Full text: Hauskalender für den Kreis Plön (1915)

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sehen auf dein Schlachtfelde." Das war, 
wie gesagt, im Somnier 1867. Daß der 
in die Geheimnisse der französischen Diplo 
matie tief eingeweihte, übrigens als Soldat 
und Mensch gleich ausgezeichnete Marschall 
mit diesem Ausspruch nicht blos der eigenen 
Ueberzeugung Ausdruck verlieh, sondern da- 
mit nur seinen richtigen Einblick in das 
Wesen -des französischen Volkes bekundete, 
konnte nicht zweifelhaft sein. 
Dies aus der Unterhaltung bei Tisch. 
Aber die Reihenfolge ging nicht ununter- 
Krochen so fort, wie eben wiedergegeben, es 
traten auch andere Episoden dazwischen ein. 
Der Vorsitzende des Verbandes sagte ein 
Wort bei Tische, als Dank für die freund 
liche Aufnahme und die Ehre, die uns dadurch 
zuteil geworden. Dann nahm der Be- 
rufenste unter alle» Gästen, der Syndikus 
der Elberfelder Handelskammer E r n st 
S ch e r e n b e r g, der vortreffliche deutsche 
Bismarckdichter — der nun auch nicht mehr 
unter den Lebenden weilt — das Wort zu 
einer von ihm entworfenen poetischen' Be- 
grüßnng, welche lautete: 
Als Kämpen des Handels im Völkerverk.hr, 
Vvm Schlachtfeld der Arbeit, da kommen wir her. 
Wir senken die Waffen von links und von rechts, 
Hier hat zu verstummen der Lärm des Gefechts. 
Als deutsche Bürger nur stehen wir hier, 
Zu grüßen den ersten Bürger in Dir. 
Du gabst Deinem Volke, in Leiden erschlafft. 
Den Glauben zurück an die eigene Kraft. 
In gewaltigem Ringen dann Du's gestellt 
In die erste Reihe der Völker der Welt. 
Drum sei uns gesegnet, du eiserne Hand, 
Der das höchste wir danken: ein Vaterland! 
Sei gesegnet, du Auge, voll göttlicher Macht, 
Das in Nächten und Stürmen am Steuer gewacht. 
Sei gesegnet, du Stirn, die der Lorbeer umlaubt, 
Sei dreifach gesegnet, unsterbliches Haupt! 
Dank, ewigen Dank Dir im Jubelbraus 
Heil Bismarck, Heil! und Heil Deinem Haus! 
Alles war tief ergriffen, am meisten wohl 
der alte Kanzler selbst. Er stand auf, goß 
sich niit zitternder Hand ein Glas Sekt ein 
und hielt eine kurze Ansprache. Ich habe 
manche ergreifende Rede gehört in meinem 
Leben, keine aber, die ergreifender war, als 
diese. Bismarck dankte den Anwesenden und 
besonders dem Dichter, mit einem Riale je 
doch schlug seine Rede einen andern Weg 
ein. „Ich möchte Sie bitten", so sagte er 
etwa, „eines Mannes zu gedenken, der nicht 
mehr unter uns weilt und doch unter uns 
ist, für immer im deutschen Volke, das ist 
der Kaiser, der alte Kaiser. Was soll ich 
von ihm sagen? Nur eins will ich sagen: 
das schönste und höchste, was ich an ihm 
schätzen gelernt habe, das war seine nie zu 
übertreffende Dankbarkeit." Eine Träne 
rann ihm dabei über die Wange und fiel 
in sein Glas. Er setzte es auf den Tisch 
und schwieg. Das war der größte Moment 
des Tages und meines Lebens. Die Unter 
redung setzte sich in der geschilderten Weise 
fort, bis nach etwa anderthalb Stunden die 
Gesellschaft sich auflöste. Mit Scherenberg, 
dem Freiburger und Zittauer Vertreter bin ich 
später noch den ganzen Tag zusammen ge 
blieben im Hause meines Freundes Peter 
Lange und habe auch von dort noch eine 
Reihe schöner Erinnerungen mit nach Hause 
genommen. 
Unvergeßlich sind mir alle diese Erinner 
ungen auch heute noch geblieben, die Er 
innerungen an den 1. April 1885 im 
Reichskanzlerhause zu Berlin und an den 
9. April 1893 im „Altenheim" des Fürsten
	        

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