Full text: Hauskalender für den Kreis Plön (1915)

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ernste und heitere Bilder aus dem Kriege 
in SüdinestafrUta. 
Von I. Franzen, Heide. 
Am 16. Februar 1904 lief ein nach 
Südwestafrika bestimmter Truppentrans 
portdampfer Las Palmas an. Ter Ver 
treter Deutschlands kam an Bord. 
„Wissen die Herren schon das Neueste? 
Tie japanische Torpedoflotte hat die rus 
sischen Panzer in Port Arthur angefallen. 
Der Krieg ist ausgebrochen!" 
Von Südwestafrika, wo seit vier Wö 
lben der Aufstand der Hereros ausgebro 
chen war, wußte der Mann nicklls zu er- 
zävlen. Die „große Konkurrenz" im Osten 
drohte in der öffentlichen Meinung unse 
ren kleinen Krieg zu unterdrücken. 
Tatiäckstich beschäftigte man sich bei 
uns anfangs nur mit dem Ringen der 
Völker in Ostasien und erst, als die Kunde 
von schweren Opfern an Menschenleben 
aus Afrika in die Heimat gelangte und er 
kannt wurde, welche besonderen Schwie 
rigkeiten sich der Bekämpfung des dortigen 
Aufstandes entgegenstellten, erst da er 
wachte im deutschen Volke die Sorge um 
die eigenen Söhne, die auf afrikanischem 
Boden zu kämpfen hatten. 
War die anfängliche Sorglosigkeit nicht 
zu verstehen? War nicht Wißmann einst 
mit dem offenbar viel gefährlicheren Auf 
stand der Araber unter Buschiri in Ost 
afrika fertig geworden? Und hatte nicht 
der heldenhafte Hauptmann Franke in 
Südwest schon gut vorgearbeitet? Hatte 
er nicht mit einer Handvoll Leute die 
Bahn gesichert, Omaruru gestürmt' und 
die überlegenen Scharen des Feindes in 
die Flucht geschlagen? 
Das ließ sich hören. Aber man kannte 
nur oberflächlich die Natur des Landes 
und unterschätzte die kriegerische Tüchtig 
keit der Hereros. Von weiten Strecken des 
Landes wußte man garnichts. Da gab es 
ungeheure Steppen und Sandtelder und 
in ihnen nur eine geringe Anzahl Wasser 
löcher, aus denen Menschen und Vieh den 
Durst stillen konnten. Es fehlten gute 
Wege, und es gab kein Netz von Eisenbah 
nen. Dadurch erwuchsen für die Verpfle 
gung der Truppen die schwierigsten Auf» 
gaben. Eine versengende Glut sandte die 
Sonne auf Fels und Sand, letzterer war 
fein und tief, und die Nächte brachten 
empfindliche Kälte. Ter gutbewaffnete 
und scharfäugige Herero kannte seine Hei 
mat. Den . schlimmen Dornbuschwald 
wußte er mit unglaublicher Gewandtheit 
zu durchschleichen und war dann unseren 
Trupplern fast immer unsichtbar, wäh- 
rend der dichte Dornbusch selbst jedes An 
griffs spottete. Alles, alles war in Süd 
west so ganz anders als in der Heimat; 
man mußte gründlich umlernen. 
Ungeheure Anstrengungen mußten un 
seren Reitern zugemutet werden, und 
wenn es gelang, den Feind zu stellen, so 
gab es schwere, verlustreiche Gefechte. 
So fielen denn tatsächlich Opfer auf 
Opfer. Kein Wunder, daß man innerhalb 
der einzelnen Abteilungen „in afrikani 
scher Weise" .dahin zog und n ie ein fröh 
liches Lied über die Lippen kam. 
Groß hatte man sich gedünkt, als man, 
gut ausgerüstet und bewehrt, unter den 
Kameraden auf dem Schiff dahinfuhr und 
von kühnen Taten träumte! Wie^elend 
kam man sich in der afrikanischen Steppe 
vor! Man wurde still und nachdenklich. 
Welch fremdartiges, wildes Land! Man 
zog auch wohl an mächtigen Bergketten 
vorüber, aber die Berge waren ganz un 
bewachsen und bestanden nur aus zerklüf 
teten, steilen Felsklötzen. Nirgends ein 
menschliches Wesen. Das hatte etwas Be 
klemmendes und Niederdrückendes. 
Es war vielleicht ein Nachtmarsch not 
wendig. Der Mond stand am wolkenlosen 
Himmel, der Dornenbuschwald nahm die 
Truppe auf, man vermutete den Feind 
in der^Nähe. Dann wirkte die geheimnis 
volle Szenerie, bei. der in jedem Augenblick 
der Feind erscheinen konnte, die Nerven 
aufs höchste anspannend. 
Freilich, die Erfahrung lehrte in der 
Folgezeit, daß die Hereros in der Nacht 
nichts unternahmen. Sie fürchteten, daß 
die Verstorbenen in der Nacht als Gespen 
ster umgingen und auf allerlei Schaber-
	        

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