Full text: 1994 (1994)

nig wie in Grönland wirtschaftlich tragend . Man ist auf wirtschaftliche stützung von Seiten des Mutterstaates zur Herausbildung einer eigenen waltung angewiesen . Für die Samen gilt zusätzlich , daß besonders in Schweden und Finnland eine staatliche Samenpolitik geführt wurde , die kollektive Rechte an Land und Wasser vorzugsweise im blick auf rentierhaltende Samen definierte und damit den Rahmen für eine generelle Anerkennung der Samen als Angehörige einer distinkten Kultur unabhängig von ner spezifischen Erwerbsform sehr schränkte . 
Für alle Samen gilt , daß Umfang und Form der angestrebten Rechte bisher so ungeklärt sind wie die Frage , an welche Gruppen sie sich eigentlich binden . 
Gesellschaftliche Gleichberechtigung ? 
Jorgen Are Gaske , Jurastudent aus Oslo und Same der jüngeren Generation , weist darauf hin , daß es infolge des allgemeinen Wohlstandes den Samen in Norwegen gleichsweise besser geht als denen in Schweden und Finnland , nicht zuletzt auch , weil sich die Interessen der schen Samen weitgehend mit denen des norwegischen Staates decken . Selbst wenn das Samische heute einen höheren Status innehat , fehle es doch an Respekt ber den Samen Norwegens , meint Gaske . Samen seien in der norwegischen kultur so gut wie gar nicht repräsentiert , weiterhin gäbe es außer fünf Minuten sami - schen Fernsehens und zwei Stunden Radio täglich kaum ten und damit kaum onsmöglichkeiten für die Samen ander . 
Zum norwegischen Sameting wurde an dieser Stelle nur insofern geäußert , daß dessen Effizienz von Projekt zu Projekt stark schwanke . 
Der Anwalt und Vorsitzende des sia's Lawyers Committee in defence of Human Rights , St . Petersburg , Yuri Shmidt , gab einen kurzen Überblick über die rechtliche Situation der Völker in Rußlands westlichem und sibirischem Norden . 
Die sibirischen Eskimos haben blicklich keine Rechtsvertretung . Zwar gibt es Gesetzesinitiativen , die aber bisher nicht zu weiterer Diskussion gelangten . In der neuen Verfassung haben die Minoritä - 
NORDEUROPA 
ten ihren Platz , deren Zukunft aber sichts eines heute eindeutig reaktionären politischen Kurses höchst fraglich scheint . Von Selbstbestimmung wird also auch voraussichtlich in den nächsten ren keine Rede sein können . 
Auch in Rußland steht an zentraler le die Frage , welche Bevölkerungsgruppen sich als Angehörige eines Urvolkes und damit als Zielgruppe besonderer ver Rechte verstehen lassen . 
Wie Dr . Nikolaj Vakhtin , Anthropologe und Linguist am Institut für Linguistik der Wissenschaftsakademie zu St . Petersburg in einem längeren Vortrag darlegte , kann hier nicht einfach nach rassemäßigen , ritorialen , materiellen , selbst nicht nach sprachlichen Kriterien unterschieden den . Ein Eskimo ist weder an seinen sichtszügen zu erkennen , noch ist er gesetzt alleiniger Bewohner traditioneller Siedlungsgebiete - die Eskimos bilden dort mit 15 bis 20 Prozent gegenüber gezogenen Russen und anderen rungsgruppen eine Minderheit . 
Selbst wenn Eskimos gelegentlich noch als Walfänger , Jäger etc . tätig sind , kann doch nicht nach Erwerbsformen ziert werden , da es einen größeren Anteil völlig russisch assimilierter Eskimos gibt . 
Zudem wird das Russische heute höher bewertet als die einheimischen Sprachen . Für Angehörige der arktischen ten existiert kein gesonderter richt . Von den materiellen Kriterien scheint nur die große Armut Hinweis auf eine re als russische Abstammung geben zu nen . Traditionelle Lebensformen sind fast gänzlich von der Bildfläche verschwunden . 
Warnung vor äußeren Kriterien 
Wie aber sollen anhand derart vager sichtspunkte Rechtsansprüche verteilt den ? Vakhtin schlägt eine bescheidene , vom anthropologischen Blickwinkel her doch überzeugende Lösung vor . Er zielt auf eine individuelle Bestimmung von Ethni - zität ab , der eine individuelle Befragung grundeliegen soll . Vakhtin fordert die Frage nach dem Zugehörigkeitsgefühl zu einer Volksgruppe und dem damit verbundenen Gefühl historischer und traditioneller tinuität . Die Antwort solle man als che akzeptieren und nicht weiteren pulationen aussetzen , meint Vakhtin . 
Er stieß in seiner Ablehnung ger Kriterien auf den erschreckend 
nalistischen Widerspruch seines schen Gegenspielers Zelim Tskhovrebov vom Raoul Wallenberg Institut der versität Lund . Tskhovrebov definierte nische Identität in einem längeren sionsbeitrag nach den äußerlichen en , vor denen Vakhtin nachdrücklich warnt : Für ihn sind die Eskimos ein klar rassemäßig zu unterscheidendes Volk in einer eindeutigen territorialen Umgebung . Wie sein Landsmann Schirinowskij trat auch Tskhovrebov mit der Karte in der Hand auf und plädierte für den mißlosen Erhalt des russischen ums , der sowohl Staatsbildungen als auch die bloße Anerkennung der Rechte von Urvölkern auf Selbstbestimmung halb russischen Territoriums fernliegt . 
In Rußland regiert das Gesetz der Stärke 
Yuri Shmidt meinte in seiner Antwort gegenüber Tskhovrebov , der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hende progressive Wunsch der publiken nach mehr Selbstbestimmung sei zunächst von reaktionären lokalen Eliten dazu mißbraucht worden , sich von der reformistischen Zentralmacht in Moskau zu befreien , wobei nationale abhängigkeit nicht direkt gefordert de . Die aktuelle Tendenz sei eher die der Sammlung und Zusammenarbeit der früheren Republiken , die gar nicht schaftlich unabhängig voneinander stieren könnten . So entpuppe sich die tionale Idee und die geschürte Furcht vor einer Auflösung Rußlands heute als fe der reaktionären Staatselite im Kampf gegen Rußlands Präsidenten . Die sung der Republiken sei also nicht stisch , zeuge vielmehr von bedenklichen rassistischen und faschistischen mungen . Glücklicherweise gebe es jedoch auch politische Gruppen , die sich für die Wahrung der Menschenrechte einsetzten . Nikolaj Vakhtin schloß an , gewisse mente zu einer politischen tion existierten , dahinter stehe aber ein sehr langsamer Prozeß ger Wandlung . 
Die Hoffnung liegt heute nicht nur in den jungen Generationen der nordischen Urvölker , Traditionen weiterzuführen oder wieder aufleben zu lassen . Sie liegt zu gleichen Teilen bei jenen , deren tanz oder Ablehnung letztlich über das Schicksal der anderen entscheidet . ■ 
MurijT H * " * * institue 
dar Universität Kiel ■■■
	        
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