Full text: 1994 (1994)

BILDUNGSPOLITIK : 
Rat - loser 
Jens Steinfeld 
Nicht nur die Veränderungen auf der politischen Landkarte der Ostsee - Region und die Teilhabe am Europäischen Wirtschaftsraum mit insgesamt 340 Millionen Menschen , dern vor allem der mögliche Beitritt von Finnland , Norwegen und Schweden zur Europäischen Union ( EU ) sorgen für regung im sonst doch auch in politischen Fragen eher stillen Norden . Daß einer der Hauptredner der Konferenz der Italiener Professor Antonio Ruberto war , der zuständige Kommissar für schung und Bildung der Kommission der Europäischen Union , betont dies noch . Die Nordeuropäer werden sich daran wöhnen müssen , in Zukunft verstärkt auch auf südländische Töne zu hören . 
Eigentliches Ziel der mit mehr als 250 hochrangigen Vertretern aus allen schen Ländern sehr gut besuchten renz war es , sich mit den zukünftigen Möglichkeiten der Nordischen menarbeit vor dem Hintergrund der wicklungen in Europa zu befassen . In beitsgruppen zu Kooperation zwischen Schulen , Erwachsenenbildung , Höhere Bildung und zu Forschung wurde dieses vertiefend diskutiert . Leider wurden die Ergebnisse aus diesen Gruppen nicht am zweiten Tag , zu dem auch die Presse den war , präsentiert . Stattdessen ging es hier um die Erwartungen der EU an den Norden - und vice versa - , um die in änderung begriffenen Qualifikationen und Anforderungen für Abschlüsse im sten Jahrhundert sowie um eine lung der Ziele der zukünftigen Nordischen Zusammenarbeit in Bildung und schung . Wichtigste Erkenntnis , und von Per Stenbäck ( Generalsekretär des schen Ministerrates ) auf den Punkt 
Norden 
bracht , war , daß sich der Norden zur Zeit in einem „ intellektuellen Vakuum " det . Es zeichnet sich noch keine generelle Linie ab , wie die Nordische beit fortgeführt werden kann , wenn mehr und mehr Länder der EU beitreten ; es ist ungewiß , ob es überhaupt sinnvoll ist , die Zusammenarbeit in ihrer jetzigen Form weiterzuführen , ja selbst die rechtigung des Nordischen Ministerrates wurde von einigen angezweifelt . 
Ob es jedoch zu der „ unblutigen tion " , zum „ Überbordwerfen " der alten Richtlinien kommt , wie es Gad Rausing , der Chairman der Tetra Laval Gruppe , derte , bleibt abzuwarten , ebenso ob die Nordeuropäer die „ Barbaren " Europas werden , wenn es ihnen nicht gelingt , ihr Bildungssystem zu erneuern . 
Fazit der Diskussion : Die Forschung im Norden muß wieder interessant gemacht , eine Spezialisierung durchgeführt werden ! Dringendste Aufgabe für die nächste Zeit ist es daher , so der Tenor der Reden , zu klären , welches die nordischen Aktivitäten sind , die weiterbestehen können , welches die plinen sind , in denen der Norden renzfähig ist . Der Norden muß sich dazu aus seiner relativen Isoliertheit befreien , aus seinem „ Winterschlaf " heraustreten und sich der amerikanischen und der schen Herausforderung stellen . Dazu muß er zum einen geschlossen agieren und die Zerstückelung seiner Forschungsaktivitäten beenden , zum anderen muß er den punkt dieser Erneuerung , und da waren sich die meisten Redner einig , auf die Inter - nationalisierung setzen . Nur durch die kere Einbindung in die europäischen Bil - dungs - und Wissenschaftsaktivitäten kann erreicht werden , daß der Norden auch über die Verwendung der Mittel und die Setzung 
der Forschungsschwerpunkte für die kunft mitentscheiden kann - bisher kann er im Rahmen des EWR nur an allen schungsprogrammen partizipieren . 
Ein Schwerpunkt beim Aufbau einer dischen Forschungs - und struktur sollte hierbei die Einrichtung eines Rechner - Netzwerkes sein , das die denen Teilnehmer in die Lage versetzt , rekt miteinander zu kommunizieren . Bei der vorgesehenen Einbeziehung auch der len sollen schon Schüler auf einfache Art und Weise daran gewöhnt werden , den den als Ganzes zu sehen . Ziel ist nicht die Etablierung von großen und aufwendigen Austauschprogrammen . Die Umsetzung neuer Ideen kann durch die Förderung ner und mittlerer Programme stattfinden . Diese „ grassroot - cooperation " scheint am besten geeignet , neue Ideen schnell setzen . Wenn dazu bei der human mobility darauf geachtet wird , daß die „ Richtigen " fahren , das heißt , daß verstärkt Jüngere auf Reisen geschickt werden , kann tatsächlich die nordische Wissenschaftslandschaft der erblühen . So wies Per Unckel , der schwedische Bildungs - und nister , darauf hin , daß die Bedeutung einer gemeinsamen Identität in diesem menhang zunehmend wichtiger wird ; sätzlich zur nationalen muß vor allem eine nordische Identität entstehen . Nur durch die Bildung eines relativ homogenen und damit starken nordischen Blocks - für den eine nordische Identität Voraussetzung ist - kann die relative Bedeutungslosigkeit der schen Länder in einer Organisation von der Größe der EU aufgefangen werden . 
Dabei sind die Ängste , die die nordischen Länder in diesem Zusammenhang haben , für die Bildungs - und Forschungspolitik lich irrelevant : Im Vertrag von Maastricht sind in diesem Bereich keine Weisungen oder Richtlinien für die einzelnen Länder hen . Umgekehrt hegt die EU , wie es Herr berto betonte , große Erwartungen an den Norden . Hier sind es nicht nur die nen der Universitäten , die me usw . , sondern vor allem die Erfahrungen , die der Norden in der regionalen arbeit bisher gemacht hat . Gerade bei der nehmenden Regionalisierung der EU kann der Norden eine Menge an Innovationen auf den Weg bringen , können die nordischen fahrungen dazu beitragen , die litik der EU effizienter zu gestalten und damit die Stellung Europas gegenüber den USA und Japan zu stärken . ■ 
Vom 3 . - 4 . Februar 1994 fand in Lund eine Tagung zur Bildungs - und Forschungspolitik im Norden statt . Mehr als 250 Teilnehmer suchten nach neuen Wegen . 
NORDEUROPA 
fin - util
	        
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