Full text: (1994)

Die Schöpferin der Muminwelt gehört zu Finnlands schwedischsprachigem völkerungsteil ( rund 6 Prozent ) , der , wie viele Minoritäten , sowohl isoliert wie auch besonders beachtet wird . Sie war und ist in dreifacher Hinsicht rin : wegen ihrer Zugehörigkeit zur nen Sprachgruppe , als Künstlerin und als Lesbe . „ Obwohl Jansson in ihrem ren Werk die heikelsten Themen sehr tig angeht : das Altern etwa , die keit oder den Tod , zeigt sie praktisch nie mit dem Finger auf den wunden Punkt , sondern deutet an und läßt die Leser tergründe ahnen " , so die Autorin Müller - Nienstedt . In ihrer 1989 erschienenen Sammlung von Kurzgeschichten Rent spei ( „ Ehrliches Spiel " oder „ Fair play " ) erzählt Jansson erstmals vom men Leben zweier schon älterer innen . Mit 75 Jahren ein spätes Coming - out . Erotische Motive und homosexuelle Schilderungen in der späteren Literatur Tove Janssons untersuchte 1991 die Schwedin Barbro Gustafsson . „ Sie hielt " , so Müller - Nienstedt , „ beim kum teilweise einen recht kühlen fang . " Als wichtigen Grund dafür 
DIE MUMIN - MUTTER : 
Bilder zur Selbstwerdung 
Der 80 . Geburtstag der schwedischen Autorin Tove Jansson wurde in Schweden und Finnland mit zahlreichen Ausstellungen , sen und Artikeln befeiert . Eine schweizer Psychologin analysiert Janssons Werk . 
Tove Janssons Bücher haben mich ziniert , seit ich lesen kann . Sie sind voll Zauber , reich an Mystik und lik« , schreibt die Analytikerin Irma ler - Nienstedt . Unlängst erschien ihr Buch Die Mumins für Erwachsene - Bilder zur Selbstwerdung über die weltbekannte Künstlerin , die am 9 . August 1994 ihren 80 . Geburtstag feierte . 
Irma Müller - Nienstedt : 
Die Mumins für Erwachsene - Bilder zur Selbstwerdung 
Solothurn : Walter - Verlag , 1994 , 224 S . , DM 32 , 80 
Janssons erstes , für Kinder nes Buch erschien bereits Ende des ten Weltkrieges . Ihm folgten weitere neun Muminbücher und später fünf gen mit Kurzprosa , vier Romane , che Hörspiele , Comics , Theaterstücke und Liedertexte . Das bis jetzt letzte Werk waren die Brev frän Klara ( Briefe von Klara , noch unübersetzt ) aus dem Jahr 1991 , eine Sammlung von ten . Ihre Muminbücher wurden in alle Weltsprachen übersetzt und mit chen Preisen ausgezeichnet , darunter mit dem begehrten Hans - Christian - Andersen - Preis , dem „ Nobelpreis " der tur . Nicht zuletzt durch die Verfilmungen sind Tove Janssons Muminbücher auch im deutschen Sprachraum sehr beliebt worden . 
Die analytische Psychologin Müller - Nienstedt vergleicht nun die literarische Entwicklung Janssons mit deren lauf . Ihr Hauptinteresse gilt dem „ Indivi - duationsvorgang " in Janssons Werk . ser Begriff , den der 1875 geborene Schweizer Psychologe und Psychiater Carl Gustav Jung prägte , bedeutet werdung oder , wie es Müller - Nienstedt 
definiert , „ das Wahrnehmen und Leben der Möglichkeiten , die in jedem nen drin stecken , >werden< was man / frau eigentlich ist . Die Selbstwerdung darf aber nicht egoistisch verwirklicht werden , sondern muß im Einklang mit der welt geschehen . " 
Sowohl Kinder wie auch Erwachsene lesen Muminbücher , aber wie Jansson selbst sagt , verstehen sie sie ganz schiedlich : Für Kinder ist die Handlung selbst , die Spannung wichtig . Erwachsene hingegen beachten besonders den Humor und das Symbolische , oft also auch das , was nicht direkt gesagt , was nur tet wird . 
Eigentlich sind die Mumintrolle keine typischen Trolle , wie wir sie aus den dischen Märchen und Geschichten nen . Zwar besitzen sie einen lustigen Trollschweif und zwei aufmerksam hochgestellte Trollohren , aber sonst sind sie durchaus weich und hell , mit einem runden Bauch und einer ebenso runden und empfindlichen Schnauze . Sie sind nicht sehr groß ( „ ungefähr wie ein stelltes Telefonbuch " , meint Jansson ) und durch und durch mit einem feinen und weichen Fell deckt , so daß Kleider nicht nötig sind . Irma Müller - Nienstedt : „ Ihr Inneres entspricht dem Äußeren , denn sie ben ein sanftes und empfindsames Wesen , und oft fällt es ihnen schwer , sich zu ten . " Die Mumins sind keine ausgeprägten Denker , dafür aber um so größere Genießer ; sie haben Freude an einem guten Essen , an einem Sprung in die tosenden Wellen , am Lauf der alltäglichen Dinge , an Abenteuern - am Leben überhaupt . Die Muminfamilie ( Mutter , Vater und Sohn ) wohnt im paradiesischen Mumin - tal , zwischen hohen Bergen und dem endlichen Meer , das sie liebt . „ In allen Muminbüchern ist ein Spiegelbild des Lebens gegenwärtig . Das Glücklichsein und das Trauern . Die Helligkeit und das Dunkel . Die gute Verheißung und das Drohende . Die Lebensangst und die bensfreude " , schrieb Hildegard Kuhn in Das gute Jugendbuch . 
vermutet die Analytikerin , daß die Leser das Bild der „ Mutter des Mumintrolls " nicht mit dem Bild einer lesbischen Frau , die seit den 50er Jahren mit der rin Tuulikki Pietilä zusammenlebt , baren konnten . „ Ganz sicher war es nicht einfach , als beliebte und bekannte derbuchautorin in einer Frauenbeziehung zu leben " , vermutet Müller - Nienstedt . Wieweit das „ Anderssein " gerade in der Vita und im Werk von Jansson von deutung ist , bleibt bei Müller ein wenig im Dunkeln . Scheinbar hat sie Jansson zu 
62 
NORDEUROPA 
fortiin
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.