Full text: (1995)

„ Maschine für die Anbetung“ . Angesichts der technischen Möglichkeiten ihrer Zeit erfüllt sie auf exzellente Weise alle derungen an die Dauerhaftigkeit einer Holzkonstruktion . Sie läßt als genes und harmonisches Sakralbauwerk ihrer Epoche aber auch den heutigen trachter noch den „ Geist des Schönen“ erfahren . Ob Le Corbusier je eine che betreten hat , ist nicht bekannt . richtet wird , daß er sich bei einem Besuch Norwegens bezüglich der ihm gezeigten Architektur eher bedeckt hielt - bis er das Osloer Norsk Folkemuseum besuchte , das seine Begeisterung weckte . Ein Schmuckstück dieses Museums ist die Stabkirche von Gol . Sie wurde 1884 in bereits recht verfallenem Zustand an ihrem ursprünglichen Standort im Hal - lingdal zum Abriß freigegeben . Der schwedisch - norwegische Unionskönig Oskar II . nahm sich ihrer jedoch an und ließ sie auf Bygdoy wieder errichten . In ihrer herben Robustheit hat die che von Gol , wie Bugge festhält , bis auf den heutigen Tag weit mehr Besucher eindruckt als jede andere Stabkirche ben ihr - vielleicht sogar Le Corbusier ? 
Raimund Wolfert , Berlin 
DREI BEISPIELE : 
Wege in den Norden 
Drei literarische Reisen nach Island , Norwegen und Dänemark - auf den Spuren Wittgensteins , der Suche nach Neuproduktionen und in die Tiefe familiärer Dramatik . 
Um 5 . 0 ging ich in ein Konzert in die Guldhall - ein Kammerkonzert mit einem schönen Klaviertrio von bert . Dort traf ich Wittgenstein - einen Deutschen , den ich zuvor chez Russell kennengelernt hatte - aber er mußte schon früh gehen . 
Mit dieser ersten , lapidaren bucheintragung vom 4 . Mai 1912 beginnt die Freundschaft zwischen dem Mathematikstudenten David Hume Pinsent und dem Philosophiestudenten Ludwig Wittgenstein . Bereits fünf te später unternehmen sie eine 
same Reise nach Island , wo sie sich knapp einen Monat aufhalten werden . Eine weitere Reise nach Norwegen folgt ein Jahr später . Was Pinsent über diese Reisen wie über die gemeinsamen Tage in Cambridge seinerzeit akribisch schrieben hat - nebst einigen Briefen - , wurde recht spät , 1990 , zuerst in land veröffentlicht . Nun hat der Wiener folio - Verlag Wittgensteins Reisen in den Norden auch dem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht . Doch ist dieses Tagebuch mehr als nur ein Buch für Wittgenstein - Fans , die einiges über die ersten Bausteine des wittgensteini - schen Gedankengebäudes wie über stimmte biografische Details vor gensteins einheitlicher Schaffenszeit erfahren können . Was Pinsent über das Reykjaviker Leben von 1912 wie auch über den schon damals florierenden Tourismus notiert hat , dürfte auch tige Islandfreunde interessieren . Wie lebend der Aufenthalt auf der Insel auf die beiden gewirkt haben muß , läßt sich aus zahlreichen Eintragungen sen . Beispielhaft dafür etwa ihr Ausflug nach Geysir . Während sie vergeblich darauf warten , daß der Geysir endlich seine 130 Fuß hohe Fontäne ausspuckt , erklärt Wittgenstein Pinsent seine legungen zu Rüssels symbolischer Logik . 
David Humme Pinsent : 
Reise mit Wittgenstein in den Norden 
Aus dem Englischen von Wolfgang Sebastian Baur 
Wien / Bozen : folio - Verlag , 1994 . 
199 S . , 36 , - DM . 
Wespennest Nr . 96 „ Literatur aus Norwegen“ 
Hrsg . : Birgit Hatlehol Wien 1994 , 
91 S . , 15 , - DM . 
Peer Hultberg : 
Die Stadt und die Welt 
Aus dem Dänischen von Ursula Schmalbruch Salzburg : Residenz - Verlag , 1994 . 
431 S . , 48 , - DM . 
Gleichfalls aus Österreich erreicht uns eine Anthologie zeitgenössischer scher Literatur . Nun bergen Anthologien immer die Gefahr eines gewissen suriums . Ein bißchen Lyrik , ein wenig sa , dazu ein Romananfang . Umgekehrt kann keine gute Anthologie einen ersten 
PEER HULTBERG Die Stadt und die Welt 
ROMA N 
Residenz Verlag 
Einblick in die aktuelle tion eines Landes vermitteln . Die Wiener Literaturzeitschrift WESPENNEST hat her die Kulturredakteurin des Osloer „ Mor - genbladet“ Birgit Hatlehol mit der Suche nach geeigneten Texten beauftragt . Leider ist ihre Ausbeute recht mager ausgefallen . 
Vorgestellt werden elf erstmals ins Deutsche übertragene Arbeiten gend junger Autoren und Autorinnen . In Terje Holtet Larsens Romanauszug leben schlüpft der Ich - Erzähler in die terwäsche seiner Ex - Geliebten , um sich wortreich auszumalen , wie sie darauf gieren könnte . Das könnte sie sagen , so könnte sie auf ihn zugehen , nein , doch nicht . Tove Nilsen läßt ihre Ich - Figur in der Erzählung Der Hunger des Auges eine bevorstehende Verhaftung samt anschließender Fahrt zum um gedankenschwer durchleben . In Einar Oklands Ein Mann und eine Suppe schreibt uns der Ich - Erzähler umständlich sich und sein Hotelzimmer . Eben hat er sich noch auf dem Teppichboden ben , am Ende wird er eine Suppe essen und verhaftet ( ! ) werden . Auch hier im Mittelpunkt das Ich - ich - ich , beschäftigt mit endlosen Reflektionen , risch und auf der Stelle tretend . Was ist gentlich los ? Wo ist das Problem ? Da sehnt man sich schon bald nach einer handfesten Story , nach ein wenig Witz und Tempo . Und wird endlich doch lohnt . Ola Bauer schildert in Graffiti die tragikomische Suche eines Jungen nach der Wahrheit über seinen Vater , der während der Nazizeit in Sachsenhausen 
Nr . 1 , 1995 
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