ALLAN PETTERSSON : 
Später Ruhm für einen Querkopf 
Zeit seines Lebens war der schwedische Komponist Allan Pet - tersson ein Außenseiter . Erst in den letzten Jahren erfreut sich sein Werk zunehmend größeren Interesses . Es lohnt sich , ihn zu entdecken . 
Krister Hanne 
Als Gustav Allan Pettersson am 19 . September 1911 im kleinen Västra Ryd in der schwedischen Region Uppland zur Welt kam , war kaum nehmen , daß er eines Tages der tendste schwedische Sinfoniker des 20 . Jahrhunderts und einer der letzten großen Sinfoniker überhaupt sein würde : Am Ende seines Lebens sollte der aus sten proletarischen Verhältnissen mende Pettersson in 46 Jahren insgesamt siebzehn Symphonien , drei Solokonzerte , drei Konzerte für Streichorchester , zwei Liederzyklen und diverse Kammermusik geschrieben haben . 
Abgesehen von seinen ersten beiden bensjahren und den Studienzeiten in reich verbrachte er sein ganzes Leben tisch nur im Stockholmer Stadtteil malm . Das heute restaurierte Künstler - und Intellektuellenviertel stellte damals noch die Slums der schwedischen Hauptstadt dar . mut , Elend und Krankheiten prägten den trostlosen Alltag , in dem Allan zusammen mit drei älteren Geschwistern aufwuchs . Der Alkoholismus und die entwürdigenden beitsbedingungen , unter denen sich die beiter in den Fabriken verdingen mußten , waren ganz entscheidende drücke , die später zur Inspirationsquelle des Komponisten wurden . 
Dennoch fand er seinen Weg zur Musik . Selbst die Prügel seines Vaters , eines trunksüchtigen und gewalttätigen Schmieds , wie auch alle Drohungen seiner Eltern , ihn in eine Erziehungsanstalt zu geben , konnten 
ihn nicht davon abbringen . „ Fragen Sie mich , was mich daran hätte hindern sollen” , rückte er später einmal die falsch gestellte Frage nach den Gründen seines ges zurecht . Und so finanzierte sich der Zwölfjährige seine erste Geige selbst , indem er Postkarten verkaufte . 
Neben dem sozialen und menschlichen Elend der Ausgebeuteten trieb auch der Einfluß seiner frömmlerischen Mutter , die sich bei den singend und musizierend sionierenden „ Bibelfrauen“ engagierte , ne spätere kompositorische Tätigkeit an . „ In meiner Musik spricht die Stimme meiner Mutter” , gab der im Grunde selbst tief religiöse Mensch Allan Pettersson ner Bindung zu ihr Ausdruck . Und auch die Darbietungen der Musikanten auf den Straßen und Hinterhöfen bezeichnete er als entscheidende Eindrücke . 
Auslandsstudien in Frankreich 
Nach langen Jahren des Studiums am Königlichen Musikkonservatorium , auf dem er erst im dritten Anlauf 1930 endlich angenommen worden war , um Violine , Bratsche , Harmonielehre und punkt zu lernen , und einigen ersten positionen erhielt er 1939 ein Stipendium , das ihm ermöglichte , sein Bratschenspiel bei Maurice Vieux in Paris zu kommnen . Eigentlich hatte er ja nach Deutschland gewollt , zu Paul Hindemith , dem komponierenden Bratschisten . Aber nun wurde es eben Paris . Nach kurzer Un - 
terbrechung seines Aufenthalts zu beginn und einigen Monaten in gen fuhr er trotz des Krieges wieder nach Paris zurück , um seine Studien zu den . Erst einige Wochen nach der zung Frankreichs durch die Deutschen kehrte er - streckenweise mit einem schen Truppentransport - nach Schweden zurück . 
Dort erhielt er zunächst eine Stelle als Bratschist bei der Stockholmer sellschaft , dem heutigen schen Orchester , die er auch bis 1952 nehatte . Daß diese Tätigkeit für ihn aber nie Berufung war , verrät die geradezu tere Formulierung „ Der Sohn des Sklaven hatte Bescheid bekommen , Bratsche zu spielen - also tat ich es . Ich durfte nicht komponieren” . 
Um komponieren zu können , meldete er sich daher zeitweise einfach krank . Erst nach seiner Beurlaubung 1950 konnte er sich ganz seiner eigenen Musik widmen , deren handwerkliche Qualitäten er durch private Kompositionsstudien bei Karl - Bir - ger Blomdahl und Otto Olsson zu steigern suchte . Ein erneuter Parisaufenthalt gab ihm Gelegenheit , zwischen 1951 und 1953 mit René Leibowitz und Arthur Honegger von zwei der anerkanntesten Größen ter den zeitgenössischen Kompositions - lehrem zu profitieren . 
Kein Avantgardist 
Im Frühwerk sich zunächst noch an verschiedenen Formgattungen versuchend und in Spieltechnik und Spielweisen zum Teil von Bela Bartök beeinflußt , fand tersson schon sehr bald zu seinem eigenen Kompositionsstil , in dessen Mittelpunkt Grundmotive stehen , die ständig dert und ( weiter ) entwickelt werden . Aber erst 1968 gelang ihm mit der Siebenten Symphonie endlich der Durchbruch . 
Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen legte der Einzelgänger Pettersson jedoch keinen Wert auf musikalischen Fortschritt . Die Organisation der Töne , wie sie die von Leibowitz weitergeführte technik zum Ziel hatte , exerzierte er im Studium zwar durch , bis er sie blind herrschte . Sein Anliegen war sie aber nausowenig wie die musikalische garde mit ihrer experimentellen Musik wie Stockhausen oder Boulez . Auf diese se geriet er zu dem „ symphonischen zentriker” , als der er immer wieder gern 
Mr . 4 , 1995 
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