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Und, wie rührend, sogar eine Anzahl
Strümpfe war darunter, die alte Frauen
eigenhändig für den Altreichskanzler ange-
fertigt hatten. Kaum einen Gegenstand auf
kunstgewerblichem Gebiete ließe sich nennen,
der nicht unter den Geschenken vertreten war.
Die Begrüßungen dauerten bis in den
Nachmittag hinein. Es war vielleicht un
bescheiden von mir, stundenlang dort zu
bleiben — die meisten Gäste gingen bald
wieder fort, ich hatte mir aber vorgenommen,
möglichst lange zu verweilen aus Gründen,
die man leicht verstehen wird. Ich durch
wanderte die Räume, welche den Besuchern
zugänglich waren und wurde in einem der
Räume Zeuge eines besonders reizvollen
Vorganges-ein glückliches junges Paar, der
jüngste Sohn Bismarcks, Graf Wilhelm, der
spätere Oberpräsident von Ostpreußen, feierte
dort seine Verlobung mit seiner Kousine.
Ganz Deutschland wohl beging den Tag
festlich. Berlin hatte in allen Stadtteilen
glänzend illuminiert. In Kiel war seitens
der militärischen Vereine eine große Feier
zu Ehren Bismarcks veranstaltet worden.
Wir beide, Sartori und ich, ließen es uns
nicht nehmen, der Festversaminlung unsere
unvergeßlichen Eindrücke in einer ausführ
lichen Drahtung mitzuteilen. Soweit der
erste Tag.
• Den zweiten Tag in der Familie Bismarck
verlebte ich in Friedrichsruh, am 9. Juli 1893,
zu welcher Zeit Fürst Bismarck nicht mehr
im Dienst, sondern schon der „Altreichs-
kanzler" geworden war. Wir aber wissen
noch, wie die Dankbarkeit des deutschen
Volkes ihm nach seinem Ruhesitz gefolgt ist,
wie manche Abordnung, wie mancher groß
artige Zug aus allen Teilen Deutschlands
dorthin seinen Weg genommen hat. Ich
will nicht erzählen von dem großen Zuge
der Schleswig-Holsteiner, an dem auch ich,
einige Wochen vorher, mit meinem ältesten
Sohne teilgenommen habe, sondern von dem
Ausfluge einer kleineren Gesellschaft, dem
der Gewerbe- und Handelskammersekretäre
aus dem Deutschen Reiche, die in den ersten
Tagen des Juli 1893 in Kiel ihre Tagung
abhielten, zu welcher ich als A. H. geladen
war. Ans meinen Vorschlag, einen Besuch
in Friedrichsruh zu machen, wurde dort
angefragt, ob ein solcher genehm sei und ich
gab der Anfrage durch meine langjährigen
freundschaftlichen Beziehungen zu dem auch
schon längst dahingegangenen fürstlichen Ober-
förster Peter Lange einen gewissen Nachdruck.
Ob dies gewirkt hat, weiß ich nicht, aber
umgehend traf eine bejahende Antwort ein,
wenn der 9. Juli, ein Sonntag, passe.
Es war der Tag nach dem Besuche der
Lippe-Detmolder, als wir nach Friedrichsruh
fuhren, eine Schaar von etwa 45 Personen.
Ein wunderbar schöner Tag. Goldig schim
merte die Sonne durch das üppige Grün
des Sachsenwaldes.' Man ersuchte uns, auf
die Veranda des Hauses zu treten. Fürst
Bismarck erschien, eine gewaltige, imposante
Erscheinung trotz der vorgerückten Jahre.
Der Vorsitzende unseres Verbandes, Dr.
Stegemann, damals in Oppeln, begrüßte den
Fürsten, der unmittelbar darauf das Wort
nahin. Er sprach über das Verhältnis der
verschiedenen Erwerbszweige zu einander:
Landwirtschaft, Handel, Industrie usw. und
sagte nach meinen Notizen etwa folgendes,
das noch auf lange Zeit hinaus gerade für
Deutschland gültigen Wert besitzen wird:
„Es ist früher von meinen Gewerbs-
genossen, den Landwirten, viel auf die
Industrie und deren Förderung gescholten
worden, aber ich habe in meiner eigenen
Landwirtschaft gesehen, welche Wohltat
für den Landwirt es ist, eine reiche Industrie
in der Nähe zu haben. Wo eine pros
perierende Industrie ist, wie in den west
lichen Provinzen, da hat die Landwirt
schaft noch zu leben. Wo das nicht der
Fall ist, da sollteJndustrie nach Möglichkeit
geschaffen werden, und die Landwirte sollten
sich zur Aufgabe machen, sie zu pflegen.
Umgekehrt ist der wohlhabende Landwirt
ihr bester Abnehmer. Näher liegt der
Gedanke, daß der Handel im Gegensatz
zur Produktion stände. Auch das halte
ich für einen Irrtum, in den nur die
jenigen verfallen, die an der Oberfläche
basten, und ich glaube, daß die Kaufmann-
schaft eines armen, verarmten, besonders
eines verarmenden Landes schlechter daran
ist als die eines reichen. Kaufleute in

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