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jedesmal gegen 3000 Pferde und eben so
viele Ochsen zu Kauf kommen. Es sind
dort fast 40 Bierbrauer, 1 Apotheke, 10
Schenken, in denen Wein und _ fremde
Biere verkauft werden; auch hat die Stadt
22 größere und kleinere Schiffe, die für
den- Handel der Bürger nach der Elbe
und Nordsee dienen. — Die alte slavische
Provinz Wagri-en enthält die fruchtbar
sten Acker und Viehweiden, die Städte und
Flecken Oldesloe, Segeberg, Oldenburg,
Neustadt, Plön, Eutin, Preetz, Großen
brode, Heiligenhafen, 54 landesherrliche,
bischöfliche und adlige Schlösser und 80
Kirchen, außerdem die Klöster zu Preetz
und Plön und die 4 Stifter und Abteien
äu Segeberg, Reinfeld, Cismar und
Ahrensböck. Oldesloe hat 60 Bierbrauer,
1 Schenken, in denen Wein und fremde
Biere verkauft werden, im ganzen 250
Bürger. In Segeberg nähren sich die
Einwohner teils von Ackerbau und bür
gerlichen Gewerben, besonders Tuchfabri
kation, teils von den zahlreichen Kalk
gruben. Die stark mit Geschütz befestigte
Burg liegt auf dem Gipfel des steilen
Kalkbergs, sie ist so hoch, daß nian von
-hr die Türme Hamburgs, Lübecks und
Lüneburgs erblickt. Es gibt Leute, welche
glauben, daß dieser merkwürdige Berg
von dem Teufel aus dem dichtanstoßen
den See erhoben und dorthin gesetzt sei,
woher die Bauern sich auch gegenseitig
wit den Worten zu schimpfen pflegen:
-Daß Dich der tue plagen, der Segeberg
hat getragen." Oldenburg war ehemals
durch Größe und Handel berühmt; die
Stadt hatte eine weitläuftige Burg auf
^>nem aufgeworfenen Hügel, ein ausge
zeichnetes Gebäude, dessen stolze und
herrliche Ruinen noch vorhanden sind; sie
hatte auch einen sehr sicheren Hafen, den
letzt der Strom durch fortwährende Ver
sandung ganz vom Meere ausgeschlossen
hat, weshalb die Stadt nunmehr mitten
-nt Lande liegt. In Neustadt nähren sich
die Einwohner nicht so sehr von Schiff
ahrt, wie von Ackerbau. Bei Heiligenha-
I"n ist eine Ueberfahrt nach Laaland,
über welche Ochsen, Pferde und Getreide
Uach den hiesigen Küsten aus Dänemark
'-angeführt werden; die Einwohner leben
von Ackerbau und Seehandel, sie haben
auch 18 größere und kleinere Schiffe;
auch sind hier 7 Windmühlen. Das Rein-
felder Kloster hat.außerordentliche Höl-
zungen; blos aus dem Holzverkauf da
selbst zog der Herzog Johann der Jün
gere in einem Jahr 6000 Taler. Dieser
Fürst hat zu Ahrensböck ein glänzendes
Schloß mit den schönsten Sälen erbaut
Das alte und einträgliche Gut Rantzau
hat 1590 der Statthalter Heinrich Rantzau
von seinem Detter Hans gekauft, für
59 000 Taler, was freilich allzu teuer ist;
es ist mit unglaublichem Aufwands neu
aufgebaut, und von Albert Lomaier in
Versen beschrieben. Das Rantzausche Gut
Ariräüe hat teils sumpfigen, teils sal
peterhaltigen Boden; es ist dort auch eine
Salpetergrube, ferner ein auf norwegische
Weife blos von Tannen erbautes Wohn
haus.
Das eigentliche Holstein wird von Dith
marschen durch den Kndensee und die
Wolbersau getrennt. Es ist wegen seines
Waldreichtums sehr ergiebig für Vieh
zucht und Waldmast; um Rendsburg ist
der Boden sandig, aber jetzt durch den
Fleiß der Landleute doch schon sehr ange
baut und selbst mit Wiesen versehen wor
den. Holstein hat 4 Städte: Kiel, Rends
burg, Wilster und Neumünster, 35 lan
desherrliche und adlige Schlösser, 60 Kir
chen und ein Stift, nämlich Bordesholm.
Kiel ist ausgezeichnet durch seinen be
quemen Hasen, beträchtliche Fischerei, den
besuchten Umschlag und als Sitz des
Appellationsgerichts für die Städte. Die
Einwohner treiben auch Handel und ha
ben 20 Schiffe, die in ferne Länder segeln.
Ter Umschlag war früher in Lübeck und
wurde vom Grafen Johann dem Milden
mit Einstimmung seines Stiefbruders-,
Königs Christoph des Zweiten, hierher
verlegt, wodurch diese Stadt sich -in weni
gen Jahren außerordentlich gehoben hat.
Rendsburg ist ein sehr stark befestigter
Ort, den die Eider umgibt und durch
fließt; mit Hilfe eines Rades wird das
Wasser in der Stadt emporgehoben und
selbst in die Häuser geleitet. Das Schloß
hat 3 Türme; es ist von Herzog Johann
dem Aelteren 1578 sehr verschönert. Jni
Westen der Stadt ist ein sehr guter Ha
fen. Rendsburg hat 70 schiffe, 206 Häu
ser, worunter 25 Bierbrauereien, das
Bier ist aber mäßig. Wilster ist eine sehr
schöne, fast runde Stadt, in einer frucht
baren Marschgegend an der Wilsterau.
Sie hat 340 Bürger, worunter 50 Brauer,
auch sind hier außer einer Weinschenke

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