Full text: (1994)

THEMA 
BONNER OSTSEETAGE 1994 : 
An einem Strang 
Wachstum und wirtschaftlichen Ausgleich versprechen sich die Ostseeanrainer von einem engeren Zusammengehen . Die ner Ostseetage , von Mecklenburg - Vorpommern und Schleswig - Holstein ins Leben gerufen , machten vor allem eines deutlich : Die Zukunft der Region ist symbiotisch mit dem wachsen Europas verknüpft . 
Stephan Muschick 
Ambitionierter hätte das allgemeine Einvernehmen kaum ausfallen können : In wenigen Jahren werde die Ostseeregion zur europäischen Wachstumszone Nummer eins ren . Eine vielversprechende on sei sie schon heute , und bald - sames und koordiniertes Engagement der Anrainer sowie die Unterstützung aus der europäischen Zentrale vorausgesetzt - könnten im Westen wie im Osten leckere Wohlstandsfische geangelt werden . 
Dieser optimistische Duktus prägte den politischen Auftakt der Ostseetage 1994 , die mit einem „ bunten Strauß von staltungen und Aktivitäten " Bonner tikern und Bürgern der Stadt ( die sichts schier unzähliger Baustellen wie die europäische Wachstumsregion mer zwei wirkt ) den rheinischen Sommer mit einer Brise Meeresluft auffrischen sollten . Immerhin : Die Ostseeregion ist präsent , und um Selbstdarstellung sind die umtriebigen Akteure des mare balti - cum nicht verlegen . Weder die „ alten sen " aus Schleswig - Holstein , die schon seit 1987 im Fahrwasser von Björn holms verbal sanierter Hansekogge die Ostsee durchkreuzen , noch die „ zen " aus Mecklenburg - Vorpommern , die nicht müde werden zu betonen , daß auch sie willens und in der Lage seien , einen anspruchsvollen Part im baltischen Chor mitzusingen . „ Wir verstehen uns als eu - 
Stephan Muschick ist Skandinavist in Berlin . 
ropäische Region im Ostseeraum " lautet der Refrain des Shantys aus dem der kunft zugewandten neuen Nordosten der Republik . Als Kehrreim außenpolitischer Positionierungsversuche Mecklenburg - pommerns erreichte dieser Satz in der Bad Godesberger Redoute - dem Ort der Auftaktveranstaltung am 27 . Juni - die spitzten Ohren der Ostsee - Protagonisten aus nah und fern . 
Geschlossenheit im Norden 
Und so demonstrierte Deutschlands Norden Geschlossenheit . Gemeinsam hatten Schleswig - Holstein und burg - Vorpommern die Initiative ergriffen , um mit den Ostseetagen - einem Novum vor der Bonner Kulisse - „ auf die same Tradition und Geschichte , auf turelle Vielfalt , wirtschaftliches Potential und grenzüberschreitende beit " hinzuweisen . Als Organisatoren vor Ort kooperierten die Landesvertretungen der beiden Küstenländer mit den schaften der Ostsee - Anrainerstaaten und präsentierten auf den Bühnen Bonns vor allem Kulturelles aus dem Norden : Eine Ausstellung , die die Erfahrungen zweier Generationen in Kaliningrad alias nigsberg aufgriff , ein Ostseefilmfestival mit Beiträgen aus Nordeuropa und den baltischen Staaten , Autorenlesungen im Rahmen einer „ Bonner Buchwoche " und das ganztägige Festival „ Rund um die see " auf dem Bonner Münsterplatz . sche Dudelsäcke gaben sich ein sches Stelldichein - welch gelungene 
Allegorie baltischer Völkerverständigung - mit russischen Balalaikaklängen , deutschem Jazz und schwedischen litärmärschen . 
„ Hinter Hamburg beginnt nicht der Ural , sondern die Welt . " 
Hendrik Escher , Referatsleiter schaft und EU in der Vertretung des des Mecklenburg - Vorpommern beim Bund , verriet , daß man ursprünglich noch viel größeres vorgehabt hätte : „ Die schaftliche Komponente der operation sollte durch eine Veranstaltung mit dem Deutschen Industrie - und delstag repräsentiert werden " . Diese bition fiel ins verschmutzte Ostsee - ser , doch in ihren Reden , Festvorträgen und Grußworten beeilten sich die schen Steuerleute zu versichern , daß die Ostseeregion ein vieldimensionales , also auch wirtschaftliches Wachstum zeichne . Heide Simonis , erste Frau in Schleswig - Holstein , verwies mit ten Worten auf die Tatsache , daß die see mehr zu bieten habe als salzarmes Wasser : „ Denn hinter Hamburg beginnt nicht - wie viele noch irrtümlicherweise annehmen - der Ural , sondern die Welt . " Für Unternehmer , die im wirtschaftlichen Gefälle der heterogenen Ostseeregion eher eine Chance für dynamisches Wachstum als ein Manko sähen , für delsvertreter , die nach neuen märkten Ausschau hielten , für planer , Wissenschaftler und - nicht letzt - Politiker aller Schattierungen . 
Vom Randmeer zum Binnenmeer der EU 
Selbst Mecklenburg - Vorpommern te Heide Simonis einen Platz im weile fast wirren Taugeflecht aller re , Institutionen und Organisationen all derer , die sich das Wort „ tion " ganz groß auf ihre Fahnen ben haben , zuweisen : „ Fremdenführer für den Osten " solle der nordöstliche bar , Partner und Konkurrent sein , grund seines sprachlichen Kapitals und seiner kulturellen Nähe zur ehemals wjetischen Hemisphäre . 
Berndt Seite , Kapitän des Schweriner Schiffs , das mit vollen Segeln Kurs auf die Ostsee genommen hat , nahm diese Rolle dankend an . Er besitze - quasi als „ Ossi " 
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NORDEUROPA 
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