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Westküste sind Häfen bei Hamburg, Itze
hoe, Sankt-Margarethen, Brunsbüttel,
Meldorf, Lunden, Tönning, Husum, Ton-
dern, Ripen; auch bei Nordstrand ist eine
Bucht, Bottergatt genannt und bei der
Insel Ockholm ist die Reede Bolhus. Au
ßer den Flüssen hat das Land eine Menge
fischreicher Seen, von denen es in Hol
stein, Wagrien und Dithmarschen allein
36 größere gibt, die kleineren nicht mitge-
rechnet; dazu kommen namentlich im Sü
den eine Menge von Fischteichen; das
Kloster Ahrensbök hat allein 400, die Gü
ter Schönweide und Rantzau 24. In allen
diesen Gewässern und zumal aus der Ost-
und Westsee wird säst das ganze Jahr
hindurch eine solche Menge von Fischen
gefangen, daß die für den Kauf und Ver
kauf derselben gelöste Summe auf einige
Tonnen Goldes geschätzt wird. Nicht blos
nach den benachbarten Landen, sondern
selbst nach den äußersten Gegenden
Deutschlands, Frankreichs, Italiens und
nach noch entfernteren Küsten wird diese
Ware gebracht.
Tie Einwohner in Holstein sprechen
alle deutsch, insbesondere plattdeutsch. Die
Schleswiger sprechen die einen deutsch, die
anderen dänisch, noch andere friesisch, letz
teres nämlich in Nord- oder Kleinfries!-
land. Obgleich alle die Völker dieses Lan
des sich anfangs vielleicht einander kaum
versieben, haben sie nur etwas unterein
ander gelebt, so gewöhnen sie sich sehr
leicht an die gangbare Volkssprache jeder
Gegend.
Tie Fürsten unternehmen in wichtigen
Dingen hier nichts ohne Einwilligung der
Landstände. Die Adligen im Lande be
sitzen ihre Güter frei mit dem Recht, zu
jagen und zu fischen. Daß sie nicht mit
neuen Auflagen beschwert werden, dafür
ist in den Landesprivilegien vorgesehen.
Diese müssen die Fürsten, bevor ihnen
von den Untertanen der Huldigungseid
geleistet Nnrd, mit einem Eide bestätigen;
denn die Stände haben auch die freie Be
fugnis, unter den Söhnen der Fürsten
einen, wen sie wollen, zum Landesherrn
zu wählen. Die Fürsten dürfen auch ohne
Einwilligung der Stände keinen Krieg
unternehmen. In Schleswig und Hol
stein gibt es jetzt 50 adlige Familien;
von diesen besteht die der Rantzaus allein
aus 118 männlichen Mitgliedern, welche
71 Schlösser besitzen; die der Ahlefeldts
und Rumohrs, die ursprünglich ein Ge
schlecht sind, besteht aus 59 männlichen
Mitgliedern mit 31 Gütern, die der Pog-
wischs und von der Wisch aus 28 mit 18,
die der Buchwaldts aus 24 mit 11
Schlössern.
Bauern gibt es zweierlei. Die einen
besitzen ihr Gut erblich und frei, die an
dern pachtweise und frohndienstpflichtig.
Ihre Streitigkeiten werden entweder nach
dem geschriebenen Recht entschieden, oder
sie verhandeln sie vor ihren eigenen Rich
tern in Gegenwart des Amtmanns und
zweier Beisitzer. Nachdem dann die Strei
tenden aufgetreten, und die Streitpunkte
von beiden Seiten hinreichend dargelegt
sind, so tritt das aus Bauern bestehende
Gericht ab, um sich über die Sache zu be
raten und das Urteil zu fällen. Wenn
sie selbiges nach ihrem einfachen Rechts
bewußtsein herausgefunden haben, keh
ren sie in den Gerichtssaal zurück; und
was ihnen dann in Gemäßheit anderer
Fülle und ihres natürlichen 'Urteils für
Recht erschienen ist, wird sogleich durch
einen Gerichtsdiener den streitenden Par
teien verkündigt. Wollen diese sich dabei
nicht beruhigen, so können sie an die Räte
der Fürsten oder an das Landgericht
appellieren.
Das Herzogtum Holstein zerfällt in 4
Teile: Stormarn, Wagrien, das eigent
liche Holstein und Dithmarschen. Stor
marn liegt zwischen Elbe, Bille, Travc,
Schwüle und Stör, ist ungemein freund
lich, und fruchtbar an allen Lebensbedürf
nissen, nur nicht — wegen des ungün
stigen Klimas — an Wein. Da ist nichts
öde und unfruchtbar; wo kein Ackerbau
ist, herrscht Viehzucht. Es sind hier 3
Städte: Hamburg, Itzehoe und Krempe,
3^ Flecken, 25 landesherrliche und adlige
Schlösser, 2 Klöster und 50 Kirchen.
Krempe ist unter den Handelsstädten nicht
die letzte, sie hat 440 Bürger (d. h. ange
sessene, stimmberechtigte Bürger, also ge
wiß über 2000 Einwohner, jetzt 1519);
es sind dort 2 Weinhändler, 2 andere, die
fremde Biere verkaufen, ferner 19 Schiffe,
von denen die größeren - nach der Elbe,
die kleineren nach Kellinghusen fahren.
Eins der Schiffe, das nach Lissabon und
Venedig geht, hält 90 Last; außerdem be
frachten die Einwohner noch sehr oft
Hamburger Schiffe. Itzehoe hat jährlich
2 sehr wichtige Märkte, an denen dort

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