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land, ferner 22 Kirchspiele und 10 sehr
gute Reeden. In der Mitte ist -ein höher
gelegener Landstrich, Moor genannt
(heute Hallig Nordstrandisch Moor). Ger
hard Rantzau besitzt auf dieser Insel das
adlige Gut Morsum. Tie Einwohner
sind gegen Fremde außerordentlich gast
frei, sonst sind ihnen die Untugenden un
serer Zeit keineswegs fremd. Amrum ist
besonders von Fischern bewohnt. Die Ein
wohner rühmen es, daß es dort gar keine
Mäuse gäbe. Föhr hat einen'großen Ge
winn durch das vjele Strandgut, das dort
ständig antreibt. Sylt enthält 4 Kirch
spiele und einen sehr schönen Herrenhof
Heinrich Rantzaus, den man fast unter
die adligen Güter zählen kann. —■ Auf
der Ostseite Schleswigs liegen Fehmarn,
Angeln, Schwansen, Alfen u. a. m. Feh
marn ist ausnehmend angebaut, es hat 4
Kirchen und 5000 Einwohner, die auch
-etwas Handel treiben und 50 Schiffe be
sitzen. Ter Roggen und vorzüglich der
Weizen -gedeiht hier so vortrefflich, daß
er wegen seiner Schwere nach Frankreich,
Spanien und Italien ausgeführt und- dort
sehr teuer verkauft wird. Angeln enthält
den Flecken Kappeln, 4 Harden, 24 lan
desherrliche und adlige Schlösser und 38
Kirchspiele. Assen hat außer der Stadt
und dem Schlosse Sonderburg 6 Schlösser,
die dem Herzog Johann dem Jüngeren
gehören, ferner noch 5 adlige Güter, 3
Harden und 13 Kirchspiele, die ganz au
ßerordentlich bevölkert sind. Die Insel
ist reich an vorzüglichem Getreide, an
Fischen, an Rindvieh und edlen Pferden:
voll von waldigen Hügeln hat sie eine
sehr gute Jagd und^in einigen Hölzun-
gen finden 5300 Schweine ihre Mast.
Auch die Insel Aerroe (die bekanntlich
fetzt auch nicht einen Baum mehr hat)
ist mit Wäldern förmlich bedeckt und- hat
daher , vorzügliche Jagd, besonders von
Damwild, das sich, dort in Menge und
seltner Größe findet. Die Insel Barsoe
bildet ein Kirchspiel und die kleine Insel
Aaroe enthält 4 Dörfer.
So weit Rantzau. Wie vieles wir seit
jener Zeit gewonnen und wie vieles,
vieles wir verloren^ leuchtet jedem- Schles
wig-Holsteiner auch ohne Anmerkung ein.
bwLengcläm zu außergewöhnlicher Mt in Lchlezwig-Kolftein.
Ein eigenartiger Brauch herrscht in
Ratzeburg im Lauenburgischen,, wo an
jedem Abend um neun Uhr die Stadt-
glocke eine Weile geläutet wird. Vor lan
gen Jähren hat eine Dame ein Legat
ausgesetzt, aus dem die Kosten des Läu-
tens bestritten werden. Die Veranlassung
dazu soll folgender Vorfall gewesen sein:
Tie Dame hatte sich auf einem Spazier
gang verirrt. In der Nähe des Dorfes
Jarchau hörte sie plötzlich die Glocken
von Ratzeburg läuten und fand dadurch
den Heimwegs. Aus Dankbarkeit bestimmte
sie eine Summe Geldes, damit an jedem
Abend um diese Zeit die Glocke geläutet
werde, um denjenigen, die ein gleiches
Mißgeschick einmal treffen würde, den
Heimweg zu zeigen. — Wenn auch in un
seren Tagen ein Verirren wohl ausge
schlossen ist, der Brauch besteht noch im
mer und mag wohl mitunter Fremde in
Erstaunen gesetzt haben. — Auch in Tön
ning herrscht ein ähnlicher Brauch. Vor
200 Jahren wurde die Stadt im Schwe
denkriege hart bedrängt und hatte schwer
zu leiden. Zur Erinnerung an jene Zeit
werden auf Kosten der Stadt allabendlich
die Glocken geläutet. — In Heiligenhafen
erklingt an jedem Abend um zehn Uhr
Glockenklang. Die Kosten des, Läutens
werden aus einem Legate bestritten, das
von einer Dame im verflossenen Jahr
hundert gestiftet wurde. Der Grund
klingt eigentümlich. Der Ehemann der
Stifter in, der am Abend häufig verspätet
aus dem Wirtshaus- kaiu, gab als Grund
seines späten Heimkommens an, nicht ge
wußt zu haben, wieviel Uhr es gewesen
sei. Die Not macht ja erfinderisch. So
setzte denn seine Ehelieb'ste das Legat aus,
und allabendlich um zehn Uhr erklang
durch die stille Stadt Glockenklang, den
Mann z-um Heimwege mahnend. Ob's
wohl geholfen hat?

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