KULTUR 
Des Menschen Stimme 
„ Selig sind , die da geistlich arm sind , denn sie werden das Erdreich besitzen . “ 
Dies ist nicht des Menschen Stimme . 
Der Arme wird in seinem eigenen Milieu bedroht , 
wo nicht einmal die Gesetze des Krieges gelten , 
nach denen man den schoti Geschlagenen nicht mehr tritt - 
getroffen von den Mutationen der Not , 
von seiner eigenen Unschuld , 
von dem Grausamen und Gerissenen , 
der das Wort erhob , 
und die Welt in Besitz nahm . 
Nein , selig ist der Arme , 
der seine Reinigung findet im Haß auf den Unterdrücker , 
in der Solidarität mit den Unterdrückten , 
und Kraft in der Sehnsucht 
nach dem Leben jenseits der großen Müdigkeit . 
Dies ist des Menschen Stimme ! 
Vox humana 
Allan Pettersson 
angeführt wird , um die Vielfalt des dischen Musiklebens zu illustrieren . der hat ihn die neue Musik wesentlich einflußt , noch hat er selbst seinerseits Einfluß auf sie auszuüben vermocht . 
Der Grund dafür dürfte in dem chen Bekennertum liegen , das seine samte Musik bestimmt : „ Das Werk , an dem ich arbeite , ist mein eigenes Leben , das gesegnete , das verfluchte : Um den sang wiederzufinden , den die Seele einst gesungen hat . Er entstand bei den kleinen Menschen , die nicht an sich glaubten , die wie Hunde behandelt wurden , Weiße wie Schwarze , für die das Leben nur eine fluchte Verpflichtung zum Tod war . dem aber hatten sie Mitgefühl mit den deren , eine Kraft des Verlangens erfüllte sie mit einem Glauben - und da brach der Gesang heraus , inbrünstig , flehend . . . bis die Welt sie bat , die Schnauze zu halten” . Pettersson war die Musik „ das , was das Leben erträglich macht , bis die dämmerung wieder die Schlinge um den Hals legt ( . . . ) ” . Und : „ Wenn die Musik det , ist diese gräßliche Welt wieder da . . . “ . 
Allan Petterssons Musik ist keine derung des Lebens und der Welt , sondern ein Ersatz für die Welt , ohne aus dem 
ben zu fliehen . Nach seiner sicht führen die nehmende lichung und 
Funktionalisierung der Gesellschaft und des Menschen zu emotionaler armung ; ein „ zicht auf die len , primitiven , mit dem Leben denen Gefühle” , der sich auch in der zeitgenössischen Musik beobachten lasse . Sein nistenideal ist ein „ Held der keit” , der sich der Tatsache bewußt ist , daß Musik ohne den Menschen nicht denkbar ist : „ Aber hier , hinter den Rippen , da gibt es einen Platz , eines Herzens roter Platz [ . . . ] , wo ich die ganze Menschheit treffe , wo alle immer da sind und wo alle einer sind . ” Damit steht dieser Künstler im sen Gegensatz zu den „ Flüchtlingen aus der Wirklichkeit mit ihren abstrakten kulationen aus Tinte und Schweiß” , wie er über viele seiner Kollegen urteilte . 
Der zeitlose „ Romantiker“ 
Es nimmt daher nicht Wunder , daß terssons Kompositionen nicht tiv - rationalen Kriterien folgen , nicht auf intellektueller Grundlage fußen und ganz wesentlich handwerklich gestaltet sind , sondern im Grunde einzig und allein tional geformt sind . Der klassische begriff , der vor allem auf Klarheit , heit und Sinnstiftung hinausläuft , läßt tersson kalt . Die Form seiner fließenden , sich ergießenden Werke tritt in ihrer psychologischen Wirkung hervor . Seine Methode ist nicht architektonisch , sondern intuitiv , ohne das Handwerk zu vernachlässigen . Er selbst hat sich einmal als Angler bezeichnet , der in Form des „ silbrig glänzenden Tiers , das da mit men Augen an seiner Leine zappelt” , mit seiner ursprünglichen Existenz in 
rung komme . Romantische und elegische Gefühle , Träumereien und Phantasien , die für ihn auch in der modernen Welt so wichtig waren , sind seiner Auffassung nach zu allen Zeiten in der Seele des Menschen tief verwurzelt . Insofern ist ne Musik bewußt zeitlos und freilich auch nur in diesem Sinne romantisch . 
Petterssons starkes nis , das sich in seiner Musik schlägt , all der Schmerz und das Leiden , die in scharfen Dissonanzen zum druck kommen , haben auch eine sehr konkrete Wurzel in den körperlichen den , die Allan Pettersson ertragen mußte : Neben kaputten Nieren machte ihm vor allem ein 1953 ausgebrochenes sches Gelenkrheuma zu schaffen und schränkte ihn immer weiter ein . Ein neunmonatiger Krankenhausaufenthalt 1970 / 71 ließ ihn existenzielle gen in der Auseinandersetzung mit dem Tod machen , die sich in den folgenden Kompositionen niederschlagen . 
Auch seine lebenslangen ten im Kampf um Anerkennung als ponist , an denen er immer sehr gelitten hat , tragen zum Verständnis dafür bei , daß Pettersson seine Musik als Helfer in der Not - auch für andere - betrachtete . 
So sehr sich Pettersson gegen Snobismus und Fachidiotentum im Establishment seiner Branche wandte , so irrte er wohl doch mit seiner Auffassung , die Musikentwicklung de nicht in den Kreisen der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik , sondern in der Volksseele statt : Auch seine Musik taugt nicht zu Breitenerfolg und Massenwirkung , die den Musicaltheatem und Festivals rer Tage mit ihrem musikalischen Fast - Food Millionengewinne sichern , sondern muß mit großen Summen subventioniert werden . Um so verdienstvoller sind Unternehmungen wie die große Konzertreihe , die sein Werk während der Saison 1994 / 95 in 28 Städten Nordrhein - Westfalens im Rahmen von samt 63 Veranstaltungen einem großen blikum nahebrachte . 
Die Frage , inwiefern Allan Pettersson ein typisch skandinavischer Komponist war , ist nicht ganz einfach zu ten . Es fällt auf , daß sein Ausdruck wie der vieler seiner skandinavischen Kollegen kraftvoll und direkt ist , während der in Mitteleuropa so zentrale materiale Aspekt in den Hintergrund tritt . Allenfalls nert noch die düstere , depressive mung seiner Werke , die sich auch durch 
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