Full text: 1994 (1994)

KULI UH 
SCHWEDISCHE KATASTER : 
Vermessen und gezahlt 
Schweden bereicherte einst seinen südlichen Nachbarn um eine Kulturleistung besonderer Art : Schwedische Landvermesser schufen die erste , auf genauen Vermessungen beruhende Landaufnahme eines deutschen Territoriums . 
Heiko Wartenberg 
Das im 17 . Jahrhundert im raum zur Großmacht ne Schweden verfügte über eine entwickelte Wirtschaft und eine effektive Steuerpolitik , die auf einer genauen Kenntnis des Landes beruhte . Wert und Notwendigkeit einer kartographischen Aufnahme waren dort also bekannt - reits 1628 war ein zentrales sungskontor zur geplanten Entwicklung des Vermessungswesens gegründet den . Damit war das Land zumindest in Nord - und Mitteleuropa führend auf dem Gebiet der Geodäsie . Insbesondere die geometrische Aufmessung der Dörfer und Städte und des allgemeinen Besitzes ( ne und Gemeinden ) wurde ben , was sich auch bei der Rückforderung der Krone von verpfändetem Land , den sogenannten Reduktionen , vorteilhaft wirkte . Die gesamte Arbeit wurde als so nützlich angesehen , daß auch für die im Zuge der Großmachtpolitik eroberten biete südlich der Ostsee - Livland , Estland und die deutschen Territorien - ähnliche Vermessungen gefordert wurden . 
Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges wurde Pommern , Herzogtum im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation , 1630 von schwedischen Truppen unter König Gustav II . Adolf besetzt . Nach dem Ende der pommerschen staatlichen keit - die pommersche Herzogsdynastie 
Heiko Wartenberg ist Historiker und Archivar in Greifswald . 
starb 1637 aus - gelang es der schen Krone im Westfälischen Frieden von 1648 , sich neben anderen deutschen Territorien gegen die verbrieften sprüche Brandenburgs das gesamte pommern mit einem breiten Streifen rechts der Oder einschließlich Stettins zu sichern ; lediglich Hinterpommern fiel an Brandenburg . 
Steuern : Macht kostet Geld 
Gleich anderen deutschen Landesteilen war Pommern durch den Krieg stark wüstet , eines bedeutenden Teils seiner Einwohner beraubt und durch langjährige Militärlasten finanziell schwer in denschaft gezogen worden . Um auch aus den neuerworbenen Gebieten Mittel für die Fortführung ihrer Großmachtpolitik ziehen zu können , die Rekultivierung des Landes zu fördern und die Notlage zu heben , war für die schwedische Regierung die Einführung einer neuen Grundsteuer erforderlich , die der Armut des Landes und seiner Bewohner sowie den änderungen im ritterschaftlichen Bereich Rechnung tragen sollte . 
Die dazu unternommenen Versuche in Stettin scheiterten jedoch am Widerstand der Landstände , die die aus der sung resultierende Steuereinschätzung verhindern wollten , und später ( 1681 ) am Mangel ausreichend qualifizierter vermesser sowie der unterschiedlichen Normierung der verwendeten 
maße . 1690 beschloß der König lich die Entsendung einer kommission , die die notwendigen ten durchführen sollte und dazu mit genauen Instruktionen versehen wurde . 
Im Frühjahr 1692 begannen die sungen im Raum Stettin und an der ren Oder . 1694 folgten der Raum Anklam , 1695 Rügen und 1696 - 98 das übrige vor - pommersche Festland . Die Wismarer ritorien wurden 1700 bearbeitet . Da während dieser Zeit sehr viel Ödland der in Kultur genommen worden war , wurde eine Nachvermessung erforderlich , die in den Jahren von 1703 - 05 men wurde . 
Umfangreiche Erhebungen 
Die Arbeiten wurden von Frühjahr bis Herbst durchgeführt . Die Landvermesser reisten von einem Dorf , Ackerwerk bzw . Gut zum anderen und nahmen zusammen mit zwei Gehilfen die Vermessungen wie die Anfertigung der Skizzen und Ur - karten vor . Darüber hinaus wurden die weiligen Besitzer - Pächter , Bauern , Pastoren oder andere auskunftsfähige wohner - nach Eigentums - und hältnissen , Abgabe - und sen , Aussaat und Ertrag der Äcker , Erträge der Wiesen und Weiden , Holzungen und Fischteiche etc . befragt . Über Winter tierten sich die Landvermesser in den Städten ein und fertigten gen der Karten und Reinschriften der Be - schreibungs - und Ausrechnungsbücher an . 
Bis zum Herbst 1709 waren schließlich alle Karten gezeichnet und die bände fertig . Das Ergebnis war das „ Cata - strum oder Huefen - Matricul des lich - Schwedischen Hertzog - Thumbs pommern und Fürsten Thumbs Rügen " . 
Die Karten und Ausrechnungsbestände stellen durch ihre Exaktheit und die Fülle des dargebotenen Stoffes eine Quelle von unschätzbarem Wert dar . Jede Darstellung topographischer Erscheinungen beruht auf einer sorgfältigen Dreiecksvermessung . Infolge der Pasierschrumpfung liegt der Maßstab der Karten heute bei 1 : 8210 . Zu Vergleichszwecken mit modernen Karten bedarf es in konkreten Fällen deshalb ner Neuvermessung . Die Aussagekraft der Karten wird durch die Klarheit der nung und die gute Farbgebung gefördert . Ödland wurde farblich von den Flächen unterschieden , die als Weide oder Acker 

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NORDEUROPA 
fortini
	        
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