Full text: 1994 (1994)

um Iii1« wmrn 
Mit Wort und Tat wider die Mutlosigkeit 
Interview mit Jakob von Uexküll 
NORDEUROPAforum : Herr von küll , Sie haben 1980 den „ Right lihood Award " ins Leben gerufen , der später unter der Bezeichnung ver Nobelpreis international bekannt wurde . Angefangen hat alles mit dem Verkauf Ihrer Briefmarkensammlung . Wie kamen Sie zu dem Entschluß , einen „ Preis für verantwortungsbewußte bensführung " zu stiften ? 
von Uexküll : Den Right Livelihood Award habe ich von Anfang an als native zum offiziellen Nobelpreis piert , nicht als kleinen Anti - Preis , doch wollte ich ihn schon immer als derung zum Nachdenken verstanden sen . Alfred Nobel hat ja seinerzeit stimmt , daß diejenigen die nungen erhalten sollten , „ die der heit den größten Nutzen gebracht haben " . Nun kann man sich darüber streiten , che Nobelpreise der Vergangenheit im einzelnen gut und welche weniger gut ren , aber man muß doch anerkennen , daß Nobel einst in einer ganz anderen Welt lebte als wir heute . Deshalb habe ich der Nobelstiftung 1979 den Vorschlag macht , einen eigenen Ökologiepreis zurichten , was diese allerdings - um es einmal so zu sagen - dankend ablehnte . Ich habe mir dann überlegt , was ich selbst tun könnte . Ich glaube , ich war schon mer ein sehr engagierter Mensch . Ich stamme aus einer Familie , in der viel kutiert und offen über Probleme chen wurde , und es hat mich schon mer interessiert , was in der Welt vor sich geht . So sah ich mich damals einer zahl von Problemen weltweit gestellt , die auf eine Lösung warteten . Ich hatte aber zunächst noch geplant , ein Buch zu schreiben oder zumindest durch Artikel in Zeitungen und Zeitschriften auf 
die Mißstände in der Welt aufmerksam zu machen , denn ich arbeitete ja schon als Journalist . Doch mußte ich schnell stellen , daß das Buch , das ich schreiben wollte , und die Artikel , die ich verfassen wollte , alle schon geschrieben waren . Es gab bereits ein kritisches Bewußtsein für die Lage der Welt , und vor allem : es gab auch schon Vorschläge für praktische und wiederholbare Lösungen der schiedenen Probleme . Sie wurden in der Öffentlichkeit nur nicht ernst genommen . So kam ich auf die Idee mit dem tiven Nobelpreis . Da ich in Schweden aufgewachsen bin und die jährlichen belpreisverleihungen direkt mitverfolgen konnte , wußte ich ja , welche Bedeutung eine solche Preisverleihung hat . Der belpreis ist schließlich der erste tional anerkannte Preis , der weit über die Kreise der Wissenschaftler hinaus kannt geworden ist . Deshalb habe ich nach der Ablehnung durch die tung kurzerhand einen 
stand verkauft , den ich in jahrelanger beit aufgebaut hatte . 
NORDEUROPAforum : Der Alternative Nobelpreis ist heute mit rund 380 . 000 DM ausgestattet und wird jedes fahr am Vorabend der offiziellen leihung im Dezember in Stockholm geben . Wie waren die Reaktionen auf den Preis und wie sind sie heute ? 
von Uexküll : Nun ja , die ersten nen besonders von Seiten der Medien ren ja mehr als skeptisch . Man hat sogar vermutet , der KGB oder die CIA würde hinter der Initiative stecken , um den Preis zu diskreditieren . Seitdem man feststellen mußte , daß das nicht der Fall ist , sind die Reaktionen jedoch überwiegend positiv . Sogar die Nobelstiftung ist inzwischen von unserem Preis überzeugt . Der frühere Direktor der Stiftung , Stig Ramel , schrieb mir einmal : „ Ich persönlich meine , daß die Preisträger oft sehr beeindruckend waren , und die Auszeichnungen werden meines Erachtens für wirklich wichtige Zwecke vergeben . " Besondere samkeit erfährt unser Preis aber vor allem in der Dritten Welt . In unserer Jury , die alle paar Jahre wechselt , sitzen Leute mit den unterschiedlichsten Erfahrungen und Hintergründen , die auf den sten Wissensgebieten gearbeitet haben . Aber allen gemein ist doch , daß sie nicht dem alten Vorurteil nachhängen , alles lohnenswerte komme notwendigerweise aus den westlichen Industriestaaten . Wir haben deshalb sehr viele Preisträger in den sogenannten Entwicklungsländern . Wir leben ja trotz allem in einer Welt , und außerdem muß man sehen , daß die schen in diesen Ländern oft ganz andere Interessen haben , als manche Politiker uns weismachen wollen . Diese Menschen 
Nr . 4 , 1994 
37
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.