NORDISCHE FILMTAGE : 
Wettpinkeln 
Die Zeit der Road movies ist vorbei . Das behauptete Fridrik Thor Fridriksson auf den diesjährigen 36 . Nordischen Filmtagen . Viele der in Lübeck vorgestellten Filme thematisierten das Ende der Kindheit , das Ende der Jugend , das Ende des Lebens überhaupt . Werden die nordischen Filmemacher erwachsen ? 
Frank Keil 
Dreizehn abendfüllende Spielfilme , vierzehn Dokumentarfilme , zehn Beiträge aus dem Kinder - und Jugendbereich sowie achtzehn filme , das war das Pensum der letzten Nordischen Filmtage . Da könnte tisch allerhand Unterschiedliches dabei sein , möchte man meinen . Doch gerte ein Thema die vorgestellten Beiträge : das Kind und das Ende der Kindheit . der als Hauptdarsteller , Kinder auf dem Weg zum Erwachsenen , werdende Kinder . Auffällig auch die vielfältige filmische schäftigung mit den männlichen Harn - und Geschlechtsorganen . de Jungen beim Betrachten ihrer en , Duelle auf der Herrentoilette , hende Männer beim Kräftemessen . 
In Der heilige Hügel des isländischen Regisseurs Hrafn Gunnlaugsson sind es der siebenjährige Gestur und der gleiter Hjälmtyr , die während eines Stops pinkelnd nebeneinander stehen . heit für den Erwachsenen eine fahrung zum Besten zu geben : Wenn du richtig weit pinkeln kannst , klappt es auch mit den Frauen . Gestur ist per Bus wegs zu Verwandten aufs Land . Seine Mutter , eine gefragte Pianistin , hat kaum Zeit für ihn . Die zwanzigjährige Helga soll sich derweilen um ihn kümmern . Der ge verliebt sich prompt in sie . Die ihm etwa gleichaltrige Kolla fällt ihm nur auf die Nerven . Doch Helga hat einen Freund , eben jenen Busbegleiter , mit dem sie in 
Frank Keil ist freier Mitarbeiter im 
NORDEUROPAforum 
der angrenzenden Scheune allerhand anstaltet . Als Helga beschließt , ihren Freund auch noch zu ehelichen , bricht der Konflikt lehrbuchgemäß aus . Der Junge greift sich ein geeignetes Küchenmesser , von einem Bild über seinem Bettchen blickt die mit Filzstift gemalte Mama auf die Szenerie herunter . So viel Mühe fand seinen Preis , und Gunnlaugsson konnte mit dem Hauptpreis , dem Förderpreis des NDR - das sind 25 . 000 DM und ein determin im NDR - zurück nach vik fliegen . „ This film is a personal ment“ , so der Regisseur . 
Auf Movie days seines Kollegen Friörik Thor Friöriksson war gespannt gewartet worden . Versprochen war ein Ausflug in das Island der sechziger Jahre , als der gisseur selbst noch ein Kind war , staunend das Treiben der Erwachsenen beobachtete und fleißig das Kino frequentierte ; eine ländische Variante von Cinema paradiso also . Während die Anfangssequenzen was zu slapstickmäßig daherkommen und fast jeder Gag abgegrast wird , der einem bei dem Thema „ Kindheit in unserer nen Straße“ einfällt , gewinnt der Film deutlich an Qualität , als der zehnjährige Tornas zu Verwandten aufs Land fährt , wo ihn die Nachricht vom Tod seines Vaters erreichen wird . Jetzt folgen die ruhigen Bilder , die langen Einstellungen , die man von Friöriksson gewohnt ist . Er läßt sich endlich Zeit für seine Protagonisten und schildert uns den Mikrokosmos einer ernfamilie im abgeschiedenen Nordland . Eine feine , kleine Geschichte , erzählt vor einer großartigen Landschaft , wie einer 
der Lübecker Organisatoren sein um für einen gelungenen nordischen Film definierte . Die Pinkelszene hier ist die bei weitem komischste und soll daher nicht verraten werden . Movie days erhielt den Preis der Baltischen Filmschaffenden und dürfte wenigstens in die Programmkinos kommen . Am Drehbuch war wiederum der isländische Schriftsteller Einar Mär Guömundsson beteiligt , für die passende musikalische Untermalung - etwa der führlichen Begräbnisszene - sorgte auch diesmal Hilmar Örn Hilmarsson . nenswert noch der Kurzauftritt von Otto Sander in der Rolle des Todesboten , solviert in knarrigem Isländisch . 
Tatort Toilette 
Kindheit , die dritte . In Die mischleuder des schwedischen Regisseurs Äke Sandgren ist es der heranwachsende Roland , dem es nicht erspart bleibt , den eigenen Lebensweg zu finden . Sein Vater ist ein geschwätziger Sozialist , der lands älteren Bruder in den Boxring treibt , die Mutter eine Jüdin und resolute Frau , die unter dem Ladentisch einen haften Handel mit den damals verbotenen Kondomen betreibt . Antisemitismus schlägt ihm nicht nur bei seinen freunden und von Seiten der sadistischen Lehrer entgegen ( Tatort Schülertoilette ) . Auch die Kampfgenossen seines Vaters haben nur einen Rat für ihn übrig : scheide dich , was du sein willst , Sozialist oder Jude . Als Roland nach vielen schlägen auch noch miterleben muß , wie das Mädchen , mit dem er gegen Geld erste sexuelle Erfahrungen hat , tot aus dem Wasser gezogen wird , ist es endgültig bei mit den Kindertagen . Der in Prag drehte Film kam ausladend episch und üppig gestaltet daher . Viele sanfte Brauntöne , das Dekor vom Putzlappen bis zur Pferdekutsche aufwendig und stimmig , das Licht immer richtig fallend . So wirkt kleinbürgerliche Enge und Armut dann doch recht fotogen . Vermutlich eine zession an einen der Geldgeber , das Schwedische Fernsehen . 
Horror 
Stichwort : Frauenopfer . In Die wache des Dänen Oie Bornedal müssen die beiden Freunde Martin und Jens den beschwerlichen Weg der Erkenntnis be - 
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