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sehen auf dein Schlachtfelde." Das war,
wie gesagt, im Somnier 1867. Daß der
in die Geheimnisse der französischen Diplo
matie tief eingeweihte, übrigens als Soldat
und Mensch gleich ausgezeichnete Marschall
mit diesem Ausspruch nicht blos der eigenen
Ueberzeugung Ausdruck verlieh, sondern da-
mit nur seinen richtigen Einblick in das
Wesen -des französischen Volkes bekundete,
konnte nicht zweifelhaft sein.
Dies aus der Unterhaltung bei Tisch.
Aber die Reihenfolge ging nicht ununter-
Krochen so fort, wie eben wiedergegeben, es
traten auch andere Episoden dazwischen ein.
Der Vorsitzende des Verbandes sagte ein
Wort bei Tische, als Dank für die freund
liche Aufnahme und die Ehre, die uns dadurch
zuteil geworden. Dann nahm der Be-
rufenste unter alle» Gästen, der Syndikus
der Elberfelder Handelskammer E r n st
S ch e r e n b e r g, der vortreffliche deutsche
Bismarckdichter — der nun auch nicht mehr
unter den Lebenden weilt — das Wort zu
einer von ihm entworfenen poetischen' Be-
grüßnng, welche lautete:
Als Kämpen des Handels im Völkerverk.hr,
Vvm Schlachtfeld der Arbeit, da kommen wir her.
Wir senken die Waffen von links und von rechts,
Hier hat zu verstummen der Lärm des Gefechts.
Als deutsche Bürger nur stehen wir hier,
Zu grüßen den ersten Bürger in Dir.
Du gabst Deinem Volke, in Leiden erschlafft.
Den Glauben zurück an die eigene Kraft.
In gewaltigem Ringen dann Du's gestellt
In die erste Reihe der Völker der Welt.
Drum sei uns gesegnet, du eiserne Hand,
Der das höchste wir danken: ein Vaterland!
Sei gesegnet, du Auge, voll göttlicher Macht,
Das in Nächten und Stürmen am Steuer gewacht.
Sei gesegnet, du Stirn, die der Lorbeer umlaubt,
Sei dreifach gesegnet, unsterbliches Haupt!
Dank, ewigen Dank Dir im Jubelbraus
Heil Bismarck, Heil! und Heil Deinem Haus!
Alles war tief ergriffen, am meisten wohl
der alte Kanzler selbst. Er stand auf, goß
sich niit zitternder Hand ein Glas Sekt ein
und hielt eine kurze Ansprache. Ich habe
manche ergreifende Rede gehört in meinem
Leben, keine aber, die ergreifender war, als
diese. Bismarck dankte den Anwesenden und
besonders dem Dichter, mit einem Riale je
doch schlug seine Rede einen andern Weg
ein. „Ich möchte Sie bitten", so sagte er
etwa, „eines Mannes zu gedenken, der nicht
mehr unter uns weilt und doch unter uns
ist, für immer im deutschen Volke, das ist
der Kaiser, der alte Kaiser. Was soll ich
von ihm sagen? Nur eins will ich sagen:
das schönste und höchste, was ich an ihm
schätzen gelernt habe, das war seine nie zu
übertreffende Dankbarkeit." Eine Träne
rann ihm dabei über die Wange und fiel
in sein Glas. Er setzte es auf den Tisch
und schwieg. Das war der größte Moment
des Tages und meines Lebens. Die Unter
redung setzte sich in der geschilderten Weise
fort, bis nach etwa anderthalb Stunden die
Gesellschaft sich auflöste. Mit Scherenberg,
dem Freiburger und Zittauer Vertreter bin ich
später noch den ganzen Tag zusammen ge
blieben im Hause meines Freundes Peter
Lange und habe auch von dort noch eine
Reihe schöner Erinnerungen mit nach Hause
genommen.
Unvergeßlich sind mir alle diese Erinner
ungen auch heute noch geblieben, die Er
innerungen an den 1. April 1885 im
Reichskanzlerhause zu Berlin und an den
9. April 1893 im „Altenheim" des Fürsten

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