Full text: (1995)

ESSAY 
Dank Euch im Schweden - Haus 
Für die Festkulisse sorgte der Winter . Stockholms Berwaldhalle , wohlgewählter Ort von Jubiläumskonzert und Jubelfeier , lag tief verschneit . Aus dem Weiß ragten hunderte Fackeln , die laut Chef Per Sörbom an den Auftrag des Schwedischen Instituts erinnern sollten , „ Licht über Schweden in die Welt zu bringen " . 
Frank - Michael Kirsch 
Bei der Gründung im Januar 1945 war vom Lichtbringen noch nicht die Rede . Eher ging es darum , Schatten von Schweden zu nehmen . Per - Axel Hilde - man , langjähriger Direktor des schen Instituts und Verfasser der jüngsten Jubiläumsschrift erinnert sich aufrichtig : „ Es eilte , mit der Arbeit zu beginnen , denn nun bestand kein Zweifel mehr am Ausgang des großen Krieges . Schweden , das die nisse von der Zuschauertribüne verfolgt hatte , konnte sich nicht ins festliche Getümmel stürzen , sondern hatte darüber nachzudenken , wie man den Sitzplatz auf der Tribüne rechtfertigen sollte . Für eine solche Aufgabe brauchte es eine neue tegie und kein Propagandaministerium . . . , eine Institution , die ihre Arbeit im menwirken mit dem Kulturleben , der schaft und den Volksbewegungen tat . “ 
Mit Ernst und Engagement widmet man sich von Anfang an dem Kulturaustausch , Auslandslektoraten , Stipendien , besuchen , Filmvorführungen und lungen , das heißt Gebieten , die auch te noch tragende Säulen des Instituts bilden . Andere Arbeitsaufgaben bestimmt zu dieser Zeit der gerade zu Ende gene Krieg . So werden 1945 / 46 ehemalige Gefangene aus Konzentrationslagern , die in Schweden eine Bleibe fanden , bei der Eingewöhnung in die neue Heimat auch vom Institut betreut . 
Befaßt man sich ein wenig mit der schichte des Schwedischen Instituts fällt auf , welch bescheidene Rolle sches Gedankengut in der praktischen Tätigkeit spielt . Schon 1945 gab es die lautstarke Forderung , all das zen , was die Welt von Schweden kannte : den König , die Streichhölzer , die nen Damen des Films , Gunder Hägg und 
die schwedischen Turner“ - so ein Referat in Stockholms - Tidningen . Das Institut wählt einen anderen Weg . Göran dahl , Direktor von 1977 - 1983 , schreibt : „ Allein der Gedanke , daß ein Schweden - Informator sich jemals hätte verpflichtet fühlen sollen , ein Schwedenbild zu fen , wäre unbarmherzig als unkulturell , antiintellektuell , unwissenschaftlich und kontraproduktiv zurückgewiesen worden . An eine Behörde Image Sweden , diese späte Geburt , wäre kein Gedanke schwendet worden . Glückliche Zeit . “ 
Das Schwedische Institut hat heute zählige Freunde in der ganzen Welt . Es trieb Entspannungs - und Öffnungspolitik in Richtung Osteuropa schon zu Zeiten , als Ostverträge und Helsinkier Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit noch weit entfernt und die Mauern undurchlässig ren . Als ehemals an der Universität wald Studierender und Lehrender möchte ich die Bekanntschaft mit Lektoren wie In - gegerd Lindell , Artur Berger , Kristina Kober und Carin Rejler nicht missen . Sie brachten uns ein Land nahe , das der ker Petter Bergman einmal ein „ kleines kisches Wohlwollen , einen Versuch , einen Essay der gutmütigen Gesellschaft“ nannt hatte . Sie taten es mit vermögen in unsere Situation . Auf ihr ständnis konnten wir zählen . 
Propagandistische Faltblätter und schüren ließen sie zuhause , war die DDR doch schon voll davon . Welch ungeahnte Wirkung Propaganda hatte , mußte ein Professor erfahren , der 1979 im Auftrag des Schwedischen Instituts Ostberlin und Greifswald besuchte . Er ärgerte sich über die Geschwindigkeitsbegrenzungen , die ihm das Autofahren besonders in Berlin zur Qual gemacht hatten . Ständig waren 
nur 30 erlaubt . Daß die großen weißen Schilder mit der roten 30 am Straßenrand dem bevorstehenden 30 . Jahrestag der DDR galten , hörte er erst von uns . 
Unsere Lektoren hatten anderes im Gepäck . Filme von Suzanne Osten und Bo Widerberg , Lyrik von Ekelöf , Tran - strömer , Sonnevi und Siv Arb , Ulf Lun - dells Jack und seine neuesten Songs . Im Studentenkeller sangen wir Bellman - Lie - der , einige in selbst übersetzter deutscher Fassung , und tranken Wein . Unser Lehrer spielte Blockflöte und war glücklich . Wir waren es auch . Wo Bellman ist , ist Schweden . Mauern gab es nicht mehr . 
Im Herbst 1989 fielen sie wirklich . Ich muß daran denken ( und wann denkt man schon noch daran ) , als Ale Möller , Lena Willemark und Per Gudmundson sche Folklore zum Jubiläum spielen . Im Saal der Berwaldhalle sitzen viele gute Freunde . Wir lauschen dem Uppsalenser chester , dem Linne - Quintett , dem chor , dem bekannten Klarinettisten Putte Wickman , dem Kroumata Percussion semble und dem Alleskönner Tommy berg . So farbig wie die musikalische Palette des festlichen Abends ist heute das dische Institut . Blau - gelb dominiert , aber verdeckt keine anderen Farben . 
Der König verleiht Jubiläumspreise . Den ersten erhält Verena Reichel , setzerin aus München . Schriftsteller wie Lars Gustafsson sind durch sie in Deutschland bekannt geworden . 
Die Musik ist verklungen , die Fackeln draußen im Schnee leuchten noch . Nun wird noch mehr Licht . Raketen steigen in den Nachthimmel . 
Ein nach schwedischer Sitte vierfaches Hurra auf Dich und die Deinen , sches Institut ! ■ 
Nr . 2 , 1995 
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