KULTUR 
Daß in Schweden erfolgreich Pop ziert wird , hat sich herumgesprochen . Ace of base oder der quirlige Dr . Alban sind nur zwei bekannte Produkte schwedischer Musikinnovation ; selbst US - Rapperin Ne - neh Cherry hat es unlängst nach den verschlagen , wo sie sich seitdem gern mit Kind und Kinderwagen fotografieren läßt . Nun hat man die Sängerin Lisa Nils - son auf die Popspur gesetzt und hofft terhin auf Anerkennung , Erfolg und satz . Entstanden sind mit ihrer CD Ticket to heaven elf artige Songs , die sich am gigen Pop - Mainstream orientieren . Nilsson läßt ihre Stimme hauchen , versucht es hin und wieder auch mal kehlig ; glatt und durchaus kurzfristig festsetzend schmiegt sich ein Song an den nächsten , bisweilen knapp am Kitsch vorbeischliddemd . lich geht es um die ewigen Themen der leichten Popmusik : „ Lover , be careful / 'Cos you know it's my heart / Youre holding in hands“ . Gerettet wird die Sache schließlich durch zwei , drei misch - kräftige Soulsongs mit hen aus den Siebzigern , die einen endlich am Lautstärkeregler drehen lassen . Nur , warum hat man die zwei Dutzend Begleitmusiker nicht zum Zuge kommen lassen , warum den die verschiedenen Instrumente so gnadenlos eingeebnet ? Und so kommt Tickets to heaven alles in lem mit der Perfektion eines neuen Volvos daher : Man fährt , aber hört wenig . 
Das hätte vermieden werden nen , wenn Lisa Nilsson und ihre Crew ein wenig die neue CD des wegischen Nordic Quartets studiert hätten . Zwar handelt es sich hierbei um lupenreinen skandinavischen Jazz , doch kann uns diese on generell einiges Erhellendes über die nötige Spannung zwischen Voka - lisation und Instrumentierung zählen und welche musikalischen Vorteile es hat , wenn Musiker ihre Instrumente auch spielen dürfen : stehend aus dem britischen nisten John Surman , dem Gitarristen Terje Rypdal , dem Pianisten Vigleik Storaas und der virtuosen Sängerin Karin Krog trifft das Nordic Quartet immer den richtigen Ton . Angenehm ist dabei vor allem , daß sich alle vier Musiker stets genug Zeit lassen - Zeit für das Wirken des nen Instrumentes und Zeit für ein exaktes 
FÜR S CD - REGAL : 
Nordische Mitbringsel 
Warum - so fragte unlängst der färinglsche Musiker Kristian Blak - wollen die deutschen Touristen von uns nur eine kunft , Verpflegung und Landschaft zum Wandern ? Warum haben sie nie ein heimisches Buch oder eine CD Im Rucksack , wenn sie wieder zurückfahren ? 
Frank Keil 
Lisa Nilsson 
Heißt es doch dazu im begleitenden motionmaterial : „ Wer die tiefere tung dieser Musik auch nur ansatzweise verstehen will , sollte diese CD mehrmals hören“ - da sei Odin vor ! 
Bei den beiden Hamburger Musikern Florian Mühlfried und John Raabe soll es sich um waschechte Skandinavienfans handeln . Jahr für Jahr - so war bei der Plattenfirma zu erfahren - zieht es sie nach Stockholm zu einer kalen , okkulten Größe namens Carl Abrahamsson . Dieser steuerte dann auch wortreich einen mehrseitigen Text zum Booklet der ersten CD des Hamburger Bandprojektes Die Idee des Nordens bei . „ Fantasy and ima - gination are rare items in the youth of today“ , ist da zu lesen , oder : „ Conquer all and everything with achievement and delight“ - das klingt nach Sonnenwendfeiern , Götterkitsch und Runenwerfen . 
Musikalisch hat man alles sucht , um diesen pathetischen spruch einzulösen . Da flöten die Synthesizer , da orgelt , schwirrt und scheppert es dramatisch . Dumpf greifen die Bässe ein , ergänzt mit Geigenimitationen werden die men verzerrt eingemischt , wird alles unter einen gängigen Drumbeat - Teppich geschoben , hat man haupt tief in die technische ste gegriffen , zischen die Töne vom linken zum rechten Kanal und wieder zurück . 
Frank Keil ist freier Mitarbeiter beim NORDEUROPAforum . 
NORDEUROPA 
fnrurn
	        

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