Full text: (1994)

THEMA 
MEDIEN UND RASSISMUS : 
Schmutziger Journalismus 
Rassistische Einstellungen breiten sich überall in Europa aus . Die Medien , die Garanten der demokratischen Öffentlichkeit sein sollten , gießen noch Öl ins Feuer . Ganz besonders tut sich beim Schüren fremdenfeindlicher Stimmungen Schwedens größte Tageszeitung , Expressen , hervor . 
Stig - Arne Nohrstedt 
Die schwedischen Medien haben in den vergangenen Jahren dem ror fremdenfeindlicher Kräfte gen Einwanderer und Flüchtlinge in Deutschland große Aufmerksamkeit schenkt . Oft wurde dabei stillschweigend angenommen , daß sich diese Anschläge aus der deutschen Geschichte und dem Völkermord der Nazis während des ten Reiches erklärten . Man neigt dazu , dies als ein nahezu ausschließlich sches Problem zu betrachten , chend dem Denkmuster , daß es mus stets nur anderswo gäbe . 
Die schwedische Gesellschaft ist jedoch weit davon entfernt , von rassistischen schlägen und Fremdenfeindlichkeit schont zu sein . Es hat eine Vielzahl von versuchten Brandstiftungen gegen künfte von Einwanderern gegeben , es sind Flüchtlinge mißhandelt und schen mit dunkler Hautfarbe ermordet worden . Es stellt sich sogar die Frage , ob Schweden durch den „ Lasermann " , einen Serienmörder , der vor einigen Jahren ein halbes Dutzend Mordversuche nahm , nicht eine einzigartige Position einnimmt . Bei einem Fernsehinterview mit dem Industriellen Pieter Wallenberg im September 1994 äußerte sich dieser 
Dr . Stig - Arne Nohrstedt lehrt nikationswissenschaften an der versität in Örebro . 
unter anderem über die Verhältnisse in Südafrika nach der Demokratisierung und sagte in diesem Zusammenhang , daß die „ Bimbos " es nicht schaffen würden , das Land ohne Hilfe der Weißen zu wickeln - eine Äußerung , für die er einige Tage später infolge starker Kritik und Boykottdrohungen um Entschuldigung bitten mußte . 
Ein Verrückter mit einem Gewehr mit Laser - Zieleinrichtung , der auf rer schießt , und ein Industrieller , der sich in einem Fernsehinterview unbedacht äußert - sind dies isolierte Ereignisse ohne inneren Zusammenhang oder druck zunehmender rassistischer mungen innerhalb der schwedischen sellschaft , die denen in anderen päischen Ländern ähneln ? Und welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Medien ? 
Aus den wenigen schwedischen chungen wird deutlich , daß sich die richterstattung der Medien über Flüchtlinge während der letzten Jahrzehnte etwas wandelt hat und am Ende der achtziger und Beginn der neunziger Jahre in eine für die Flüchtlinge mehr und mehr negative Richtung tendiert . Es muß jedoch zwischen Berichten über einreisewillige Flüchtlinge und solchen über Flüchtlinge , die bereits eine Zeit lang im Lande gelebt haben und von Abschiebung bedroht sind , den werden . Im ersteren Falle werden die 
Flüchtlinge als illegitim , kriminell und drohlich beschrieben , im letzteren Falle ist die Haltung gegenüber den Flüchtlingen in der Regel positiv . Dies erklärt sich vor lem daraus , daß die Journalisten Schweden interviewt haben , die von Ausweisung drohte Personen kennengelernt haben und der Meinung sind , daß diese bleiben dürfen sollten . 
Im Dezember 1991 und im Januar 1992 wurde Gotland , schwedischer sten in der Ostsee , von drei schiffen angelaufen . Auf dem zweiten Schiff , der Priekule , befanden sich 391 Flüchtlinge , überwiegend Kurden aus dem Irak . Sie waren mit Hilfe ter „ Menschenschmuggler " aus Moskau auf illegale Weise nach Gotland gelangt . Sie kamen aus Riga und hatten sich zuvor einige Zeit in Moskau aufgehalten . Ihr Ursprungsland war jedoch Saddam seins Irak , wo sie verfolgt und / oder in den Iran ausgewiesen worden waren . 
Die Berichterstattung der Abendzeitung Expressen über den ersten Tag nach der Ankunft der Flüchtlinge erstreckt sich über vier komplette Seiten inklusive der Titelseite . Der Satz der Überschriften und die sonstige Präsentation machen absolut klar , daß die drohende Perspektive einer kommenden Masseninvasion von lingen aus dem Baltikum und Rußland das Grundthema der struktion ist . 
Die Nachricht bestimmt die gesamte telseite durch ein mehr als die halbe Seite füllendes Bild schlangestehender linge hinter einer einfachen Absperrung mit der Silhouette eines Schiffes im tergrund . Eingefügt in das Bild ist ein in Anführungszeichen eingeschlossenes tat : 
„ Das ist nur der Anfang " 
Unter dem Bild steht eine weitere , was kleiner gedruckte Schlagzeile : 
„ Die Experten befürchten jetzt eine massive Flüchtlingswelle über die Ostsee " Der Text dazu lautet : 
„ Die in Schweden angekommenen 391 iranischen ( so steht es tatsächlich im ginaltext - der Verf . ) Flüchtlinge sind nur der Anfang . Schwedische Experten nen damit , daß es in Moskau 40 000 bis 60 000 Flüchtlinge gibt , die vorhaben , nach Schweden zu kommen . 
- Man fragt sich , wie das enden soll , sagt Leif Kihlsten , unabhängiger Experte im Verteidigungsministerium . 
NORDEUROPA 
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