Full text: Hauskalender für den Kreis Plön (1915)

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Heuschreckenschwarm. Da krepiert hart vor 
ihm ein Schrapnell und wie auf Kom 
mando biegt er ab und fliegt am Ge- 
fechtsfeld vorüber. 
Jetzt wird der Feind zur Vorberei 
tung des Angriffs mit Schnellfeuer aus 
Geschützen, Maxims und Gewehren über 
schüttet. Der ohrenbetäubende Lärm 
nimmt den Leuten fast den Atem. 
Sie springen auf, stürzen mit Hurra 
100 Schritt vorwärts und werfen sich wie 
der hin. Vom Gewehrfeuer gedeckt, wer 
den die Geschütze nachgerollt. Und wieder 
geht die Infanterie in neuem Sprunge 
vorwärts. So helfen sich die Schwester- 
waffen und schieben sich bis zu den Was 
serlöchern. 
Der Feind wehrt sich verzweifelt, aber 
ein Vorstoß seinerseits unterbleibt. Der 
Abend und nächtliches Dunkel bricht herein. 
An einem Busch liegt ein schwcrver- 
wundeter Offizier am Roden. Die Brust 
geht keuchend auf und nieder, die halbge 
schlossenen Augen sind auf einen Freund 
gerichtet, der ihm zur Seite kniet, seine 
Hand hält und ihm leise Trost zuspricht. 
Die Ueberlebenden der Kämpfer bil 
den von selbst ein Karree um die Wasser 
stelle, aber der Feind hält sich zurück. — 
Um 7% Uhr fielen die letzten Schüsse. 
Innerhalb des Karrees lagen 12 Tote und 
33 Verwundete. Ein Reiter, dem ein 
Schuß den Unterleib durchbohrt hatte, 
lag im Sterben und lallte wirre Laute 
vor sich hin; doch hin und wieder karnen 
Worte aus seinem Munde, in denen sein 
ganzer, hilfloser Jammer lag, sein Seh 
nen nach einer fernen, lieben Hand, üie 
ihni die Augen nicht zudrücken konnte — 
er rief: „Mutter — Mutter!" .... 
Tie Kämpfe am Watcrberg brachten 
die Entscheidung. Von nun an galt bei 
den Hereros die Parole: Flucht zur Ver 
hütung völliaer Vernichtung! 
Noch gefährlichere Gegner als die He 
reros waren die Hottentotten, die 
sich später gegen uns erhoben. Ihr Haupt- 
führer war bekanntlich Morenga. 
Das Gefecht bei GroßNabas gegen 
die Hottentotten mag hier in kurzen Zü 
gen geschildert werden. 
Der schwere Kampf dauerte 54 Stun 
den und verteilte sich auf den 1., 2., 3. und 
4. Januar 1905. 
Am Abend des 31. Dezember zog ein 
starkes, mit einem Wolkenbruch verbunde 
nes Gewitter auf; im Nu waren die Rei 
ter bis auf die Haut durchnäßt. Wegen 
der Blitzgefahr mußte der Befehl gegeben 
werden, von den Geschützen zurückzutre 
ten. Ein Schluck Rum wehrte der schlimm 
sten Kälte, und dann legte man sich aus 
den harten Klippen am Auob nieder. 
Wir sind bei der schwachen Abteilung 
Meister. 
Während der Nacht lag der linke Flü 
gel der 5. Kompagnie den Hottentotten 
auf 5 Schritt gegenüber! 
Bereits am 1. Januar wurde bis 
abends 9 y 2 Uhr gekämpft. Während der 
Nacht biwackierte man in Schützenlinie. 
Am 2. Januar stand mittags die Sonne 
im Gefecht bei Groß Nabas senkrecht über 
der kämpfenden Truppe. Nirgends Schat 
ten. An den Büschen und scharfen Stei 
nen rissen sich die Leute die Hände blutig; 
beim Anfassen der Steine gab es'Brand 
blasen. Wasser war nicht mehr vorhan 
den. Man biß die Zähne zusammen und 
hielt stand. Allmählich ward die Truppe 
ganz vom Feinde umstellt, und die Muni- 
tion fing an knapp zu werden. Wieder 
holte Sturmangriffe der Hottentotten 
wurden abgewiesen. Mit Sehnsucht er 
wartete mau die Nacht, deren Kühle doch 
wenigstens etwas den Durst . lindern 
konnte. Endlich wurde es dunkel. 
Mittags am 3. Januar wurde die Lage 
bedenklich. Der furchtbare Durst machte 
mehrere Leute wahnsinnig, sie liefen in 
die Linie der Hottentotten, wo sie einfach 
niedergeschossen wurden. Andere lagen 
teilnahmslos da und ließen ab und zu 
ein tierisches Gebrüll hören. Mehrere 
Offiziere wurden ohnmächtig zurückge 
schafft, einer wurde tobsüchtig. 
Bei alledem steigerten sich die Verluste 
in unheimlicher Weise. Das Stöhnen und 
Schreien der Verwundeten, die teilweise 
5 Schritt vor der eigenen Linie lagen, 
aber nicht zurückgeschafft werden konnten, 
war entsetzlich. 
Major v. Nauendorff und Leutnant 
Bockelberg sind gefallen, vier andere Offi 
ziere verwundet. Leutnant Helmuth, durch 
die Brust geschossen, wird vorbeigetragen. 
Die 7. Kompagnie hat keine Offiziere 
mehr. Tie ganze Batterie hat für jedes 
Geschütz nur noch 5 Granaten, 2 Kartät 
schen. Die Geschütze zurückzubringen kann 
nicht mehr gelingen.
	        

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