Baltische Träume ? 
Estland , Lettland und Litauen sind spätestens seit dem turbulenten Jahr 1991 wieder ins ne Bewußtsein der Weltöffentlichkeit zurückgekehrt . Doch welche konkreten Perspektiven bieten sich diesen Staaten jetzt ? Was ist außer den mehr irrationalen , deutsch - dominierten Träumen von der „ neuen Hanse " oder der fast scheinheiligen Beschwörung der „ Brückenfunktion " dieser ten wesentlich für sie selbst ? Konkrete Schritte hin zum gegenseitigen Verständnis und zu mehr zwischenmenschlicher Begegnung und Erfahrungsaustausch fehlen weitgehend . 
Albert Caspari 
Ein deutschbaltisch - blaublütiger Ex - Adliger oder ein gerissener , mit len hanseatischen Pfeffersäcken gewaschener Kaufmann wird hinter allzu eindeutigen Aktivitäten , die sich für die Beziehung zu den baltischen Staaten stark zu machen versuchen , in der Regel vermutet . Die Vermutung ist nicht ganz unrichtig , denn keineswegs zufällig nierten diese beiden Stilrichtungen bisher den Charakter der Beziehungen zwischen Deutschland und dessen ehemaligen Wunschkolonien . 
Von der deutschen Öffentlichkeit den die baltischen Staaten meist mit mischten Gefühlen gesehen . Baltischer Widerstand , gegen sowjetische onspolitik , gegen die Herrschaft der Straflager und sozialistische Zucht und Ordnung gemeint , wandelte sich im Bild der deutschen Medien zu rückständiger Verstocktheit . 
Dagegen stand eine in Deutschland bis hin zur CSU perfekt in Szene gesetzte Medienfigur , die Deutschlands vereinigung erst realisierbar und deutsche ökonomische Expansion in neue Räume möglich machte . Politische Meinungs - und Bewegungsfreiheit unter Vorherrschaft der Ökonomie - die meinsame Botschaft von Kohl und batschow war , diese neue Gleichung schen Ost und West möge bitte von den beteiligten Völkern und Nationen aner - 
Albert Caspari ist Vorsitzender des eins „ Informationszentrum Baltische Staaten " ( INFOBALT ) in Bremen . 
kannt werden . „ Wir müssen mehr ten " - auf diese Art und Weise übersetzt ist die Botschaft denn auch sowohl von Vertretern der baltischen Staaten selbst zu hören wie von Repräsentanten Deutschlands . 
Unangebrachter Nationalismus ? 
Durchsetzen ließ sich dieses Konzept jedoch nur unter der Flagge des geeinten Europa . Die gemeinschaftliche tung mehrheitsfähiger europaweiter zeptionen ist in den letzten Jahrzehnten auch für viele Deutsche zur einzig stellbaren politischen Zukunftsvision worden . Erhofft wird vor allem ein komplizierteres Umgehen des deutschen Staates mit seinen Nachbarn und anderen Kulturen , möglichst unter Einschluß der immer noch unvollständigen tung nationalsozialistischer heit und postsozialistischer Gegenwart . 
Kulturelle Unterschiede zu akzeptieren und sogar unbeeindruckt von staatsgrenzen nebeneinander , den gen Vorstellungen gemäß leben zu nen , das war vielleicht der Traum idealistischer Europa - Fans . Da kommt unter anderem auch der Anspruch aus dem baltischen Raum , zunächst einmal das Recht auf Abgrenzung , ökonomische , kulturelle und politische Eigenständigkeit für sich beanspruchen zu wollen , sprochen ungelegen . Vor allem , wenn se Entwicklung nicht nur mit heroischen Freiheitskämpfen ( über die häufig und gern auch in den Medien berichtet 
de ) , sondern auch mit „ Altlasten " scher Großmachtpolitik verbunden ist . Rußland jetzt und immer noch zu ren , ist nicht gerade populär , will doch der erstmal in Ruhe seine wirtschaftlichen Beziehungen mit den neuen oder bliebenen alten Kontaktleuten in ropa absichern . 
Als nicht zu übersehendes Problem übriggeblieben sind vor allem diejenigen Regionen , in denen die früher so verständlich als „ sowjetische Bürger " klassifizierten Menschen sich plötzlich als zahlenmäßige Mehrheit dazu verdammt sehen , sich einem völlig anderen schen Koordinatensystem anpassen zu müssen . In einem Beispiel : Dort , wo vor zwanzig bis dreißig Jahren triebe auf grüner Wiese neu gebaut den , mit Arbeitern aus anderen Teilen der Sowjetunion samt den dazugehörigen Wohnungseinheiten ausgestattet , sieht man jetzt plötzlich , auch wegen der en Freiheiten und Möglichkeiten , ne Menschen . Daß diese Ansiedlungen auch früher schon problematisch waren , daß sich hier noch nie ein richtiges schenmenschliches Zusammenleben mit den eigentlichen Einwohnern des Landes entwickeln konnte , spielt im schnell - lebi - gen politischen Tagesgeschäft nun keine Rolle mehr . 
Viele Balten wollen jetzt nicht alle desbewohner zu Bürgern ihrer Staaten verwandelt sehen , zumal wenn am ligsten diejenigen in Erscheinung treten , die sich die alten Machtverhältnisse zurücksehnen . In Litauen haben die im 
NORDEUROPA 
follili'
	        

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