Jahnn und Harms , die sich inzwischen „ vermählt " hatten , lebten in Aurland als „ Ausländer des Daseins " ein Leben seits der üblichen Konventionen . Sie nossen die Freiheit und Sicherheit , die ihnen der Ort bot , ohne sich an ihren Mitmenschen zu stören - ohne aber auch tiefere Bindungen zu ihnen zu knüpfen . Die Doppelmoral , die Frömmelei und der Patriotismus der Aurländer ließen sie schnell wütend werden . Doch die meintliche Idylle der beiden Freunde in der Abgeschiedenheit Westnorwegens war auch bald von außen bedroht . Von Seiten der Hamburger behörde wurde plötzlich verlangt , daß Jahnn und Harms einen Beweis ihrer Militäruntauglichkeit ten oder nach Deutschland kehrten . So verschlug es die beiden auf eine Odyssee quer durch norwegen , auf der die einzelnen Stationen Romedal , Hamar , nia und schließlich wieder Aurland waren . Während dieser Zeit saßen Jahnn und Harms wie zwischen den Stühlen . Einerseits stellten ihnen die deutschen Behörden unablässig nach , andererseits steigerte sich die Deutsehfeindlichkeit in Norwegen zunehmend . Zwischenzeitig wagten die beiden kaum noch unter schen zu gehen , da sie ten , für Spitzel gehalten und mengeschlagen zu werden . Von der Polizei wurden sie auf Schritt und Tritt beobachtet , Kinder warfen nen auf der Straße Steine nach , wachsene wichen ihnen aus . In medal forderte ihr Wirt sie bald auf , seinen Hof zu verlassen , da ihre Anwesenheit nicht länger mit nen Gefühlen gegen Deutschland vereinbar sei . In Hamar sah sich ihr Wirt gedrängt , den beiden zu gen , nachdem eine Abordnung der Einwohner bei ihm gewesen war und ihm gedroht hatte , man wolle ihm dernfalls das Haus über dem Kopf zünden . 
Schließlich sollte es aber doch ein gutes Ende nehmen . Der Vertrauensarzt des deutschen Konsulats in Kristiania schrieb die beiden Freunde für kriegsverwen - dungsunfähig , und nachdem sie wieder nach Aurland zurückgekehrt waren , derte sich die hier ursprünglich de Stimmung den beiden Deutschen 
genüber grundlegend . Die „ Wunder - hei - lung " ihres an Grippe schwer erkrankten Wirtes durch ein Radikalmittel Jahnns ( drei doppelte Morphiumeinspritzungen und zwei Wassergläser Sekt ) machte sie zu hochangesehenen Leuten . Jahnn und Harms blieben bis zum Ende des Krieges und wurden schließlich von vielen als Freunde betrachtet . 
Hart verdiente Sporen 
Über seine Zeit in Norwegen sagte Jahnn einmal : „ In dieser Zeit habe ich leben gelernt , habe ich die Welt 
schaut und alles gesehen , woraus das Leben besteht . Es war eine harte le , ich wurde in meine Bahn gelenkt und zu meiner entscheidenden nis geführt : daß alles , was man Leben nennt , für mich belanglos ist , daß das , was ich anstreben muß , auf einer dern Ebene liegt . " Norwegen bedeutete Jahnn Flucht aus der Welt und tation mit sich selbst . Die Isolation im Norden Europas ermöglichte dem Autor die tiefgreifende , bedingungslose 
betrachtung , ohne ihm im gleichen Maß die Unterwerfung unter gesellschaftliche Zwänge und Konventionen gen . Spuren dieser Isolation und betrachtung sind in seinem gesamten Werk zu finden . 
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wählte Jahnn Norwegen zum Schauplatz vieler seiner Werke . Die nordische Natur wurde ihm zu einer geistigen Heimat , wie er sie zum Beispiel seinem literarischen ( Nicht - ) Helden Perrudja zur äußeren mat machte . Perrudja ( der Name soll in nem archaischen Norwegisch „ der te Peter " bedeuten ) ist Waldbesitzer in der schroffen Bergeinsamkeit eines dären „ Norge " der Gletscher und Hochgebirgszinnen . Er ist eine Art moderner Kaspar Hauser , dem seine eigene Vergangenheit abhanden kommen ist . Zusammen mit Knecht und Magd , seiner Lieblingsstute Sh - abdez und einer Elchkuh lebt er gestört im Einklang mit der unge - zähmten Natur einer befremdlichen Bergwelt fern der menschlichen sellschaft . Hier hat er sich ein Schloß gebaut , in dem er sich der Welt seiner Bücher und Träume hingibt . Hier hängt er seiner Idee der erneuerung nach . 
Ein Eingreifen in das Außen doch ist Perrudja fremd . Er sehnt sich nach Geborgenheit und findet sie vorübergehend bei einem Knecht . Schon bald aber glaubt er , seine wahre Partnerin in dem schönen Trollmädchen Signe funden zu haben . Die Erfüllung , die er in der Liebe zu ihr sucht , bleibt ihm indessen versagt . Zwar wirbt Perrudja um das stolze Mädchen und läßt sich von ihr in einen Kampf auf Leben und Tod mit seinem Nebenbuhler Hoyer drängen . Auch tötet er diesen meinsam mit Signes Bruder Hein , doch leugnet er die Tat , als Signe ihn fragt , und verliert die Geliebte so schon wieder in der Hochzeitsnacht . Sie verläßt ihn , den auch sie geliebt hat , weil sie sich logen weiß . „ Nicht den Mörder te sie . Den Lügner . [ . . . ] Vor Lügnern fürchtete sie sich . Wildheit war keine Schande . Doch Feigheit des Herzens . " Perrudja erkennt nach der schmerzlichen Trennung von Signe , daß er sich im Grunde zum Männlichen hingezogen 
Hans Henny Jahnn 
46 
NORDEUROPA 
J'oruM
	        

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