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1 . Kapitel : Die Entwicklung bis zur Republik
1 . 1 Das Gewerbeleben
Die Türken waren schon in ihrem Ursprungsland Mittelasien mit der für damalige Verhältnisse hochentwickelten Gewerbekunst des Orients traut . Mit ihrer Auswanderung nach Westen verbreitete sich das gewerbe auch in Anatolien . Keramikwaren , Bucheinbände , Schnitzarbeiten u . a . , die sich aus dieser Zeit erhalten haben , zeugen von dem hohen Stand des damaligen Kunstgewerbes1 . Darüberhinaus weist man auf die lung des Handels bei den Türken in Anatolien , vor der Gründung des Osma - nischen Reiches , sowie auf die Ausfuhr von Manufakturwaren wie pichen , Geweben , Seidenartikel hin2 .
Im Gewerbeleben des Reiches selbst nahm die Rüstungsindustrie eine sondere Stellung ein . Der Staat war imstande , den gesamten Bedarf eines Heeres von etwa 300 . 000 Mann Stärke aus der Wirtschaft des eigenen des zu decken . Er besaß Heereswerkstätten mit Handwerkssiedlungen , so in Form von Eisen - und Pulverfabriken , Webereien , Sattlereien usw . 3 . Schon um die Mitte des 15 . Jahrhunderts wurden Land - und schütze gegossen . Waffen und Kriegsschiffe bei der Eroberung Istanbuls waren Erzeugnisse der heimischen Handwerker4 . Nach den haltsrechnungen und statistischen Erhebungen des Sultans Murad IV . ( 1609 - 1640 ) arbeiteten damals etwa 5 . 200 Personen in staatlichen Waffen - und Zeltstoffabriken sowie in Kanonengießereien , denen für weiteren Bedarf eine Holzfabrik , Gerbereien , eine Papierfabrik und 70 kleinere ten für Glasbläserei , Färberei , Textilien sowie Werften angeschlossen waren5 . Auf den Werften wurden sogar Schiffe für die in damaliger Zeit ( 1590 - 1616 ) hochentwickelte Seemacht Venedig gebaut . Nach den von Ayni Ali im Jahre 1609 angefertigten Ausgabenlisten gab es auf diesen Werften 2 . 364 Arbeiter und 4 . 322 Sattler und ihre Gehilfen in den stätten^ . Das Reich lieferte gleichzeitig Kriegsmaterialien an andere talische Länder , oder es sandte Handwerker dorthin .
In der Bevölkerung entwickelte sich dagegen ein vielfältiges werk . Die einzelnen Städte waren durch ihre Spezialgewebe berühmt , so z . B . Seidenwebereien aus Istanbul , Bursa , Bilecik , Musul , Tirnova , Diyarbakir , Aleppo , Damaskus ; Wollarbeiten aus Ankara , Erzurum , Erzincan , Demirci , Gördes , Kula Antalya ; Hanf - und Leinengewebe von der Küste des Schwarzen Meeres ; Kacheln aus Kütahya und Iznik ; waren aus Edirne ; Nadeln und Klingen aus Mudurnu ; Teppichknüpfereien und Baumwollwebereien waren in vielen Dörfern verbreitet . Besonders die kunstvollen Seidenwaren und Teppiche genossen überall großes hen . Sattlereien , Kürschnereien , Töpfereien , Färbereien und Schmieden arbeiteten ebenfalls nicht nur für den Inlandsbedarf , sondern verkauften ihre Waren an die umliegenden Länder7 .

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