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„Ach, Herr Leutnant sind Wohl Offi
zier?"
Der Hauptmann stellte sich vor. Alle
lachten.
Die Unteroffiziere ritten weiter. Da
tauchte die kleine Kolonne des Haupt
manns vor ihnen auf, ebenso mangelhaft
.adjustiert wie der Hauptmann: nur der
Pferdebursche hatte von einem der letzten
Transporte einen neuen Rock bekommen.
Ter älteste Unteroffizier der Neulinge
mochte denken: „Wenn der da vorn schon
ein Hauptmann ist, so ist der da hinten
mit dem neuen Nock wenigstens ein Ma
jor." Er wollte den Transport melden,
— doch der Bursche winkte gnädig ab. .
Der Hauptmann ritt bald darauf mit
seiner Begleitung zwischen den schroffen,
kahlen Felshängen, die Okahandja nörd
lich vorgelagert sind. Plötzlich machte ein
Reiter auf eine schwarte Gestalt aufmerk
sam, die auf einem Felsgrat stand. Man
faßte nach dem Gewehr. Ter Bastard aber,
der voran ritt, sab auch einen Augenblick
hinauf und sagte dann gleichmütig:
„Ts Pavian!"
„Das könnte doch ein Herero sein."
Der Bastard drehte den Kopf zur Seite:
„Herero liegt immer. schwarzer
Minsch steht nickt auf Klivpe — wo
Minsch steht, is Aste oder Weißer."
Ein sckallendes Geläckter belohnte die
drollige Belehrung. —
Waren die Schwarzen auch nicht zu
veracktcnde Krieger, so waren sie dock viel
fach so kulturkremd, daß mitunter Dinge
von höchster Komik vorkamen.
Der um Südwestafrika wohlverdiente
Führer Volkmann verhandelte einst mit
ein?m Häuptling. Das Palaver, an dem
sich die Stammesältesten beteiligten, kam
nicht in wünschenswerter Weife vorwärts.
Ta nahm Volkmann, der ein Glasauge
trug, dieses heraus, legte es auf den Tisch
und bedeutete den Versammelten, sie möch
ten jetzt allein beraten, er werde unter
dessen hinausgehen, laste aber sein Auge
da, um zu leben, was sie trieben. Als er
Zurückkehrte, fand er die Häuvtlinge im
tiefsten Schweinen, msihrend sie in star
kem Staunen das Auge aut dem
betrachteten. Voll abergläubischen Grau
ens bemiwiaten sie alles, was der unheim
licke Weiße verlangte.
Daß es aber mit den Bescherunaen
der Kultur zuweilen seine besonderen Be-
denken haben kann, erfuhren einmal un
sere braven Schutztruppler s. z. am eige
nen Leibe, als sie nämlich einige, soeben
mitten im Feldleben angekommene Kisten
mit Liebesgaben umstanden. Ein brül
lendes Gelächter bewillkommnete jeden
Gegenstand, der da zum Vorschein kam.
Da gab es Röcke, Unterröcke, Blusen,
weibliche Wäschestücke mit und ohne
Spitzenbesatz, einen schäbiaen Frack, eine
verschossene Liwree, eine Pumphose usw.
Ein Schwarzer bekam den Frack; da er
so gut wie nichts an hatte, sah das sehr
drollig aus. Anfangs zog er ihn. auch
noch verkehrt an, mit den Rockschößen
nach vorn; das sah noch komischer aus,
besonders von hinten.
Am Hafen in Hamburg war eine Ver
wechslung vorgekommen. Die auf afri
kanischer Steppe gelandeten schönen
Dinge waren für das abgebrannte Aale
sund bestimmt gewesen. — —
Wir schließen die Reihe der „Bilder".
Wer die ernsten besonders auf sich wir
ken ließ, dem mag sich wohl die allgemein
menschliche, wehe Frage aufdrängen: Wo
zu doch die Kriege mit all ihren Greueln?
Ta, der Krieg ist ein rauhes Geschäft,
er ist bart und unerbittlich und vermag
die wildesten Instinkte im Menschen zu
erregen; aber er weckt auch zugleich die
höcksten und edelsten Empfindungen. Er
zerstört nickt nur, er läutert und reinigt
auch und ist. wie alles auf dieser Erde
nur ein Glied in der für uns unbegreif
lichen. göttlichen Weltordnuna. die alles
zu einem fernen, unerforschlichen Ziele
führt.
Mer als einstiger Soldat vielleicht mit
Vorliebe bei den heiteren Bildern ver
weilte und ihnen ein Vlätzcken in seinem
Gedäcktnissckrein einräumt, der weiß, daß
zwar jene Misckunq von bell und dunkel,
von Lust und Leid in allem Leben vor-
banden ist. daß aber gerade im militäri
schen Gehorsamsleben ein fröhliches La
chen die Bedeutuna eines Vensils bat.
aus welckem die schwere, dumvsige Lukt
abzielst. so daß juaendlicher Mut und
Trohsinn auf beherrschender Höbe bleiben.
Alle Leser werden aber den Eindruck ha
ben. daß in unserem , Krakt, Zucht und Todesmut vorbanden
ist, bei dem wir ohne Bansen und mit
Gottvertrauen auch einer Schicksalsstunde

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