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NACH 1989 : 
Strukturen der Unsicherheit 
Der Westen neigt dazu , den Rest der Welt als blem wahrzunehmen . Den wenigsten kommt in den Sinn , daß unsere Politik umgelegt werden müßte . 
Johan Galtung 
Beim Nachdenken über ein heitssystem für die Europäische Union ( EU ) und die schen Länder ( die keineswegs gerweise zukünftige Unionsmitglieder sind ) ist der Ausgangspunkt ziemlich scheidend . Sprechen wir über die ropäische Union als im Grunde men reaktiv , auf ( potentielle ) feindliche Aktion von außen reagierend , oder chen wir von der EU als im Grunde nommen aktiv , selbst Kausalketten im samteuropäischen Raum erzeugend , die Sicherheitsfragen aufwerfen ? Aktion , aktion oder beides zugleich ? Sind wir Objekte oder Subjekte , oder beides ? 
Wenn wir beispielsweise den folgenden Problemkatalog betrachten : 
• die allgemeinen Beziehungen zwischen Rußland und seinen westlichen barn ; 
• die allgemeinen Beziehungen zwischen Rußland und Westeuropa ; 
• die allgemeinen Beziehungen zwischen Deutschland und Nordeuropa ; 
• die allgemeinen Beziehungen zwischen den Ostseeländern ; 
• das Umweltproblem im Ostseeraum und 
• den Migrationsdruck in der gesamten Region , 
Johan Galtung ist Professor für densstudien an der University of waii , an der Universität Witten / decke und an der European Peace University . 
dann stellt sich die Frage , wie bei dem der generelle Kausalfluß verläuft , der selbstverständlich immer komplex und nicht linear ist . Reaktiv ist eine sition : Probleme entstehen anderswo , können sich aber anhäufen und zu einer Gefahr für „ uns " werden . Die andere sition ist aktiv : Wir selbst sind die Quelle der Probleme , diese entstehen bei uns , folglich müssen sie auch hier gelöst den , anstatt dauernd über äußere heitsbedrohung zu reden . 
Der Westen ist Teil des Problems 
Müßig zu sagen , daß eine reife , sche Betrachtung beide Sichtweisen gleichzeitig vereinen wird . Die reaktive Position , die sich selbst als das arme fer fremder und böser Kräfte empfindet , ist äußerst linear und etwas infantil , aber dasselbe gilt für die aktive Position in ihrem Egozentrismus . In der Wirklichkeit entscheidet die relative Bedeutung der Faktoren , und ich werde die These ten , daß Westeuropa , hier grob als EU plus EFTA = EWR definiert , zur reaktiven Sichtweise neigt . Den Rest der Welt trachten wir als Sicherheitsgefahr für uns . Die andere Sichtweise , daß wir cherweise weit mehr ein blem für die übrige Welt darstellen als diese für uns , daß diese sich im chen uns gegenüber reaktiv verhält und daß wir vor allem auf diese Reaktion gieren , würde kaum Anhänger finden . Der Grund ist offensichtlich : Wir wären dann eher Teil des Problems als Teil der 
Lösung , was bedeuten würde , daß etwas mit uns nicht stimmt und daß etwas bei uns verändert werden muß . Eine solche Position zu beziehen ist schwierig , nicht nur für Länder und Ländergruppen , dern ebenso für Individuen . Sie läuft nicht zuletzt verbreiteter keit zuwider . Selbstgerechtigkeit ist bei Männern vermutlich stärker entwickelt als bei Frauen , die ( in patriarchalen sellschaften ) wohl eher dazu neigen , die Schuld bei sich selbst zu suchen und sie von den Männern zugewiesen zu men . Ähnliches gilt für West - im satz zu Osteuropa , wobei ersteres den männlichen , letzteres den weiblichen Part spielt . Die Vergangenheit ist sicherlich kein unfehlbarer Wegweiser in die kunft , aber wer sie mißachtet , handelt auf sein eigenes beträchtliches Risiko . Ein Blick auf die europäische Geschichte zeigt uns , daß es drei grundsätzliche pen von Kriegen gibt , die die trennende Ost - West - Linie voraussetzen : innerhalb des Westens ( beispielsweise im Fünfeck England - Frankreich - Deutschland / Österreich - Italien - Spanien ) , innerhalb des Ostens ( z . B . das die Nachbarn greifende Rußland ) und der Westen , der den Osten attackiert . Die Fälle , in denen der Osten ( sprich Rußland ) den Westen angreift , sind dagegen selten und wenig bedeutsam ; kein Vergleich mit den chen Angriffen auf das russische biet in den letzten beiden Jahrhunderten ( Frankreich und Deutschland je zwei Mal , des weiteren die ge ) . Aber solche Statistiken sind im Osten besser bekannt als im Westen . 
Standardantwort Schirinowski ) 
Heute wäre darauf die Standardantwort Schirinowskij ! Ich spreche seit mehr als zwei Jahren über ihn , meist vor tauben Ohren : Die „ Experten " sahen in ihm nen Mann mit „ nur " 6 Millionen Stimmen gegen Jelzin . Ich betrachtete ihn als einen verstörten , aber hochcharismatischen Vertreter einer tief verwurzelten schen Ideologie , geradezu einer gie , mit Versatzstücken des Selbstbilds vom Auserwählten Volk , angefüllt mit Mythen von Vergangenheit und Zukunft . Mit anderen Worten , ein typisch ländisches Phänomen , und gefährlich nicht wegen dieser Person , sondern grund des Orientierungstyps , und da Ruß - 
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NORDEUROPA
	        

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