Full text: Die Entwicklung der türkischen Industrie unter Berücksichtigung der Kapitalbeschaffung

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Einem Unternehmer , der etwas Neues schaffen wollte , standen nicht die Vorteile der technischen Erschließung zur Verfügung , die für einen nehmer eines entwickelten Landes Selbstverständlichkeit waren . Wer einen Industriebetrieb gründen wollte , mußte alles selbst aufbauen . 
Es fehlte ferner an fachlich geschulten Arbeitskräften . Die einzelnen striellen hatten es nicht leicht in einer Wirtschaft , in der die Bewässerung von Steppen , die Trockenlegung von Sümpfen , die Verbesserung und dardisierung der Landeserzeugnisse , die Energiewirtschaft , die winnung , der Hafenbau und das Verkehrswesen , das Erziehungs - und zialwesen u . a . m . zugleich mit der Industrialisierung geplant werden ten und in der der Mensch umerzogen werden mußte vom Handkauf alten Stils zum unpersönlichen Börsengeschäft , vom Handwerk zum Fließband , vom Holzpflug zum Traktor . 
Kapitalkraft und Erfahrung des Privatunternehmers reichten zur Schaffung und Leitung einer mittleren Textilfabrik aus , nicht aber für ein großes Stahlwerk . Im Jahre 1933 betrug die durchschnittliche Arbeiterzahl je Betrieb in der Verarbeitungsindustrie 40 und die durchschnittliche stung der verwendeten Maschinen 16 , 5 PS . Der größte Teil der zweige lag unter diesem Durchschnitt . 
Ein gewisses Gründungsfieber hatte dazu geführt , daß einerseits in chen Gegenden gewisse Branchen bald übersetzt waren , andererseits gesprochen unrentable Betriebe errichtet wurden . Bei Neugründungen wurden die standortlichen Vor - und Nachteile nicht genügend berücksichtigt . So mußte z . B . die Zuckerfabrik in U§ak , die ohne gründliche nisse und ohne Heranziehung von Beratern beschlossen und geplant worden war , liquidiert werden . 
Ein großer Teil dieser Betriebe war nur durch Steuerermäßigungen , mien , Bevorzugungen bei Behördenausschreibungen , Erleichterungen der Kreditbeschaffung sowie durch starke Einfuhrbeschränkung und hohe zölle entwicklungsfähig . Die nötige Gewähr für das Fortdauern dieser Förderungs - und Schutzmaßnahmen konnte nur der Staat selbst geben . Die türkischen Wirtschaftspolitiker waren jedoch weit davon entfernt , diesen Zustand , nämlich die Begünstigung eines Wirtschaftszweiges auf Kosten anderer Sektoren , für einen ersprießlichen Zustand zu halten . Vor allem der damalige Ministerpräsident Ismet Inönü vertrat auf dem Februarkon - gress der türkischen Handelskammern im Jahre 1928 ausdrücklich die Ansicht , daß die türkische Industrie , wenn sie auch im Anfang des lichen Schutzes bedürfe , auf die Dauer staatliche Unterstützung und gesetze nicht erwarten dürfe , und er wandte sich gegen diejenigen nehmer , die alles vom Staat erhofften und erwarteten und selbst weder Initiative zeigten , noch ein Risiko eingehen wollten . 
In diesem Sinne wurden die im Industrieförderungsgesetz vorgesehenen Prämienzahlungen des Staates zunehmend abgebaut . Schon für 1927 / 28 ren sie auf durchweg 4 % und 1928 / 29 auf 1 , 5 % des Produktionswertes
	        

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