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zurückzuhalten. In dem von vielen
breiten Kanälen durchzogenen niedrigen
Marschlands Westflanderns gelang es den
vereinten Anstrengungen der Verbündeten
durch ein eigenartiges Mittel dem Vor
rücken ein Hindernis zu bieten. Als es
nach den- seit Mitte Oktober dauernden
Kämpfen am Merkanal an der belgisch
französischen Grenze den Deutschen gelang,
trotz heftigster Gegenwehr den Merkanal zu
überschreiten, wurden die Seeschleusen bei
Nieuport zerstört und die ganze Gegend
weithin unter Wasser gesetzt. Aber in
langsamen zähem Ringen arbeiten sich
auch hier unsere Truppen vor. Fast jede
Nachricht berichtet von heldenhaften
Kämpfen um Npern und Dixmuiden, von
Gefangenen, die gemacht wurden, und
langsamem Vordringen. Daher kann auch
hier der endgültige Sieg nicht mehr
zweifelhaft sein.
Wenden wir nun noch zum Schluß
vom Westen unseren Blick auf das, was
im Osten gegen den übermächtigen Feind
erreicht ist, so können wir auch dort nach
schweren Kämpfen von herrlichen Siegen
berichten und auf weiteres endgültiges
Abweisen aller Versuche des' Gegners, in
Deutschland hineinzudringen, mit sicherer
Hoffnung rechnen. — Nachdem auf die
ersten Erknndungs- und Plünderungszüge
mit ihren kleineren Gefechten im Anfang
des Krieges, von denen wir schon hörten,
allmählich immer größere Massen des
russischen Heeres von Osten heranrückten,
gelang -es wohl noch der unvergleichlichen
Tapferkeit des 1. Armeekorps und der
Landwehr zweimal den Feind zurück
zuschlagen, bei Stallupön-en- (17. August)
und bei Gumbinnen (20. bis 22. August),
aber trotz dieser Siege und der 8500 ge
fangenen Russen mußten die Truppen sich
aus dem südöstlichen und östlichen Teile
Ostpreußens zurückziehen, da auch von,
Süden und Norden neue starke Heere an
rückten und die Truppen zu umzingeln
drohten. Am 24. August wurde die Räu-
mung des ganzen Gebietes östlich der
mäsurifchen Seen auch für die Bevölke
rung angeordnet. Inzwischen war der in
Pension zu Hannover lebende General
von Bennekendorf und Hindenburg mit
dem Oberbefehl in, ganzen deutschen
Osten betraut worden, ihn und seinem
schon in Belgien bewährten Generalstabs-
chef Generalmajor v. Ludendorff war die
schwere Aufgabe gestellt, in -engstem Zu
sammenwirken mit den österreichischcheut-
schen Armeen in- Südpolen und Galizien
der gewaltig heranbrausenden Sturmflut
der russischen Millionen einen Dänin, -ent
gegen zu setzen. Der unvergl-eichlichen
Feldherren-gabe dieser beiden Männer ist
es in Verbindung mit den tapferen auf-
opserun-gssreudig-en Streitern beider ver
bündeten Heere bisher glänzend gelungen,
der gewaltigen Uebermach-t an jedem Orte
so lange wie möglich zu widerstehen, ihr
auch da noch viele Verluste zuzufügen,
wo man ihr zunächst weichen muhte, wie
in Galizien und in Südwest Polen, und sie
dann endlich an der gewünschten Stelle
entscheidend zu schlagen. Das- hat dahin
geführt, daß trotz all den großen Erfolgen
die im Westen und aus der See -errungen
sind, kein deutscher Heerführer solche Lor
beeren hat -ernten können, wie General
von Hind-en-bur-g. Er ist zur Zeit der
volkstümlichste -aller Feldherren, der un
bedingtes Vertrauen bei seinem Kaiser
wie. bei seinem letzten- Soldaten und bei
allen -Deutschen genießt. Durch seine
glänzenden Siege ist -er nicht nur der Be
freier Ostpreußens sondern auch der Be
schützer -ganz Ostdeutschlands -geworden,
um dessen Person sich ein ganzer Sagen
kranz schon gewoben hat, auf dessen Haupt
eine Fülle von Ehren gehäuft ist, wie sie
seit langer Zeit niemandem zu teil -ge-
word-en sind. Gleich d-er -erste Schlag, den
-er gegen di-e Russen führte, traf gründlich.
Es gelang ihn, zunächst die sogenannte
zweite Armee (Kommandeur General von
Tr-aubenberg), -auch nach ihrem Sa-nrmel-
ort die Narew-Armee genannt, in dem
westlichen Teile Ostpreußens, in der
Gegend von Allenstein- zur Schlacht zu
zwingen und in -einer dreitägigen Ries-en-
schlacht zwischen Gilgenburg, Neiden bürg,
Ortelsburg in die masurischen Sümpfe
und Seen zu treiben, so daß über 100 000
Gefangene, 500 Geschütze erbeutet wurden
und ungezählte Tausende in den Seen ein
furchtbares Ende fanden. Wie sich immer
deutlicher herausstellte, war die Armee
völlig zertrümmert. Der Sieger von
Tannenberg, wie man di-e Schlacht nach
den, in ihrem Gebiet liegenden alten
Schlachtf-elde von, 1410 woh-I nennen wird,
erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse und
wurde zum Generaloberst -befördert. Aus
die weiteren Meldungen über diesen ver
nichtenden Sieg wurde -dem Feldherrn
schon am 1. September d-er Orden pour le

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