem ,<aeere ein Maß von 
Krakt, Zucht und Todesmut vorbanden 
ist, bei dem wir ohne Bansen und mit 
Gottvertrauen auch einer Schicksalsstunde
	        

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