Full text: Hauskalender für den Kreis Plön (1915)

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wurde erst recht bemerkbar, wenn man sich neben 
ihm befand. Aber wenn man nun die zu 
Tage getretenen Gedanken Bismarcks gewisser 
maßen selbst fortspann nud auf die ver 
schiedenste Art zu Ende führte, stets mußte 
man sich sagen, daß das Wort, das Bismarck 
anwandte, doch das beste, das klarste und 
packendste sei. Man mußte sich wundern 
über die Begriffsschärfe, über die Bestimmt» 
heit, mit welcher er seine Folgerungen zog. 
Als Bismarck geendet, wurden die Türen 
geöffnet und er bat: „Meine Herren, Sie 
werden nicht von mir gehen, bevor Sie 
einen bescheidenen Imbiß mit mir einge 
nommen haben." 
Nachdem der Fürst uns dergestalt einge 
laden, traten wir in das Nebenzimmer ein. 
Es war ein verhältnismäßig kleiner Raum, 
nicht ausreichend für unsere Zahl. „Sie 
müssen sich so gut Platz suchen, wie es 
geht," sagte der Fürst, „hier kaun ich 30 
Personen unterbringen, die übrigen Herren 
darf ich ins Nebenzimmer bitten. Ich hatte 
schon manchmal die Absicht, beide Räume 
miteinander zu verbinden, aber was habe 
ich davon? nur Bauschutt und' für Bau 
schutt bin ich nicht mehr " Es erschienen 
daun und nahmen an der Tafel mit Platz 
die Fürstin, die reizende, vor einigen Jahren 
in Hamburg verstorbene Baronin Merck, so 
wie eine ältere Freundin der Fürstin, eine 
Diakonissin. Tischordnung gab es nicht. 
Der Fürst und die Fürstin faßen einander 
gegenüber, neben letzterer hatte der Vorstand 
seinen Platz eingenommen. Der Platz zur 
Rechten des Fürsten blieb unwillkürlich un- 
besetzt und schließlich standen noch zwei Be- 
sucher unschlüssig da, der Vertreter aus 
Greiz und ich. Ersterer wollte sich nicht 
neben den Fürsten setzen. Dieser sah uns 
an und sagte: „Ich störe Sie doch wohl 
nicht? Bitte nehmen Sie Platz?" Und 
so kam es, daß ich alsbald neben Bismarck 
saß. Darauf war ich nicht vorbereitet ge 
wesen. Ich fühlte mich, offen gestanden, zu- 
nächst ivenig gehoben, denn ich dachte mir, 
wie es nun mit dem Gesprächsthema werde» 
solle; über das schöne Wetter werde er doch 
nicht sprechen. Das dauerte jedoch nur 
einen Augenblick, der Fürst sagte dann zu 
mir, er freue sich, daß die Herren gerade 
aus Kiel zu ihm gekominen seien, da er für 
die augenblicklichen Dinge in Kiel ein be 
sonderes Interesse habe. Ich stellte' mich 
ihm nunmehr als Kieler vor und Bismarck 
erbat sich Auskunft über einige Fragen. 
Ich war neugierig worüber. Es war da 
mals in Kiel die Frage an der Tagesord- 
nung, wie der Kaiser Wiihelmkanal wirt 
schaftlich nutzbar zu machen, wie der Ver 
kehr einzurichten sei. Der Fürst lenkte denn 
auch auf dieses Gebiet ein und dort wußte 
ich Bescheid, da ich als ehemaliger Sekretär 
der Kieler Handelskammer mich täglich mit 
diesen Dingen beschäftigt hatte. Es gab 
dies Anlaß zu sehr bemerkenswerten Äußer 
ungen des Fürsten. 
Auf eine Bemerkung, der Reichskanzler 
möge doch endlich auch einmal dem Kieler 
Hasen und dem Nordostscekanal einen Be- 
such abstatten, und damit ein Gebiet be 
rühren, das ihm gleichsam seine Entstehung 
verdankte, erwiderte der Fürst, daß ihn nur 
die Rücksicht aus die mit einer solchen Reise 
verbundenen Aufregungen und Anstrengungen 
davon abhalte. Er sei so sehr gewohnt, 
abends im eigenen Bette zu schlafen, das 
sei aber bei einer derartigen Fahrt, wo es 
gelte, viel zu sehen und zu lernen und zu 
hören. Besuche abzustatten und zu empfangen, 
unmöglich. Uebrigens verfolge er den Auf- 
schwung der Stadt Kiel mit reger Anteil 
nahme und neige der Ansicht zu, daß diese 
Stadt mit der Vollendung des Seekanals 
eine Nordseestadt, ein Nordseehafen, werde, 
wie es wohl bei Stettin und wohl auch 
bei Lübeck der Fall sein könne. Umgekehrt 
würden Hamburg und Bremen Ostseestädte 
werden. Daß der Kanal gewisse Nachteile 
und Verschiebungen des Handels und Ver 
kehrs einzelner Orte und vielleicht auch Kiels 
mit sich bringen werde, sei allerdings mög 
lich, aber sicher würden doch die Vorteile 
überwiegen, sofern nur die Beteiligten es 
verständen, rechtzeitig die Vorkehrungen, Be 
dingungen und Einrichtungen für die ver- 
änderte Lage zu schaffen. Er sei immer der 
Ansicht gewesen, daß dem Nordostseekanal 
eine große wirtschaftliche Bedeutung inne- 
wohne, diese Ansicht hege er auch heute.
	        

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