Full text: Hauskalender für den Kreis Plön (1915)

erreichte! Welches Glück insbesondere für 
die armen Kranken, wenn man auch ihnen 
Briese aus der Heimat zutragen durfte! 
Mancher dem Tode verfallene Krieger 
hielt sterbend einen Brief in zitternden 
Händen; die grüßende Liebe warf ihren 
verklärenden Schein in die bereits von 
Todesschatten umdunkelte Seele. 
Wenden wir uns nun den Kämpfen 
selbst zu. Bald nach Beginn des Aufstan 
des geriet der Major Glasenapp mit einer 
starken Patrouille bei Owikokorero in 
einen Hinterhalt. 7 Offiziere blieben tot 
in den Händen der Hereros, 3 wurden 
schwer verwundet zurückgebracht. Mit 23 
von 49 Mann kehrte der Führer nach dem 
Lager von Onjatu zurück. Dies traurige 
Vorkommnis zeigte, daß man alle Ursache 
hatte, vor dem Feinde auf der Hut zu sein. 
Bei O v i u m b o traten die Hereros 
verkleidet als Wittbois auf, die bekannt 
lich zuerst mit uns verbündet waren, spä 
ter aber abgefallen sind. Der Kampf 
wurde so schwierig, weil die Hereros im 
Dornbusch steckten und dort für Geschütze 
und Gewehre kein sichtbares Ziel abgaben. 
Der Feind hatte für den Angriff sehr 
kunstgerecht Hindernisse geschaffen, und 
eine straffe Organisation und eine einheit 
liche, klare und wohlüberdachte Gefechts 
leitung machte sich bemerkbar. 
Auf unserer Seite war ein großer Trotz 
zu sichern und zu decken. 
Stundenlang wogte der Kampf hin 
und her. Glaubte man durch anhaltendes 
Feuer den Feind niedergekämpft zu ha 
ben, so stellte sich heraus, datz er nur wenig 
geschädigt worden war, und das Feuern 
begann von neuem. 
Offiziere waren schon gefallen; da 
brachten Leute der 6. Feldkompagnie auch 
einen, und einer der Träger jammerte: 
„Diese schwarzen Halunken — unseren 
guten Hauptmann (Bagensky) haben sie 
erschossen!" Gegen 3 Uhr liefe der Ober 
kommandierende, damals noch Oberst 
Leutwein, den Hauptmann im General- 
stabe Bayer kommen. Als dieser heran 
trat, schlug sich der Oberst mit der Hand 
aufs Knie und fragte mit heiterem Spott: 
„Na, was sagen Sie zu unseren Here 
ros?" 
Die Lage wurde bedenklicher. Man 
bekam Feuer von links, von rückwärts und 
von vorn. Der zurückgekehrte Hauptmann 
warf sich, wie alle, platt auf den Boden 
und drückte, während er das Gewehr auf 
den vor ihm liegenden Baumstamm legte, 
die Ellbogen in die darunter befindliche 
Höhlung. Dabei stietz er auf etwas Wei 
ches — eine Schlange? Das hätte gerade 
noch gefehlt! Es war ein halbbraunes 
Etwas, das winselte und mit dem 
Schwanz wedelte, was Schlangen nicht 
zu tun pflegen. Da kroch ein kleiner He 
rerohund hervor: es war eine Art Teckel, 
dessen Ahnen allerdings eine bedenkliche 
Neigung zu Mesalliancen gehabt haben 
mutzten. Das Tier leckte dem Offizier die 
Hände und kroch wieder hinunter in sein 
dunkles Versteck. 
Was aus dem Hund später geworden 
ist? Er blieb bei seinem neuen Herrn. 
Dieser taufte ihn „Oviumbo^, die Leute 
nannten ihn „Seppel", es war aber ganz 
gleichgültig, wie man ihn rief, er kam 
doch nicht, denn er war — ein Dackel. 
Zehn Stunden mußten die Unsrigen 
in qualvoller Hitze rm Gefecht liegen. Ein 
Sturm auf die im Dornbusch versteckte 
Stellung der Feinde war unmöglich. Das 
Gefecht wurde abgebrochen. In Karree 
formation zog die Abteilung ab, die Reiter 
wortkarg und grimmig. Die Sonne war 
untergegangen, die Nacht heraufgekom 
men. Gespenstisch zog die lange Reihe der 
Reiter und Wagen durch das dunkle 
Dickicht. Dann zuckten unzählige kleine 
Streichholz-Flämmchen auf und verlösch 
ten — die Leute hatten ihre kurze Pfeife 
angezündet, die Trösterin der Not. 
Die Hereros regten sich nicht, sie fürch 
teten die Geisterstunden. 
Ein anderes Bild: 
Es geht zum Hauptkampf bei dem Wa- 
terberg. Hier stand das ganze Volk der 
Hereros, denn hier waren reichlich flie 
ßende Wasserstellen für Menschen und 
Vieh. 
Die deutschen Abteilungen waren rings 
mit Zwischenräumen von 20—40 Kilo 
metern aufgestellt. So geboten es die in 
Betracht kommenden Entfernungen, die 
eine einfache Einkreisung nicht gestatteten. 
Im Busch konnte man nach beiden Seiten 
höchstens auf 100—200 Meter sehen. Hätte 
man da nicht den Busch abbrennen kön 
nen? Nein, selbst in der trocknen Zeit, 
wenn die Präriebrände kilometerweit da- 
herbransen, kohlen die Dornbüsche zwar 
am unteren Ende an, aber sie verbrennen 
nicht.
	        

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