Full text: (1994)

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BERGMAN - FILME : 
Verspätete Gratulation 
Der Henschel Verlag nahm den 75 . Geburtstag Ingmar Bergmans im Juli 1993 zum Anlaß , Texte , die bereits vor fünf Jahren in einer mer der schwedischen schrift „ Chaplin " veröffentlicht den , in deutscher Sprache herauszugeben . 
Unter dem Titel Gaukler im Crenzland erschien 1993 eine Sammlung von Aufsätzen , die sich mit Leben und Werk Ingmar Bergmans auseinandersetzen . Von den 27 Beiträgen stammen 16 von tional anerkannten Regisseuren , lerinnen und Schauspielern . Zwei Drittel des reich bebilderten Bandes beanspruchen neun Filmkritiker und - Wissenschaftler für sich . Im Anhang findet man eine che Filmografie sowie ein übersichtliches Personen - und Titelregister . Die Liste der Gratulanten liest sich wie ein Who is Who der Filmgeschichte . Weder Akira Kurosawa , Andrzej Wajda noch Federico Fellini oder Jean - Luc Godard ( dessen Hommage „ Berg - manorama " allerdings von 1958 ist ! ) , um nur einige zu nenen , ließen es sich men , dem Hochgeschätzten ihre wünsche auszusprechen . Hinzugefügt den der Sammlung von 1988 Beiträge dreier Filmhistoriker und Publizisten : Peter Cowie , Egil Törnqvist und Maaret Koski - nen . 
So unterschiedlich die Professionen der Autoren sind , so verschieden lesen sich ihre Aufsätze . Die Filmaktivisten sprechen von ersten Begegnungen mit Bergman oder Filmbildern , die zu unvergeßlichen rungen wurden . Belanglos wird es nur , wenn etwa Woody Allen in seinem elfzeili - 
gen Text Bergman am liebsten in eine Art Olymp für Regisseure versetzen würde , ihn buchstäblich „ vergöttert " , aber nicht ten will , warum . Andere wie Eva Dahlbeck , Max von Sydow , Gunnel Lindblom und Er - land Josephson , schwedische ger , erinnern sich an die Arbeit mit dem Regisseur , an die Anfänge 1944 und an verschiedene Episoden bei Dreh - und benarbeiten am Theater . Diese Texte sind sehr persönlich gehalten . Sie betonen das vertraute Verhältnis . In den theoretischen Abhandlungen werden ausführlich die deutung der Natursymbolik , der Rolle des Kindes und besonders die Affinität mans zu Strindberg untersucht . Dafür wird bedauerlicherweise immer wieder das che Zitat aus der Abschlußszene von Fanny und Alexander bemüht , in der die Großmutter die Einleitung zu Strindbergs Ein Traumspiel vorliest . 
Erwartungsgemäß kommt in dieser thologie die Wertschätzung für den seur und dessen Werk zum Ausdruck . Nur Ernest Riffe schreibt : 
„ Sobald Bergman etwas Eigenständiges schaffen , einer eigenen Geschichte Leben einhauchen oder seinen eigenen fen eine Stimme geben soll , ist er konfus , einfallslos und schwach , weil er im Grunde seiner Seele den eigenen Erfindungen mißtraut . [ . . . ] Es ist höchste Zeit , daß wir uns von dieser gespenstischen Gestalt freien , die soviel Unruhe gestiftet hat . Er zählt uns nichts über uns und das Leben , das wir führen , oder über Gott . Er erzählt uns nicht einmal etwas über seine eigene Bedeutungslosigkeit oder Größe . Er ist nichts als ein beängstigender Beweis für den schrecklichen Verfall unserer kunst . " 
Lars Àhlander , Svenska Filminstitutet Stockholm ( Hrsg . ) 
Caukler im Crenzland . 
Ingmar Bergman 
Berlin : Henschel Verlag , 1993 242 S . , DM 49 , 80 . 
Erst in einer Anmerkung erfährt der sungslose Leser , daß sich hinter dem Autor Ernest Riffe niemand anderes als Ingmar Bergman selbst verbirgt . Er faßt in einem Artikel von 1960 all die Einwendungen und Schmähungen zusammen , die die Kritiker im eigenen Land gegen seine bisherige beit erhoben hatten . Sechzehn Jahre Regie und ca . dreißig Spielfilme hatte er zu sem Zeitpunkt vorzuweisen . Für Das 
te Siegel , Wilde Erdbeeren , An der Schwelle des Lebens , Das Gesicht erhielt er Filmpreise in Cannes , Berlin und Venedig . Die frauenquelle und Wie in einem Spiegel den mit Oscars in der Kategorie „ Bester ausländischer Film " geehrt . Doch erst mit der Fernsehserie Szenen einer Ehe konnte er auch das schwedische Publikum erobern . Auf originelle Weise wird mit diesem Artikel an die oft vergessene Schattenseite in der Rezeptionsgeschichte von Bergmans Werk erinnert . 
Maaret Koskinen , in der „ schung " noch relativ unbekannt , setzt sich mit Aspekten der Klischeevorstellung vom „ typisch Schwedischen " auseinander . Sie untersucht eine Sichtweise , die aus dem Ausland nach Schweden transportiert und hier unkritisch akzeptiert wurde . Das führte dazu , die schwedische Mentalität nach den Verhaltensmustern der Bergmanschen gonisten einzuschätzen , weil Film mit lichkeit gleichgesetzt und nicht als deren gänzung verstanden wurde . Maaret Koskinen argumentiert dabei mit dem tergrund , der den Regisseur geprägt hat , also die Literatur - und Theatertradition der Jahrhundertwende mit Strindberg , Hjalmar Bergmann und Hjalmar Söderberg . Ebenso verweist sie auf die literarisch - schen und politischen Strömungen gerade der vierziger Jahre , der Anfangszeit mans und dessen Verehrung für die dischen Filmpioniere . Aus der Tradition des Stummfilms übernahm er Zeichen und elemente . So drückte er die Seelenzustände seiner Filmhelden mit Hilfe von scheinungen seiner Heimat aus , ohne diese nur abzufilmen . Dadurch erreichte er eine Intensität in der psychologischen lung , die „ typisch Bergman " genannt den kann . 
Diesen Werdegang beschreibt auch Mi - kael Timm . Hervorhebenswert ist Timms komplexe Betrachtung . An der Bewertung von Bergmans Schaffen kritisiert er die oft sezierende Herangehensweise - Theater , Film , Hörspiel , Oper werden getrennt tersucht , nicht als sich beeinflussende res . Timm hebt die Experimentierlust und die Meisterschaft Bergmans in allen chen hervor . Schließlich wußte dieser doch die Interaktionen zwischen den nen Medien perfekt zu nutzen , sprach selbst einmal vom Theater als seiner frau und vom Film als seiner Geliebten . Timm legt in seinem Aufsatz den punkt auf Theater , denn „ [ . . . ] wer Berg - 
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