Full text: (1995)

INTERVIEW 
keit am 17 . Juni 1994 zum Beispiel waren fast alle Frauen bei der Festveranstaltung in Tracht . Es war wunderbar , die vielen Frauen zu sehen , die stolz ihre tracht trugen . Sie ist auch sehr praktisch , egal zu welchem Anlaß man sie anzieht . Wir haben übrigens auch eine tracht , die ähnlich gut aussieht . Man ist immer korrekt gekleidet . 
NORDEUROPAforum : Ein weiteres 
Symbol von Island ist zweifellos der Fisch . Haben Sie auch selber in der Fischindustrie gearbeitet ? 
Vigdis : Oh ja ! Als ich jung war , arbeitete ich in den Sommern in Fischfabriken oder auf dem Lande , um Geld zu nen . Ich bin sehr froh , diese Erfahrungen gemacht zu haben , denn dadurch lernte ich Arbeiter und Bauern kennen . Ich bin nie auf See gewesen bei den fischern , habe aber sehr häufig mit männern gesprochen . Die isländischen Seeleute sind Frauen gegenüber sehr spektvoll . Sie sehen die Frauen nicht als Lustobjekte , sondern achten die Frauen , die in den Häfen Zurückbleiben und in rer Abwesenheit die Kinder großziehen , das Haus hüten , für Essen und Kleidung sorgen . Ich kann sagen : Ich habe nie Männer aus anderen Berufssparten so hoch von ihren Frauen sprechen hören wie die Seemänner ! 
NORDEUROPAforum : Gibt diese große Selbständigkeit der isländischen Frauen Ihnen die Kraft , sich in die Politik zumischen ? 
Vigdis : Es sind aber zu wenige Frauen auf Island , die politisch aktiv sind . 
NORDEUROPAforum : Nun , es gibt aber die Kvennalistinn , die Frauenpartei , die im Alpingi ( Parlament ) mit 5 von 63 zen vertreten ist . Und ungefähr zwanzig Prozent der Abgeordneten sind Frauen . Das ist mehr als in vielen ren demokratischen Ländern . 
Vigdis : Aber es sind trotzdem nicht sehr viele . Wir müssen uns mit der „ Politik der kleinen Schritte“ begnügen , wie das nesische Sprichwort sagt . Wir gehen mit kleinen Schritten voran . Es gibt einen wissen Backslash auch auf Island : Die Frauen sollen sich aus dem Erwerbsleben 
zurückziehen , denn wir haben erstmals atvinnuleysi , richtige Arbeitslosigkeit . Die Menschen sind es gewohnt , viel und hart zu arbeiten und gute Arbeit zu sten , und sie schämen sich , wenn sie es nicht können . Wir hoffen , daß dies bald vorbei sein wird . Ich bin davon zeugt , daß wir die Talsohle durchschritten haben . Es geht jetzt bergauf . 
NORDEUROPAforum : Sie haben vom Schutz der Umwelt gesprochen . Als ich vor vierzehn fahren auf Island war , gab es kein isländisches Wort für schutz , nur ein Lehnwort aus dem dinavischen , miljö . Und es gab haupt kein Bewußtsein , daß die Umwelt schützenswert ist . 
Vigdis : Wir haben jetzt aber ein schönes Wort , umhverfisvernd , digung . Die Menschen sind sehr erpicht darauf , ihre Umgebung , die Umwelt zu schützen . Das ist eines meiner teressensgebiete , und es ist auch zum teresse der Bevölkerung geworden . 
NORDEUROPAforum : Waren Sie dabei die treibende Kraft ? 
Vigdis : Nein , das nicht , aber ich bin eine der Vorläuferinnen . Es hat ein Erwachen unter den Menschen gegeben . Die me der Umwelt werden wahrgenommen . Menschen wollen gerne über sich selbst etwas hören , und sie haben entdeckt , daß die Umwelt , ihre Umgebung ein wichtiger Teil ihres Selbst ist . Wie die Kinder ! Wir haben eine große Verantwortung , wir müssen wissen , was genau mit unserer Umwelt passiert . 
NORDEUROPAforum : Der fetzige dische Botschafter in Deutschland , Hjalmar W . Hannesson , wird im Januar der erste isländische Botschafter in na . Warum ? 
Vigdis : China scheint ein wichtiger kunftsmarkt zu werden . Wir unterhalten bereits jetzt einige Handelsbeziehungen , z . B . um Straßen zu bauen oder um ring zu exportieren . Wir wollen unsere Präsenz dort ausbauen . 
NORDEUROPAforum : Heißt das , daß Deutschland weniger wichtig geworden ist ? 
Vigdis : Nein , keineswegs , Herr son war bereits vier Jahre lang hier in Deutschland . Die Botschafter wechseln immer nach etwa vier bis fünf Jahren . Wir werden bald einen Nachfolger für Deutschland benennen . Wir haben sehr enge Beziehungen zu Deutschland , schaftlich wie kulturell . Unser schaftsrat hier in Berlin betreut einige men , die nach Deutschland exportieren . Wir selber sind sehr abhängig von gütern aus Deutschland , die unser Leben bequem machen und an die wir uns so wöhnt haben ! Wir haben sehr tiefe relle Verbindungen , weil wir das terliche Erbe , die Literatur und die Traditionen am Leben erhalten haben , die auch ein Teil des deutschen Erbes sind . Es gibt eine große Sympathie in land für die alten Sagas . Schon im 19 . Jahrhundert war ein Freund Jon Sigurös - sons , Konrad Maurer , sehr bedeutend für den Kulturaustausch . Heute studieren le Isländer in Deutschland . 
NORDEUROPAforum : Eine letzte Frage : Wie steht es mit Island am 1 . Januar 2001 , im neuen Jahrtausend ? 
Vigdis : Island wird immer noch da sein , wir werden immer noch Isländisch chen [ in einem Interview der Berliner Zeitung war doch tatsächlich gefragt den , ob auf Island nicht besser Englisch gesprochen werden sollte ! DWW ] , es wird ein sehr festliches Ereignis sein ! Die Heringe werden inzwischen kommen sein , wir werden keine losigkeit mehr haben . Wir werden schauen und sagen können - wir haben die Schwierigkeiten gemeistert . Natürlich , die Menschen werden sich immer noch über irgendetwas beschweren , aber sie werden wissen , daß wir erfolgreich worden sind . ■ 
Wir sprachen Englisch miteinander und hatten deswegen weder Probleme mit Du / Sie oder mit dem Gebrauch von männlichen und weiblichen nungen . Auf Island verwendet man auch im Gespräch mit der Präsidentin „ Du“ und Vornamen . Für die zung haben wir uns für „ Sie“ und name entschieden . 
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