Full text: Hauskalender für den Kreis Plön (1915)

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Küste und raubten den Bewohnern Hab und 
Gut. Auch die Fahrt durch die Lüfte 
hat wieder manches Opfer gefordert. Bei 
Helgoland sanken vierzehn tapfere Männer 
mit ihrem Luftschiff ins Meer, und als in 
den Oktobertageu das Völkerschlachtdenkmal 
geweiht wurde, hallte in den Jubel die Klage, 
daß 28 Helden im Kampf um die Herrschaft 
in den Lüften ihren Tod gefunden hätten. 
Daun und wann kommen Hiobsposteu von 
unseren Luftschiffen. 
Auch unter den deutschen Fürsten hat 
der Tod seine Opfer gefordert. Der Groß 
herzog v o n Al e ck l e n b u r g > S t r e l i tz ist 
nach einer verhältnismäßig kurzen Regierungs 
zeit heimgegangen, und der greife Herzog 
von Sachsen-Meiningen hat sein müdes 
Haupt aufs Sterbekiffen gelegt. Neben den 
Fürsten darf ich einer Persönlichkeit hier ein 
kleines Denkmal setzen, der ich selber dann 
und wann habe ins Auge schauen dürfen, 
und die in ihrem Wesen etwas Fürstliches 
an sich hatte. Den Oberpräsidenten Dr. 
Tchwarzkopff hatte der Kaiser auf eine 
der schwierigsten Stellen im ganzen Reich 
gestellt, er hatte ihm die Verwaltung der 
Provinz Posen übertragen. Bon diesem 
Posten ist der Mann urplötzlich abgerufen, 
da er einem Schlaganfall erlegen ist. Der 
treffliche Mann war ein ebenso tüchtiger 
Beamter als ein offener Bekenner des alten 
Glaubens. Sein Standpunkt war dieser: 
„Ich kenne den guten Hirten, der sein Leben 
gelassen hat für seine Schafe und bin ihm 
bekannt. Auf seinen Achseln ruhe ich, und 
uiag's nun gehen über Höhen und Tiefen 
oder durch dunkle Täler, ich habe das Wort 
des giuen Hirten, daß er den Seinen das 
ewige Leben geben wolle, und daß niemand 
sie aus seiner Hand reißen solle." Daran 
hielt sich dieser hochgebildete umsichtige hohe 
Beamte. Nun ist er heimgegangen. Wer 
auf solchem Standpunkt steht, für den hat 
der Tod seinen Stachel und Die Sichel des 
gewaltigen Schnitters ihre Schäife verloren. 
Auf den Achseln des guten Hirten hat man 
getroste Zuversicht und hofsnungsblane Fern 
sicht — weiter als vom Hessenstein aus. 
Man blickt über das Schreckenstal des Todes 
und sieht die Türme des himmlischen Jeru 
salems ragen. Weltrundschan ist alljährlich 
auch eine Totenschau, und alljährlich stellt 
sie auch an dich und mich die Frage nach 
unserer Fernsicht hinüber in die Ewigkeit. 
Und wenn wir nun über die Grenzen des 
Deutschen Reiches hinausblickcn — wie sind 
da unsere Herzen erschüttert über die Blut 
t a t der Mordbuben zu S e r a j e w o, welcher 
der Thronfolger von Oesterreich mit seiner 
Gemahlin zum Opfer fiel. Was gegen das 
dortige Kaiserhaus ausgeführt ist, soll vierzehn 
Tage später gegen den Präsidenten der 
französischen Republik geplant sein. Zeigen 
uns diese Mordtaten und Mordanschläge 
nicht, daß unsere Zustände einem Vulkan 
gleichen, dessen unheimliche Flammen züngeln, 
um sich bald hier, bald dort in entsetzlicher 
Weise Lust zumachen? Es sind ja meistens 
junge Burschen, welche die Mordwaffe schwin- 
gen, junge Burschen, welche sich zu den 
Anarchisten rechnen, d. h. zu den Leuten, 
welche einen Staat ohne Herrscher haben 
wollen. Es wäre Torheit, nach Bildung 
und Aufklärung zu schreien, um unser Volk 
und seine Herrscher gegen solche Mordwaffen 
zu schützen, denn meistens und auch in Sera- 
jewo waren die Mörder sogenannte gebildete 
Leute, einer der beiden war sogar ein stu 
dierender junger Mann. Ich meine, man 
sollte es längst erkannt haben, daß der po- 
litische und religiöse Aufkläricht eines ge 
bildeten Pöbels mit dem Straßenkehricht 
eines rohen irregeleiteten Haufens eine 
Wichse sei, aber keine unschuldige Glanzwichse, 
sondern eine solche, wie sie in jenen Dingern, 
die man Bomben nennt, in furchtbarer Weise 
als Dynamit offenbar wird. Das ist ganz 
natürlich, daß, wenn ein solcher Mord die 
Welt in Schrecken gesetzt hat, alle Parteien 
sich bemühen, die Mordbuben sich von den 
Rockschößen abzuschütteln; und vielfach wird 
man auch garnicht nachweisen können, bei 
welchen Vereinen oder Genossenschaften sie 
Hansrecht gehabt haben. Aber jedermann, 
der sein Vaterland lieb hat, hat doch die 
heilige Pflicht, darauf zu achten, auf welchem 
Boden solche Giftpflanzen wachsen, damit 
solcher Boden tief gegraben und das Unkraut 
mit der Wurzel ausgerottet werde. Die 
Jugendpflege ist ein gut Ding, und wir
	        

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