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FORUM 
Nordisches Institut 
der Univereltät Kiel 
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Per Landin 
Political Correctness 
Vor kurzem fragte mich ein deutscher Freund in echter teilnahme , wie ich mich nun in Stockholm fühlte , nach gen fahren des mehr oder weniger freiwilligen Aufenthalts im Ausland . Hier ist mein Versuch einer Antwort . 
Blickt man auf die äußeren Annehmlichkeiten , betrachtet das intellektuelle Klima , sucht innovative Kunst und tur oder spannende intellektuelle Debatten , so stellt die schwedische Hauptstadt sicherlich keinen sonderlich tiven Ort dar . Kunst und Literatur haben ihren Ort , aber jetzt , wenn der dicke Schnee fällt und die Dunkelheit sich schon früh über die Stadt legt , fühlt man sich manchmal , als habe man sich in das Nirgendwo dieses Landes verirrt . Das Gefühl des Unwirklichen macht sich breit . Während die tungen das Leben an Kleinigkeiten festmachen und im sehen die Ziehung der Lottozahlen wiederholt wird , spielt sich draußen in der Welt ganz anderes ab . Menschen werden auf offener Straße erschossen , eine Fähre versinkt im Meer . . . Der letzte Herbst war einer der düstersten seit langem , aber auf den Kulturseiten der Zeitungen schreibt man am liebsten über den Rotstrumpf Maria - Pia Boethius , die sich über lende Aufmerksamkeit beklagt ( nur zwei Seiten in Dagens Nyheter ! ) , über Taslima Nasrin , die sich falsch men fühlt oder über den IKEA - Chef Ingvar Kamprad , der sich über die zu große Aufmerksamkeit erregt , die seine schistischen Jugendsünden erhalten haben . Das ist in etwa das Niveau dieser Debatten . Ein Kritiker warf vor kurzem einem anderen meiner Kollegen vor , „ eurozentristisch“ und „ rassistisch“ zu sein . Schließlich hatte jener in einer on eines kreolischen Schriftstellers einen „ falschen“ punkt eingenommen . 
In der schwedischen Presse ist es seit langem ein schender Zug , ein Arsenal mit anerkannten Meinungen und Ansichten vorrätig zu haben . Als ich aus Berlin zurückkam sprachen , alle hier im Lande mit Eifer von „ political correc - tness“ und „ Eurozentrismus“ . Meine Kollegen haben über fahre zu verstehen gegeben , daß es im heutigen Schweden nicht akzeptiert werden kann , über Unterschiede zwischen Weißen und Schwarzen , Frauen und Männern zu sprechen . Es ist nicht einmal erlaubt zu erwähnen , daß Abtreibung eine schmerzhafte Erfahrung sein kann . Es ist nicht ratsam , am Sinn von Kindertagesstätten zu zweifeln oder über die Verschwendung von Entwicklungshilfegeldern zu reden . Nicht weil man diese Diskussionsbeiträge für falsch halten würde , sondern weil man solche Dinge , selbst wenn deren Wahrheitsgehalt zum Himmel stinkt , nicht diskutieren darf , sie liegen tabuisiert auf der anderen Seite unseres steins . Hier spielen Links oder Rechts keine Rolle , und es ist 
auch kaum relevant , ob man Kulturredakteur der größten Morgenzeitung ist . Falls ich in einer Rezension auch nur deuten sollte , daß Frauen Kinder besser zur Welt bringen können als Männer oder aber , daß man zum Kinderkriegen Männer benötigt - tja , dann würde ich mit Sicherheit zum Rapport bei meinem Chef gerufen werden . 
In Schweden findet immer nur eine Meinung zur Zeit Platz , heißt ein schwedisches Sprichwort . Weil es so ist und weil Stockholm eine Stadt mit geringem intellektuellem tausch ist , pflege ich zur Zeit hauptsächlich Umgang mit meinem Computer , dem Telefon und den Zeitungen , die mich durch den Briefschlitz aus dem Ausland erreichen . Der große Vorteil im Hiersein auf Zeit ist , daß man sich nach dem Frühjahrserwachen in München oder den ten auf dem Kurfürstendamm sehnen kann . Außerdem gibt es hier in Stockholm eine größere Auswahl frischen Fisches . Das ist nicht unwichtig . 
Dr . Per Landin ist Mitarbeiter bei Dagens Nyheter in holm , der größten schwedischen Abonnementszeitung . In reichen längeren Auslandsaufenthalten sammelte er drücke und Materialien für seine Bücher über die europäische und insbesondere deutsch / deutsche Literatur - und welt . Das NORDEUROPAforum wird regelmäßig seinen ( troversen ) Kommentaren zu Zeitproblemen Platz bieten . 
Nr . 1 , 1995 
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