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1 . 5 Kapitulationen
Die Kapitulationen waren ein Komplex verschiedener Verträge , Freibriefe und Gnadenakte , die die Beziehungen der Türkei zu den abendländischen Völkern regelten . Diese Dokumente sicherten die völkerrechtlichen und kommerziellen Interessen der Vertreter dieser Länder und ihrer hörigen . Die Grundprinzipien waren Wahrung der religiösen und duellen Freiheit , Schutz und Privilegien für Schiffahrt und Handel sowie Exterritorialität der Ausländer . Allgemein gesehen ging es bei der ritorialität um die Unterstellung der Fremden unter Gesetze und Richter ihres eigenen Landes , d . h . um die Konsulargerichtsbarkeit . Die später mit dem Wort Kapitulation verbundene Auffassung hatte mit diesen von Sultanen den Fremden gewährten Sonderrechten nicht das geringste zu tun .
Die von Byzanz zum Zwecke der Förderung des Binnen - und Außenhandels den Fremden verliehenen Sonderrechte bestanden schon bei den Seldschu - ken sowie bei den verschiedenen Völkerschaften an der Küste des meeres . Es war ganz natürlich , daß die Osmanen die damals im staatlichen Verkehr üblichen Bedingungen übernahmen .
Das Scheriatrecht galt außerdem nur für Muslims . Es war unmöglich , ses Recht auf die Christen auszudehnen . Der Wirklichkeitssinn der renden Männer hatte es verstanden , den religiösen Einfluß auf das Gebiet der allgemeinen , den Bestand und die Macht des Reiches angehenden gelegenheiten zu beschränken .
In der Entstehungszeit konnte die Vertretung der Ausländer nicht mit der Gewalt der Staatsorganisation konkurrieren , und sie wagte es auch nicht , sich in die Angelegenheiten des Staates einzumischen . Die Kapitulationen begannen erst eine verheerende Wirkung auszuüben , als die kraft des Kapitalismus deutlich zutage trat , während das Reich nicht mehr die Kraft hatte , sich effektiv zu wehren . Die Kapitulationen wurden im 19 . Jahrhundert durch eigene Handelsverträge oder gelegentlich ne Abmachungen ergänzt , die die wichtigsten Grundlagen des europäischen Einflußes bildeten .
Die Geltungsdauer der Verträge entsprach der Regierungszeit des sie schlißenden Sultans . Bei jedem Thronwechsel mußten sie von neuem tragt und gewährt werden . Bei den Erneuerungen erhielten die Sultane dadurch ein Bestimmungsrecht , daß eine gewisse Anpassung der gen an veränderte Situationen gewährleistet war . Die Geltungsdauer der französischen Kapitulationen von 1740 war unbeschränkt , also formell kündbar .
Die neuen Kapitulationen , die im Laufe der nächsten hundert Jahre fast alle Staaten Europas erhielten , gewährten zu dieser Zeit praktisch nur einer Partei Vorteile und Privilegien . Darüber hinaus bekamen sie immer mehr einen politischen Charakter . Sie waren nunmehr politische Verträge , Handelsverträge und Niederlassungsverträge zugleich .

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